Maximilian I. als heiliger Georg
Daniel Hopfer
um 1519
Daniel Hopfers Radierung zeigt Kaiser Maximilians unverwechselbares Profilbildnis in einer Kostümierung als hl. Georg. Engel präsentieren Wappen und Banner mit dem Georgskreuz, und unten rechts kringelt sich ganz unscheinbar der zu Fall gebrachte Lindwurm. Die besondere Verehrung des Kaisers für den kappadokischen Drachenbezwinger zieht sich als roter Faden durch seine gesamte Biografie, quasi von der Wiege bis zur Bahre: Beinahe wäre er auf den Namen Georg getauft worden, und gemäß seinem Testament wurde er 1519 in der Georgskapelle der Burg zu Wiener Neustadt beigesetzt. Kreuzzugsideen und das hohe Ziel, dem verehrten Heiligen gleich den »turkischen Trach« zu besiegen, bewegten ihn zeitlebens. Für die militärische Abwendung dieser Gefahr hatte Friedrich III. 1467/69 in Millstatt den St.-Georgs-Ritterorden gegründet, dem auch Maximilian seit 1511 angehörte. Er selbst initiierte bereits 1493 eine St.-Georgs-Bruderschaft sowie 1503 eine St.-Georgs-Gesellschaft. Auch die maximilianeische Ikonografie greift die Georgsthematik immer wieder auf. Hopfer verschmilzt nun das Bild des Drachentöters mit dem geläufigsten Konterfei des Kaisers, nämlich dem von Bernhard Strigel geprägten und vielfältig kopierten Bildnis, und dem Hinweis auf die Insignien des St.-Georgs-Ritterordens (auch seinem Abzeichen lag das Georgskreuz zugrunde). Somit erfand Hopfer ein in der Person Maximilians konzentriertes Symbol des Kampfes gegen den Unglauben.
Eine zweite Radierung Hopfers zeigt in nahezu identischen Maßen und in ganz ähnlicher Konzeption – sogar der schild- und bannertragende Engel hat seinen Auftritt – das ins Profil gedrehte Hüftbild des gerüsteten hl. Sigismund (Metzger 56). Seinem königlichen Rang angemessen, trägt er Schwert, Szepter und Krone; ein oben rechts schwebender Engel komplettiert mit Reichsapfel und Helm die Herrscherinsignien. Um den Hals hat er die Collane vom Goldenen Vlies gelegt, deren Glieder – Feuereisen und Andreaskreuz – auch den Kronreif zieren.
Sigismund oder Sigmund lebte um 500 und wurde im Jahr 516 König von Burgund. Damit gehörte er zur sogenannten Sipp-, Mag- und Schwägerschaft Maximilians (Kat. Nrn. 22–23), der langen, illustren Reihe Heiliger und Seliger des Hauses Habsburg. Der hl. Georg hingegen zählte zwar nicht zu jenen legendären Vorfahren des Kaiserhauses, doch standen unter seiner Schirmherrschaft die kaiserlichen Kreuzzugspläne. Zu deren Verwirklichung sollte der St.-Georgs-Orden das durchführende Organ werden, der wiederum seine Liturgie nach dem habsburgischen Heiligenkalender ausrichtete. Auch der Orden vom Goldenen Vlies war u. a. der Erhaltung des katholischen Glaubens und dem Schutz der Kirche gewidmet. Da beide Dargestellten nicht als wirkliche Pendants, sondern mit starrem Blick nach rechts orientiert sind, könnte eine noch umfangreichere Folge geplant gewesen sein. Vielleicht ist die Geste Maximilians als Eröffnung der Reihe jener Heiligen zu interpretieren, die dem militärischen Auftrag des Ordens gemäß bevorzugt aus den »Ritterheiligen« rekrutiert worden wären.
Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 115, S. 354.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/321490/maximilian-i-als-heiliger-georgImage Request