Albrecht Dürer, Der heilige Koloman (Johannes Stabius als St. Koloman), Inv. Nr.: DG1935/984
Der heilige Koloman (Johannes Stabius als St. Koloman)
Albrecht Dürer, Der heilige Koloman (Johannes Stabius als St. Koloman), Inv. Nr.: DG1935/984
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der heilige Koloman (Johannes Stabius als St. Koloman)

Albrecht Dürer

1513




Maximilians Hofhistoriograf Johannes Stabius (vor 1465–1522) war ein vielseitiger Gelehrter, Literat und Naturwissenschafter. Er verfasste eine Ode auf den österreichischen Landespatron, den heiligen Koloman, für die er möglicherweise 1502 zum Poeta laureatus gekrönt wurde. Der heilige Koloman ist auch auf dem von Stabius bei Dürer in Auftrag gegebenen Holzschnitt dargestellt und trägt nicht zufällig die Gesichtszüge des Gelehrten: Als Kryptoporträt bringt er ein Höchstmaß an Identifikation mit dem besonders verehrten Heiligen zum Ausdruck. An den großen Gedächtnisprojekten des Kaisers war Stabius mit der Beaufsichtigung der Arbeiten am Triumphzug und der Konzeption der Ehrenpforte maßgeblich beteiligt.


Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1513
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt und Typendruck
DimensionsBlatt: 28 × 16,7 cm
Platte: 25,9 × 16,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1935/984
Im Kontext der Sammlung
Dieses Blatt befindet sich auf Seite D/I/10/4 des Klebebandes Deutsch nach Sektionen I/10. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich das gezeigte Werk befindet, ist aus der Reihe, die den deutschen Sprachraum umfasst. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 10. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Text

Wie so viele Einblattdrucke ist auch dieser seines begleitenden latei­nischen Verstextes verlustig gegangen, den der Auftraggeber Johannes Stabius (vor 14651522) auf den Märtyrer und österreichischen Landes­patron, den hl. Koloman, verfasst hat. Die sapphische Ode schließt mit der Anempfehlung Kaiser Maximilians an die besondere Huld des Hei­ligen. Dieser blickt den Betrachter mit ungewohnter Eindringlichkeit an, was durch den Porträtcharakter der Physiognomie noch unterstrichen wird. Die strenge Frontalität wird durch die Staufalten um die rechte Hand, die den Henkerstrick des Martyriums vorzeigt, und durch den vorgestellten Fuß belebt. Bemerkenswert ist die blockhafte Statuarik der Figur, die an die bronzenen Heiligenstatuetten für das Grabmal erinnert. Die klare Linienführung der Darstellung, der leere Hintergrund und die zurückhaltende plastische Ausarbeitung der vier Wappenschilde schlie­ßen die Möglichkeit der Kolorierung durch einen Briefmaler nicht aus.

Stabius war ein vielseitiger Gelehrter und Literat, Schüler des Konrad Celtis und vor allem als Naturwissenschaftler bedeutend. Ungewöhnlich dicht ist die Reihe der beglaubigten Bild­nisse des Stabius, der durch seine redaktionelle Leitung des Projekts der Ehrenpforte (Inv. DG1935/973) ab 1512 mit den ersten Künstlern des Rei­ches in engste Berührung kam. Er nutzte sie, um die eigene memoria mit der kaiserlichen in Wort und Bild unauflöslich zu verknüpfen. So kann er mit einiger Sicherheit etwa unter den beiden Inventoren des Miniaturentriumphzugs identifiziert werden (s. Beitrag Michel, in Ausst.-Kat. Albertina 2012, S. 63, Anm. 13), desgleichen auf einem der Dürer-Entwürfe zu diesem The­menkreis (Greiser Standartenträger, Inv. 3157).

Kryptoporträts bringen ein Höchstmaß an Identifikation mit ei­nem besonders verehrten Heiligen zum Ausdruck. Möglicherweise ist Stabius 1502 für die beigefügte Ode auf Koloman zum Poeta laureatus gekrönt worden. Dann wäre der Anlass für den Druck womöglich die Verleihung des Wappens rechts unten, das sich ebenso am rechten Sockel der Ehrenpforte findet.


Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 123, S. 372.

Catalogue raisonné
  • Meder p. 194 1.a
  • Schoch II.234
  • Bibliography
  • Meder S. 194 1A
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 123 (Th. Schauerte), Abb. S. 372
  • Provenance
  • Altbestand Hofbibliothek

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/321494/der-heilige-koloman-johannes-stabius-als-st-kolomanImage Request
    Last edited28.07.2021

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