Brief von Egon Schiele an Heinrich Benesch vom 23. März (0. J.) vermutlich 1911
Egon Schiele
23. März 1911
Allgemein (Kuvert): 8 x 12 cm
[Kuvert Rückseite:] Herrn Heinrich Benesch.
[Text:] Mein lieber Herr Benesch, mir ist momentan Schreckliches passiert, | und ich glaube daß Sie mir gerne einen freundlichen Dienst | erweisen wollen. – Die Neukunstgruppe bestellte im Dezember | 1909 beim Observer die Zeitungsausschnitte, die bis heute | nicht bezahlt sind. Nun wurde alles auf mich geworfen, weil |ich der Präsident war. – So kam es daß ich heute bei Gericht | unterschreiben mußte, daß ich bis morgen die Schuld bezahle; | ich erhoffte heute einige hundert Kronen die nicht kamen, womit | ich die Schuld von 100 K bezahlen hätte können. – Da diese | Beträge an unsicheren Tagen kommen, sollte ich, also | morgen diese hundert erlegen. – Ich glaube daß Sie | gerne bis morgen, mir diese 100 besorgen werden. – Wenn | Sie´s mir leihen wollten, würde ich Ihnen in 14 Tagen | die 100 retournieren. Leider haben Sie mir aufgeschrieben | daß Sie etwas in der Sparkassa haben. Seien Sie so lieb! | Ich würde Ihnen also totsicher alle 100 K in 14 Tagen zurückge- |geben haben; heute ist der 23. März, also bis längstens | zu meiner Ausstellung. Ich grüsse Sie! Egon Schiele.
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