Marc Chagall, Der große Zirkus, Inv. Nr.: DL299
Der große Zirkus
Marc Chagall, Der große Zirkus, Inv. Nr.: DL299
Credit: ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Bildrecht, Wien 2026

Der große Zirkus

Marc Chagall

1970




Künstler:in (Witebsk 1887 - 1985 St-Paul-de-Vence)
Date1970
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Gouache
DimensionsBlatt: 68 × 101 cm
Rahmenaußenmaß: 100,5 × 132,6 × 6 cm
CreditALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner
Object numberDL299
SignedBez. M. u. "Marc Chagall"
Text

Neben Motiven aus dem Alten und Neuen Testament sowie Jugenderinnerungen aus Russland bilden Szenen aus dem Zirkusleben einen weiteren wichtigen Motivkreis in Chagalls Alterswerk. Den Zirkus soll der Künstler in Frankreich entdeckt haben; zum ersten Mal erscheint das Thema offenbar 1926 im Bild Die drei Akrobaten (1926, Privatbseitz). In größerem Umfang beschäftigte sich Chagall damit allerdings erst ein Jahr später, als ihm der Kunsthändler Ambroise Vollard den Auftrag erteilte, eine Mappe mit Gouachen zu diesem Thema zusammenzustellen. Wie für Rouault, der ebenfalls häufig Zirkusszenen dargestellt hat, besaß die heitere Welt der Gaukler auch eine tragische Seite: «Ich habe Clowns, Akrobaten und Schauspieler immer als tragisch-menschliche Wesen betrachtet, die mich an Personen auf bestimmten religiösen Bildern erinnerten», schrieb er: «Selbst wenn ich heute eine Kreuzigung oder eine andere religiöse Szene male, empfinde ich fast die gleichen Gefühle wie beim Malen der Zirkusleute. »1 Wie dies in Chagalls Spätwerk häufig vorkommt, ist das 1970 entstandene Bild Le grand cirque mit deckender Wasserfarbe gemalt, die dem Künstler ein spontaneres Arbeiten erlaubte als die zähflüssige Ölfarbe. Ebenso bunt und bewegt wie die Bildfarbe mutet die Motivwelt an, die stark ins Phantastische verfremdet ist. Außer dem großen, Geige spielenden Pierrot, dessen Beine die Manege zu verlassen scheinen, gibt es eine zweite pierrotähnliche Figur, die in der Zirkuskuppel ihrem Cello nachfliegt. Es tauchen aber auch Gestalten und Gegenstände auf, die zu benennen und zu deuten nicht möglich ist, weil es sich entweder um so rätselhafte Zwittergestalten wie die riesige Figur mit Tierschädel im Vordergrund links oder aber um Dinge handelt, die im vorliegenden Kontext überhaupt nichts zu suchen haben, wie der Hahn in der Bildmitte, das kleine Haus rechts außen oder die mitten in der Manege aufleuchtenden Formen von Sonne und Mond.

1 Marc Chagall, Mon cirque, Paris 1967, Zitiert nach: Charles Sorlier, Marc Chagall: Traum, Vision und Wirklichkeit, München 1989, S. 154.


zitiert aus: R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 252, Nr. 34.

Catalogue raisonné
  • Koella/Billeter 2005, 34
  • Bibliography
  • Charles Sorlier, Marc Chagall: Traum, Vision und Wirklichkeit, München, 1989, Abb. S. 155
  • R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 252, Nr. 34, Abb. S. 253
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Monet bis Picasso. Die Sammlung Batliner, Albertina, Wien 2007/2008, 192 f., Kat. 119
  • Chagall, Ausst.Kat., Albertina Wien / K20 Düsseldorf, hg. v. Gisela Kirpicsenko, Klaus Albrecht Schröder, u.a., 2024, Kat. 95, S. 186, Abb. S. 206/207.
  • Online resources
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    Last edited04.03.2025