Der heilige Koloman (Johannes Stabius als St. Koloman)
Albrecht Dürer
1513
Platte: 25,9 × 16,6 cm
Wie so viele Einblattdrucke ist auch dieser seines begleitenden lateinischen Verstextes verlustig gegangen, den der Auftraggeber Johannes Stabius (vor 1465–1522) auf den Märtyrer und österreichischen Landespatron, den hl. Koloman, verfasst hat. Die sapphische Ode schließt mit der Anempfehlung Kaiser Maximilians an die besondere Huld des Heiligen. Dieser blickt den Betrachter mit ungewohnter Eindringlichkeit an, was durch den Porträtcharakter der Physiognomie noch unterstrichen wird. Die strenge Frontalität wird durch die Staufalten um die rechte Hand, die den Henkerstrick des Martyriums vorzeigt, und durch den vorgestellten Fuß belebt. Bemerkenswert ist die blockhafte Statuarik der Figur, die an die bronzenen Heiligenstatuetten für das Grabmal erinnert. Die klare Linienführung der Darstellung, der leere Hintergrund und die zurückhaltende plastische Ausarbeitung der vier Wappenschilde schließen die Möglichkeit der Kolorierung durch einen Briefmaler nicht aus.
Stabius war ein vielseitiger Gelehrter und Literat, Schüler des Konrad Celtis und vor allem als Naturwissenschaftler bedeutend. Ungewöhnlich dicht ist die Reihe der beglaubigten Bildnisse des Stabius, der durch seine redaktionelle Leitung des Projekts der Ehrenpforte (Inv. DG1935/973) ab 1512 mit den ersten Künstlern des Reiches in engste Berührung kam. Er nutzte sie, um die eigene memoria mit der kaiserlichen in Wort und Bild unauflöslich zu verknüpfen. So kann er mit einiger Sicherheit etwa unter den beiden Inventoren des Miniaturentriumphzugs identifiziert werden (s. Beitrag Michel, in Ausst.-Kat. Albertina 2012, S. 63, Anm. 13), desgleichen auf einem der Dürer-Entwürfe zu diesem Themenkreis (Greiser Standartenträger, Inv. 3157).
Kryptoporträts bringen ein Höchstmaß an Identifikation mit einem besonders verehrten Heiligen zum Ausdruck. Möglicherweise ist Stabius 1502 für die beigefügte Ode auf Koloman zum Poeta laureatus gekrönt worden. Dann wäre der Anlass für den Druck womöglich die Verleihung des Wappens rechts unten, das sich ebenso am rechten Sockel der Ehrenpforte findet.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/321494/der-heilige-koloman-johannes-stabius-als-st-kolomanImage Request