Heinz Mack, Stille und Vibration, Inv. Nr.: GE262DL
Stille und Vibration
Heinz Mack, Stille und Vibration, Inv. Nr.: GE262DL
Credit: ALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © Bildrecht, Wien 2026

Stille und Vibration

Heinz Mack

1959




Künstler:in (Deutschland, geboren 1931)
Date1959
Object TypeGemälde
Object typePainting
Materials / TechniquesKunstharz auf Nessel
Dimensions119 × 90 cm
Rahmenaußenmaß: 123,5 × 94 × 4,5 cm
CreditALBERTINA, Wien - Sammlung Batliner
Object numberGE262DL
SignedBez. verso "Stille und Vibration / Mack 59" (sowohl auf der Leinwand wie auf dem Keilrahmen)
Text

Aufgewachsen ist Heinz Mack inmitten der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die im Ruhrgebiet besonders verheerend ausgefallen waren. Dass dies einen prägenden Einfluss auf seine geistige und künstlerische Entwicklung ausübte, verwundert nicht. Wie so viele andere angehende Künstler in Deutschland hatte er gar keine andere Wahl, als wieder bei Null anzufangen und zu versuchen, mit seinem Schaffen ein Zeichen des Neubeginns zu setzen. Also gründete er 1958 mit seinem Atelierpartner Otto Piene in Düsseldorf eine Künstlergruppe, der sie den programmatischen Namen ZERO – französisch Null – gaben und der sich 1961 auch der Plastiker Günther Uecker anschloss.[1]

Der Begriff ZERO bezog sich nicht nur auf die fatale Situation im damaligen Nachkriegsdeutschland; die jungen Künstler brachten damit auch zum Ausdruck, dass sie die Kunst wieder auf einen absoluten Nullpunkt zurückführen wollten, um ohne jeden Ballast aus der Vergangenheit zu einem radikalen Neuanfang zu finden. Das Neue, mit dem sie eine verblüffte Öffentlichkeit konfrontierten, hatte sehr verschiedene Gesichter. Verbindend war, dass sich alle drei Künstler bemühten, mittels ungewöhnlicher Materialien und Techniken der Kunst neue Erscheinungsformen zu verleihen. So fertigte Piene mit Ruß Rauchzeichnungen an, Uecker mit in Holz geschlagenen Nägeln Nagelbilder, während Mack Aluminiumfolien mit Hilfe der Frottagetechnik so bearbeitete, dass daraus schillernde Lichtreliefs wurden.

Licht spielte im Schaffen von Heinz Mack überhaupt eine wichtige Rolle – auch in seiner Malerei, die er neben seinen avantgardistischen Materialexperimenten ständig weiterpflegte. Wie in der Sammlung Batliner fünf Bilder aus seiner frühen ZERO-Zeit zeigen (siehe Inv. GE263DL - GE266DL) , ist die Farbe stets auf einen einzigen Ton beschränkt, der jedoch mittels feiner linearer Oberflächenstrukturen zum Vibrieren gebracht wird – als würde Licht auf eine reliefierte Oberfläche fallen. Stille und Vibration heißt das hier abgebildete Großformat aus dem Jahr 1959. Obschon ausnahmsweise eine Buntfarbe fehlt, vermag es dank feinster, systematisch verteilter Grauabstufungen und einem äußerst pastosen Farbauftrag im Auge des Betrachters eine ähnlich „vibrierende“ Oberflächenstruktur zu erzeugen, wie der Künstler dies auch gleichzeitig in seinen Lichtreliefs aus Aluminiumfolie anstrebte.

[1] Der Begriff ZERO wurde im Herbst 1957 geprägt; als offizielles Gründungsereignis gilt jedoch eine am 24. April 1958 durchgeführte Abendveranstaltung in Max und Pienes Düsseldorfer Atelier.

R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 82, Kat. 58.

Catalogue raisonné
  • Koella 2012, 58
  • Bibliography
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Rainer Metzger (Bearb.), Meisterwerke der Moderne aus der Albertina, Wien 2009, Abb. S. 224
  • R. & H. Batliner Art Foundation (Hg.), Rudolf Koella (Konzept und Red.), R. & H. Batliner Art Foundation. Neuerwerbungen 2005-2011 (Kat. Best. R. & H. Batliner Art Foundation, Vaduz 2012), Vaduz 2012, S. 82 f., Kat. 58, Abb.
  • Online resources
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    Last edited03.12.2024