Daniel Hopfer, Maximilian I. als heiliger Georg, Inv. Nr.: DG2010/289
Maximilian I. als heiliger Georg
Daniel Hopfer, Maximilian I. als heiliger Georg, Inv. Nr.: DG2010/289
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Maximilian I. als heiliger Georg

Daniel Hopfer

um 1519




Daniel Hopfers Radierung zeigt Kaiser Maximilians unverwechselbares Profilbildnis als heiliger Georg. Engel präsentieren Wappen und Banner mit dem Georgskreuz, und unten rechts kringelt sich der zu Fall gebrachte Drache. Die besondere Verehrung des Kaisers für den heiligen Georg zieht sich als roter Faden durch seine gesamte Biografie. Unter dessen Schirmherrschaft standen die kaiserlichen Kreuzzugspläne. Hopfer verschmolz das Bild des Drachentöters mit dem bekannten Konterfei des Kaisers und machte diesen damit zum Symbol des Kampfes gegen den Unglauben.


Künstler:in (Kaufbeuren 1471 - 1536 Augsburg)
Dateum 1519
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesEisenradierung
DimensionsBlatt: 23,0 x 15,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2010/289
EditionErster Zustand
SignedM.l. "D. H" (unter Hopfendolde)
Im Kontext der Sammlung
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Dieses Blatt befindet sich auf Seite D/I/28/54 des Klebebandes Deutsch nach Sektionen I/28. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich das gezeigte Werk befindet, ist aus der Reihe, die den deutschen Sprachraum umfasst. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 28. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Text

Daniel Hopfers Radierung zeigt Kaiser Maximilians unverwechselbares Profilbildnis in einer Kostümierung als hl. Georg. Engel präsentieren Wappen und Banner mit dem Georgskreuz, und unten rechts kringelt sich ganz unscheinbar der zu Fall gebrachte Lindwurm. Die beson­dere Verehrung des Kaisers für den kappadokischen Drachenbezwinger zieht sich als roter Faden durch seine gesamte Biografie, quasi von der Wiege bis zur Bahre: Beinahe wäre er auf den Namen Georg getauft worden, und gemäß seinem Testament wurde er 1519 in der Georgs­kapelle der Burg zu Wiener Neustadt beigesetzt. Kreuzzugsideen und das hohe Ziel, dem verehrten Heiligen gleich den »turkischen Trach« zu besiegen, bewegten ihn zeitlebens. Für die militärische Abwendung dieser Gefahr hatte Friedrich III. 1467/69 in Millstatt den St.-Georgs-Ritterorden gegründet, dem auch Maximilian seit 1511 angehörte. Er selbst initiierte bereits 1493 eine St.-Georgs-Bruderschaft sowie 1503 eine St.-Georgs-Gesellschaft. Auch die maximilianeische Ikonografie greift die Georgsthematik immer wieder auf. Hopfer verschmilzt nun das Bild des Drachentöters mit dem geläufigsten Konterfei des Kaisers, nämlich dem von Bernhard Strigel geprägten und vielfältig kopierten Bildnis, und dem Hinweis auf die Insignien des St.-Georgs-Ritterordens (auch seinem Abzeichen lag das Georgskreuz zugrunde). Somit erfand Hopfer ein in der Person Maximilians konzentriertes Symbol des Kampfes gegen den Unglauben.

Eine zweite Radierung Hopfers zeigt in nahezu identischen Maßen und in ganz ähnlicher Konzeption – sogar der schild- und bannertragen­de Engel hat seinen Auftritt – das ins Profil gedrehte Hüftbild des gerüs­teten hl. Sigismund (Metzger 56). Seinem königlichen Rang angemessen, trägt er Schwert, Szepter und Krone; ein oben rechts schwebender Engel komplettiert mit Reichsapfel und Helm die Herrscherinsignien. Um den Hals hat er die Collane vom Goldenen Vlies gelegt, deren Glieder – Feuereisen und Andreaskreuz – auch den Kronreif zieren.

Sigismund oder Sigmund lebte um 500 und wurde im Jahr 516 König von Burgund. Damit gehörte er zur sogenannten Sipp-, Mag- und Schwägerschaft Maximilians (Kat. Nrn. 22–23), der langen, illustren Reihe Heiliger und Seliger des Hauses Habsburg. Der hl. Georg hingegen zählte zwar nicht zu jenen legendären Vorfahren des Kaiserhauses, doch standen unter seiner Schirmherrschaft die kaiserlichen Kreuzzugspläne. Zu deren Verwirklichung sollte der St.-Georgs-Orden das durchfüh­rende Organ werden, der wiederum seine Liturgie nach dem habsbur­gischen Heiligenkalender ausrichtete. Auch der Orden vom Goldenen Vlies war u. a. der Erhaltung des katholischen Glaubens und dem Schutz der Kirche gewidmet. Da beide Dargestellten nicht als wirkliche Pen­dants, sondern mit starrem Blick nach rechts orientiert sind, könnte eine noch umfangreichere Folge geplant gewesen sein. Vielleicht ist die Geste Maximilians als Eröffnung der Reihe jener Heiligen zu interpretieren, die dem militärischen Auftrag des Ordens gemäß bevorzugt aus den »Ritterheiligen« rekrutiert worden wären.

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 115, S. 354.


Catalogue raisonné
  • Bartsch VIII.491.79
  • Hollstein German XV.113.88
  • Metzger, Hopfer 377.55
  • Bibliography
  • Baldass 1913/14a, S. 306 – 307
  • Ausst.-Kat. Innsbruck 1992a, S. 347 – 348, Nr. 160 (Erwin Pokorny)
  • Christof Metzger, Daniel Hopfer. Ein Augsburger Meister der Renaissance, Berlin München 2009, Kat. 55
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 115 (Ch. Metzger)
  • Online resources
    zum Catalogue raisonné

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    Last edited27.07.2021