Rabischschlucht
Franz Grabmayr
1994
Mit seiner ausdrucksstarken, bewegten Malweise nimmt Franz Grabmayr eine Sonderposition in Österreich ein. Die englischen Maler Frank Auerbach, Leon Kossoff und Lucian Freud betrachten ihn aufgrund seiner schweren, pastosen Malweise früh als einen der Ihren. Die Farbe wird temperamentvoll mit breiten Pinseln oder mit der Spachtel aufgetragen und erzeugt Landschaftsreliefs, die Naturerlebnisse widerspiegeln. Durch seine expressiven Gemälde gilt Grabmayr in den 1980er-Jahren als Vorbild der Malerei der „Neuen Wilden“.
Neben den bekannten Feuerbildern gibt es in Grabmayrs Schaffen noch weitere zyklisch bearbeitete Bildthemen wie die Sandgruben- und Aschebilder, zu denen auch die Rabisch-Schlucht gehört. Der Künstler ließ sich von der Gischt des Wildbachs und den nasskalten bemoosten Felsen einer Bergschlucht dieses Namens in den Oberkärntner Alpen inspirieren. Die Farbmasse wird hier mit Sand und Asche angereichert.
Trotz des hohen Abstraktionsgrades der dynamisch gemalten, wie Materialbilder aufgebauten Werke braucht Franz Grabmayr die unmittelbare Anschauung der Natur für seine malerischen Metamorphosen des Gesehenen.
Außer den Feuerbildern (Inv. GE198DL und GE359DL) gibt es in Franz Grabmayrs Schaffen noch ein paar weitere zyklisch bearbeitete Bildthemen.[1] Den Feuerbildern eng verwandt sind die Sandgruben- und Aschebilder, die Grabmayr ebenfalls in der bereits erwähnten Sandgrube (siehe Inv. 316DL) im Waldviertel zu malen pflegt. Nur dass er in diesem Fall die Farbmasse nicht mit Eiern anreichert, sondern mit Sand und Asche. Zu dieser Werkgruppe zählt auch das vorliegende Werk, das im Titel explizit auf den Ort Bezug nimmt, der ihn dazu inspiriert hat: Festgehalten sind Eindrücke aus der hoch romantischen Rabischschlucht im Kärntner Nationalpark Hohe Tannen, wobei auch diese Bilder, so unglaublich es klingen mag, direkt vor dem Motiv gemalt wurden.
[1] Einen guten Überblick über Grabmayrs verschiedene Bildthemen gibt die 2002 erschienene Monographie von Klaus Albrecht Schröder.
