Selbstbildnis mit Barett
Rembrandt Harmensz. van Rijn
um 1660
Rahmenaußenmaß 34,8 × 37,1 × 3,9 cm
Unter den rund 85 gemalten, radierten und gezeichneten Selbstbildnissen von Rembrandt nehmen die Zeichnungen einen erstaunlich geringen Platz ein. Von den nur fünf bis sieben Blättern, die zwischen 1629 und 1660 entstanden sind, ist das hier gezeigte "Selbstbildnis mit Barett" das späteste Exemplar. Otto Benesch betrachtete es als Vorstudie für das 1660 gemalte "Selbstbildnis an der Staffelei" (Paris, Musée du Louvre, Seite besuchen).
Das Albertina-Blatt kann dem Gemälde jedoch nicht unmittelbar als Vorlage gedient haben. Bei allen offensichtlichen Übereinstimmungen gibt es deutliche Abweichungen in der Position des Kopfes und des Oberkörpers. In der Zeichnung beugt sich das Gesicht, das sich offenkundig unmittelbar vor dem Spiegel befindet, mehr vor, wobei die Stirnpartie zum Großteil vom Barett verdeckt wird. Vielleicht hat Rembrandt hier im Entstehungsprozess des Gemäldes einen wichtigen Zwischenstand festgehalten. Wie aus einer Röntgenaufnahme des Bildes hervorgeht, befindet sich unter der oberen Malschicht eine große, dunkle Kopfbedeckung, die er dann durch das jetzt sichtbare weiße Barett ersetzt hat; dieses weiße Barett zeigt sich gleichfalls in der Albertina-Zeichnung.
Außergewöhnlich ist die ausgesprochen malerische Behandlung. Wie in jüngster Zeit festgestellt werden konnte, ist Rembrandt in mehreren Arbeitsphasen vorgegangen. Auf dem bräunlich getönten Papier setzte er mit der Rohrfeder die Hauptlinien auf. Mit einer grauen und weißen Lavierung bedeckte er große Teile des Hintergrunds, des Gesichts, der Haare und der Bekleidung. Offensichtlich wurde der Hintergrund zur linken und vor allem zur rechten Seite des Gesichts mit einem nassen Pinsel übergangen. So konzentrierte sich die dunkle Farbe in den Papierfasern, was eine unruhig-bewegte, stellenweise sogar reliefartige Struktur zur Folge hatte. Hier offenbart sich jene Arbeitsweise, die auch für die Gemälde der späten Jahre charakteristisch ist: die Verbindung aus höchster Präzision und extremer malerischer Freiheit bei einem oft schweren Farbauftrag.
Das "Selbstbildnis mit Barett" zeichnet sich durch die subtile Lichtbehandlung aus: Das von oben hereinfallende Licht sammelt sich in der Kopfbedeckung, in der die verdünnte weiße Deckfarbe eine helle Transparenz vermittelt. Um diesen Effekt zu verstärken, wurde die Umrisslinie des Baretts vorübergehend unterbrochen. Der Nasenrücken zeigt leicht nach rechts, und der Blick des Künstlers ist nicht frontal auf den Betrachter gerichtet. Der Ausdruck des rechten, eindringlich schauenden Auges wird durch die geschwungene Braue intensiviert. Das Papierfragment links im Vordergrund könnte, in Analogie zu den radierten Selbstbildnissen, auf eine zeichnerische Tätigkeit hinweisen. Die Möglichkeit, dass das kleine Selbstbildnis für ein "Album Amicorum" entstand, erscheint nicht undenkbar.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 56, S. 128.
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