Reflections on Hair (Study)
Roy Lichtenstein
1989
Rahmenaußenmaß 104,5 × 82,7 × 3,7 cm
Im Februar 1962 zeigte Leo Castelli in New York zum ersten Mal Comic-Bilder von Roy Lichtenstein. Sie gefielen dem Publikum so gut, dass bereits vor der Eröffnung sämtliche Bilder verkauft waren. Angefangen hatte das ungewöhnliche Experiment damit, dass der junge Künstler für seine beiden Söhne Disney-Figuren von amerikanischen Kaugummipapieren kopierte. «Dann kam ich auf die Idee, eins dieser Kaugummipapiere zu malen, und zwar großformatig, einfach um zu sehen, wie das ausschauen würde. Ich glaube, zuerst war ich dabei Beobachter und gar nicht so sehr Maler, aber als das Bild dann halbfertig war, begann es mich auch als Bild zu interessieren. »1 1961 entstanden dann die ersten Ölbilder mit Motiven aus populären Cartoon-Serien und aus der Werbung, wobei Lichtenstein nicht nur das Motiv an sich übernahm, sondern auch versuchte, die entsprechende Drucktechnik zu imitieren: die dicke schwarze Kontur, die regelmäßigen Schraffuren und vor allem die durch die Offsettechnik bedingten Rasterpunkte. Das Spezielle dieser Methode war einerseits die Neuverwendung einer trivialen Motivwelt, andererseits das betont Maschinelle und Stereotype der Darstellungsweise. Mit dieser ungewöhnlichen Bildidee wurde Lichtenstein schlagartig zu einem der bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Pop Art. Auch als die Pop Art längst von jüngeren Strömungen überholt war, entwickelte der Künstler seinen flächig-plakativen Stil weiter, wobei die Bilder nun immer abstrakter wurden. Die Darstellungen gehen zwar weiterhin auf triviale Illustrationszeichnungen zurück, sie sind jedoch so stark fragmentiert, dass die Motive kaum mehr zu erkennen sind. Wie das hier abgebildete Beispiel aus der Sammlung Batliner zeigt, bediente sich Lichtenstein dabei auch gerne der Collagetechnik. Gewisse Teile des Bildes sind hier nicht mehr gemalt, sondern bestehen aus so ungewöhnlichen Materialien wie einem Streifen Glanzpapier, der im Bild einen Spiegel darstellt.
1 Vgl. Bruce Glaser, Oldenburg. Lichtenstein Warhol: A Discussion , in: Artforum 4/6, 1966. S. 21.
vgl. R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.)/Felix Billeter (Wiss. Mitarb.), Verborgene Meisterwerke (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2005), Wien 2005, S. 374, Nr. 125.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/305701/reflections-on-hair-studyImage Request