Italienische Hügellandschaft mit Felsen und Häusern, einem Kastell und einer fernen Meeresbucht
Jean Baptiste Forest
Ich danke Erwin Pokorny für den Hinweis auf das Vorhandensein dieser Zeichnung anläßlich seiner Recherchen bei der Inventarisierung der "Niederländischen, flämischen und holländischen Schule", wo das Blatt interessanterweise und aus nicht ganz verständlichen Gründen aufgefunden wurde. Die Zuschreibung muß auf die Zeit Alberts von Sachsen-Teschen zurückgehen, wie durch die Originalmontierung der Zeichnung hervorgeht; die Biographie des in Paris geborenen und verstorbenen Künstlers müßte spätestens seit dem Erschei.nen von Dezallier d'Argenvilles "Abrege de la vie des plus fameux Peintres ... " im Jahr 1762 bekannt gewesen sein. Antoine Schnapper (in: Paris 1989, Nr 41) listet eine Handvoll Blätter von Forest in der Ecole des Beaux-Arts in Paris, dem Louvre, im Art Museum der Princeton University und im Fogg Art Museum der Harvard University auf, denen wir das vorliegende Blatt der Albertina und eine mit letzterem vergleichbare Zeichnung in der Bremer Kunsthalle hinzufügen möchten. Das Wiener und das Bremer Blatt vereinigt vor allem die Art der Landschaftsauffassung: Eine leichte Überschauperspektive führt den Blick über einen streng gefügten Landschaftsraum im Vorder-und Mittelgrund, von dem das Auge auf eine Fernsicht im Hintergrund gelenkt wird, mit der die Albertina-Zeichnung noch über das Bremer Blatt hinausgeht. Die beiden erwähnten Zeichnungen unterscheiden sich von einem von Antoine Schnapper (in: Paris 1989, Nr. 41) veröffentlichten Blatt aus der Sammlung Polakovits in der Ecole des Beaux-Arts in Paris, das skizzenhafter ausgeführt ist. Das Pariser Blatt erinnert unmittelbarer an Vorbilder, wie z. B. an Gaspard Dughet, die eine spezifisch römische, ideale Landschaftsauffassung vertraten, wohingegen die Wiener Zeichnung - bei gleichbleibenden oder ähnlichen Versatzstücken wie Meeresbucht, Kastell bzw. Kirchenanlage auf einem Felsen und bewaldeten Hügel - durch spezifisch flämische Elemente wie Überschaulandschaft und hohen Horizont erweitert scheint.
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 77, Nr. 551.
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