Jacob Jordaens, Maria mit Kind und einer Magd, Inv. Nr.: 15126
Maria mit Kind und einer Magd
Jacob Jordaens, Maria mit Kind und einer Magd, Inv. Nr.: 15126
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Maria mit Kind und einer Magd

Jacob Jordaens

um 1620/21




Künstler:in (Antwerpen 1593 - 1678 Antwerpen)
Dateum 1620/21
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesPinsel in Braun, Rötel, Aquarell und Deckfarben, über schwarzer Kreide
Dimensions35,7 x 48 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number15126
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Jacob Jordaens ging beim Antwerpener Maler Adam van Noort in die Lehre und erwarb 1615 seine Meisterschaft als »Waterschilder« (Wasserfarbenmaler). Seit 1621 führte er eine Werkstatt mit einigen Schülern. Nach dem Tod von Rubens (1640) und von Van Dyck (1641) wurde Jordaens zum führenden Vertreter der flämischen Malerei. Sein Hauptgebiet waren religiöse und mythologische Motive, aber er schuf auch Genredarstellungen, Allegorien, Porträts und Entwürfe für Tapisserien.

Ebenso wie Rubens war Jordaens als Zeichner besonders produktiv und vielseitig. Während Rubens aber seine Kompositionsentwürfe in Ölfarben skizzierte, führte Jordaens seine vorbereitenden Arbeiten in Aquarell- und Deckfarben aus, so auch die hier präsentierte großformatige Zeichnung. Durch Papierstreifen wurde das Blatt im Zuge des Arbeitsfortschritts an drei Seiten vergrößert. Diese Methode ist charakteristisch für Jordaens, dessen Ideen sich während der Arbeit immer wieder ändern konnten.

Die intime Szene mit der Dreiergruppe der Muttergottes, ihrem Kind und der eine Kerze haltenden Magd entstand um 1620/21. Die Farben sind relativ zurückhaltend, die Figuren monumental. Anders als Rubens und Van Dyck konzentrierte sich Jordaens auf die realistische Wiedergabe von Personen aus der flämischen Bevölkerung in einem betont schlichten Ambiente. Kennzeichnend für seine Arbeitsweise ist die Skizzenhaftigkeit der gezeichneten und gemalten Linien in Verbindung mit den großen, aquarellierten Flächen bei einer klaren Trennung zwischen hellen und dunklen Partien. Im Chiaroscuroeffekt, hervorgerufen durch das Kerzenlicht, zeigt sich sein Interesse an dem römischen Maler Caravaggio, der in vielen europäischen Ländern einen großen Einfluss ausübte.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 120, S. 246.


Jacob Jordaens, Sohn eines Leinenhändlers, ging beim Antwerpener Maler #Adam van Noort in die Lehre, dessen Tochter Catharina er 1616 heiratete. 1615 erhielt er seine Meisterschaft als "Waterschilder" (Wasserfarbenmaler). 1621 wurde er Dekan der Antwerpener St. Lukasgilde; in diesem Jahr führte er bereits eine Werkstatt mit einigen Schülern. Eine unmittelbare Verbindung mit dem um fünfzehn Jahre älteren #Rubens ergab sich 1634 durch seine Mitarbeit an den Festdekorationen für den Einzug des #Kardinal-Infanten Ferdinand von Habsburg. 1637/38 arbeitete er im Auftrag #Philipps IV. von Spanien an den Dekorationen in Torre de la Parada, einem königlichen Jagdsitz in der Nähe von Madrid. Nach dem Tod von Rubens (1640) und von #van Dyck (1641) wurde Jordaens zum führenden Vertreter der flämischen Malerei. Sein Hauptgebiet waren religiöse und mythologische Motive, aber er schuf auch Genredarstellungen, Allegorien, Porträts und Entwürfe für Tapisserien.
Ebenso wie Rubens und van Dyck war Jordaens als Zeichner besonders produktiv und vielseitig. Diese Tätigkeit hing zumeist mit den großen Gemäldeaufträgen zusammen, die er in seinem Atelier mit der Hilfe von Mitarbeitern ausführte. Während Rubens seine Kompositionsentwürfe in Ölfarben skizzierte, führte Jordaens seine vorbereitenden Arbeiten in Aquarell- und Deckfarben aus.
Ein charakteristisches Beispiel für diese Technik ist die hier präsentierte großformatige Zeichnung. Durch breite Papierstreifen wurde das Blatt im Zuge des Arbeitsverfahrens an drei Seiten vergrößert. Diese Methode ist kennzeichnend für Jordaens, dessen Ideen sich während der Arbeit immer wieder ändern konnten; oft brachte er seine Ergänzungen sogar viel später an.
In der intimen Szene der Mutter, die ihr Baby hochhält, und der Magd, die eine brennende Kerze hält, hat Jordaens vermutlich Maria und das Christuskind wiedergegeben. Das Blatt entstand um 1620/21, in der frühen Schaffensphase des Künstlers; ein entsprechendes Gemälde ist nicht bekannt. Die Farben sind noch relativ zurückhaltend, die Figuren monumental und flächenfüllend. Anders als Rubens und van Dyck konzentrierte sich Jordaens in seinen religiösen Szenen auf die realistische Wiedergabe von Figuren aus der flämischen Bevölkerung in einem betont schlichten Ambiente. Kennzeichnend für seine Arbeitsweise ist die Skizzenhaftigkeit der gezeichneten und gemalten Linien in Verbindung mit den großen aquarellierten Flächen bei einer klaren Trennung zwischen den hellen und dunklen Partien. Im Chiaroscuro-Effekt, hervorgerufen durch das Kerzenlicht, zeigt sich das für diese Phase charakteristische Interesse für die Methoden des römischen Malers #Caravaggio, der in vielen europäischen Ländern einen großen Einfluss ausübte. In seiner Komposition griff Jordaens vermutlich auf eine etwas früher entstandene lavierte Federzeichnung zurück, in der er außer der betreffenden Dreiergruppe auch die Figuren des hl. Josef und der hl. Anna wiedergab (Sammlung Mrs. John H. Sichel, New York; d'Hulst 1974, Nr. 62).

Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 74.

Bibliography
  • Bernt 1957/58, Nr. 326
  • Benesch 1964/1981, Nr. XV
  • AK Ottawa 1968/69, Nr. 147
  • d'Hulst 1974, Bd. 1, Nr. A56
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina, Wien, Ostfildern 2008, Nr. 74 (M. Bisanz-Prakken)
  • AK Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Nr. 120.
  • Albertina, Rubens bis Rembrandt, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb. 40
  • Provenance
  • Charles Antoine Prince de Ligne (1759–1792), Brüssel (Auktion bei Aloys Blumauer, Wien, ab 4. November 1794
  • Lugt Rep. 5245) (Bartsch 1794, S. 268, Nr. 7)
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/32191/maria-mit-kind-und-einer-magdImage Request
    Last edited20.07.2021