Marc Chagall, Das irdische Paradies, Inv. Nr.: GE203DL
Das irdische Paradies
Marc Chagall, Das irdische Paradies, Inv. Nr.: GE203DL
Credit: ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Bildrecht, Wien 2026

Das irdische Paradies

Marc Chagall

1959




Künstler:in (Witebsk 1887 - 1985 St-Paul-de-Vence)
Date1959
Object TypeGemälde
Object typePainting
Materials / TechniquesWandkeramik aus vier Kacheln, geritzt und bemalt, mit Ölfarbe überarbeitet
DimensionsBlatt: 50,5 × 50,5 cm
Rahmenaußenmaß (DLR-GE203DL): 94 × 88 × 5 cm
CreditALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner
Object numberGE203DL
SignedBez. l.u. "MARC CHAGALL / Vallauris 1959"
Text

Seit Mitte der fünfziger Jahre stellte in Chagalls Schaffen die Message biblique ein zentrales Thema dar, auch auf dem Gebiet der Keramik, die ja ohnehin stets unter dem Einfluss seiner Malerei stand. So fertigte der Künstler 1956 für eine Kapelle in Savoyen aus nicht weniger als neunzig Kacheln ein großes Wandbild an, das Szenen des Alten Testaments wiedergibt. 1959 begann der Künstler sich besonders intensiv mit dem Thema der Erschaffung des Menschen zu beschäftigen, unter anderem auch in einer Serie von sechs Kachelbildern.1 In diese Serie gehört die vorliegende, 1959 in Vallauris entstandene Wanddekoration aus vier Kacheln, die sicher zu Chagalls schönsten Arbeiten in dieser Technik zählt. Auf der linken Bildhälfte ist die Erschaffung Evas geschildert. Bedeckt von einer großen Wolke, in der wie ein Bolzen Adam steckt, ist Eva in Embryostellung abgebildet; über der Wolke aber schwebt ein riesiges Mischwesen aus Vogel und Fisch, in dem sich wohl der allmächtige Schöpfergott offenbart. Rechts dagegen ist der Sündenfall dargestellt. Aus einem blühenden Bäumchen blickt verführerisch die Schlange auf das eng umschlungene Paar, während über ihm ein Engel entrüstet die Arme über die beschämende Szene breitet. Erstaunlich an diesem Werk ist die Vielfalt der verwendeten Materialien und Arbeitsinstrumente. Auf die ungebrannten weißen Tonkacheln muss Chagall erst mit dem Pinsel eine grün-blaue Engobe aufgetragen haben, die als dominierender Grundton die gesamte Fläche bedeckt. Um dieser Farbe noch mehr Tiefe und Spiel zu geben, reicherte er sie - ebenfalls mit Hilfe des Pinsels mit schillerndem Oxydpulver und einer goldfarbenen Emaille an. Die figürliche Zeichnung scheint er dagegen erst mit einem Messer und einer Radiernadel eingraviert zu haben; darauf verdeutlichte und vertiefte er sie mit Farbe und Pinsel. Weil beim Brennen unglücklicherweise Haarrisse entstanden, überarbeitete er die Kacheln schließlich noch mit Ölfarbe, so dass die farbige Dichte nochmals eine wesentliche Steigerung erfuhr. Erscheint auf dieser vierteiligen Wandkeramik das Paradies bei Tag, so gibt eine nur aus zwei Kacheln bestehende Variante die nahezu identische Szene bei Nacht wieder (Das irdische Paradies bei Nacht, 1959, Privatbesitz). 

1 Vgl. Sylvie Forestier/Meret Meyer, Chagall Keramik, München 1990, Nr. 205-210.
2 Forestier/Meyer 1990 (wie Anm.1), Nr. 211. 
 


zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 248, Nr. 31.






Catalogue raisonné
  • Koella/Billeter 2005, 31
  • C-307
  • Bibliography
  • Gaston Bachelard/Charles Estienne/Ambroise Vollard, Marc Chagall, in: Derrière le miroir, Nr. 44-45, März-April 1952, Abb.
  • Charles Sorlier, Die Keramiken und Skulpturen von Chagall, München 1972, Nr. 28, Abb. S. 45
  • Sylvie Forestier/Meret Meyer, Chagall Keramik, München 1990, Nr. 212, Abb. 22
  • R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 248, Nr. 31, Abb. S. 249.
  • Online resources
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    Last edited19.05.2025