Selbstbildnis mit Puppe
Rudolf Wacker
1923
Als Rudolf Wacker 1920 aus langer russischer Kriegsgefangenschaft nach Berlin zurückkehrt, sucht er sofort wieder Anschluss an die Vorkriegs-Avantgarde, insbesondere an die inzwischen berühmt gewordenen Maler des deutschen Expressionismus. Wie sehr er sich dieser Kunstrichtung immer noch verbunden fühlt, zeigt das 1923 entstandene Selbstbildnis mit Puppe, in dem er sich in seinem Atelier vor einem eigenen Gemälde darstellt. Häufig finden sich bei Wacker auch Motive von Kinderspielzeug, wie hier eine Puppe und ein Hase auf gelben Rädern.
In 1920, when Rudolf Wacker returned to Berlin from his long war imprisonment in Russia, he immediately sought to reconnect to the pre-war avant-garde, particularly to the now-famous painters of German Expressionism. This Self-Portrait with a Doll from 1923, in which he depicts himself in his studio against the backdrop of one of his own paintings, shows how he still felt closely attached to this movement. In his compositions, Wacker also frequently incorporated children’s toys, such as the doll and the rabbit on yellow wheels in the present painting.
Rahmenaußenmaß (DLR-GE223DL): 85,4 × 69,1 × 5 cm
Als Rudolf Wacker 1920 aus langer russischer Kriegsgefangenschaft nach Berlin zurückkehrte, suchte er sofort wieder Anschluss an die Vorkriegs-Avantgarde, insbesondere an die inzwischen berühmt gewordenen Maler des deutschen Expressionismus. Wie sehr er sich dieser Kunstrichtung immer noch verbunden fühlte, zeigt das vorliegende, 1923 entstandene Selbstbildnis mit Puppe, das in der Auffassung und Malweise stark an Ludwig Meidner erinnert.
Wacker war, wie sein umfangreiches Tagebuch belegt, ein äußerst intelligenter und selbstkritischer Mensch. Ausdruck fand dies auch in zahlreichen Selbstporträts, die sicher zum Besten gehören, was in den zwanziger Jahren auf diesem Gebiet geschaffen wurde. Das vorliegende Bild, von dem mehrere Fassungen bekannt sind1, zeigt den Künstler in seinem Atelier, vor einem eigenen Gemälde stehend. Wie so oft bei Wacker tritt darauf ferner Kinderspielzeug wie eine große bekleidete Puppe und ein Hase auf gelben Rädern auf. Das Gesicht des Künstlers wirkt auffallend schmal und blass, und als scheue er sich, uns in die Augen zu blicken, schaut er am Betrachter vorbei über die linke Schulter. Der extremen seelischen Anspannung, die diese Figur zu quälen scheint, entspricht formal eine äußerst expressive Bildfarbe, die sich in fast schmerzhaft grellen Komplementärkontrasten Ausdruck verschafft. Auf der Rückseite des Gemäldes befindet sich ein unvollendetes Bildnis von Werner Allgäuer.
Nach 1925 löste sich Wacker zunehmend von der expressionistischen Darstellungsweise und näherte sich, wie ein 1936 entstandenes Bildchen in der Sammlung Batliner zeigt, der Malerei der Neuen Sachlichkeit an (Inv. GE224DL).
1 Vgl. Ausst.-Kat. Rudolf Wacker und seine Zeitgenossen, Kunstverein Bregenz 1993, Nm. 69, 72 , 73, 74
zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 164, Nr. 216.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/305573/selbstbildnis-mit-puppeImage Request