Julirose
Max Weiler
1987
Rahmenaußenmaß: 119,5 × 74,8 × 4 cm
Der aus Hall im Tirol stammende Max Weiler galt lange als Doyen der österreichischen Nachkriegskunst. Bekannt wurde er in seiner Heimat einerseits durch monumentale Auftragsarbeiten wie Fresken, Altarbilder und Mosaiken in öffentlichen Gebäuden, andererseits durch eine Vielzahl intimer Staffeleibilder, auf denen meist Landschaften oder Blumen dargestellt sind. Dies allerdings auf so frei improvisierende Art, dass das Motiv oft kaum zu erkennen ist. Als Malmaterial verwendete Weiler mit Vorliebe die traditionelle, von Hand angerührte Eitempera. Weil diese Farben weniger fett und kompakt sind als die Ölfarbe, wirken die Bilder leicht, luftig und bewegt.
Die beiden Werke aus der Sammlung Batliner (Julirose; Am Morgen, Inv. GE226DL) geben Blumen wieder, und beide sind Ende der achtziger Jahre entstanden - zeigen sehr schön, wie weit bei Max Weiler die Auflösung des Gegenständlichen gehen konnte. Ihn deshalb mit den internationalen Hauptströmungen der Nachkriegskunst in Verbindung zu bringen - dem abstrakten Expressionismus und dem Informel-, macht aber keinen Sinn. Zu eigenwillig und einzelgängerisch ist die Leistung dieses Künstlers, der sich zeitlebens als Naturmystiker verstand. «Kunst, wie sie Weiler versteht und vertritt, respektiert ein ganzheitliches Weltwesen als großmächtige Vorgabe und imponierenden Maßstab », schreibt Otto Breicha. «Der Maler verhält sich [...] als ein Ergriffener, der nach allem langt, was ihn berührt, dessen teilnehmendes Interesse alles nur Erdenkliche einschließt: Idyllisches und Grandioses, Strahlendes wie Finsteres, das Blühende und Welke. Der Boden, in dem Weilers Malerei wurzelt, hat vom Leichten und Luftigen geträumter Himmelserscheinungen und vom Schollenhaften und Erdenen erlebter Substanz.»1
1 Im Ausst.-Kat. Max Weiler, Wiener Secession 1988.
vgl. R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 390, Nr. 220.
