Studie zum Henker im Urteil Salomos (Studie für das Deckenfresko, Stanza della Segnatura, Vatikan)
Raffaello Santi
um 1509-1510
In das zuvor von #Sodoma dekorierte Gewölbe der Stanza della Segnatura hat Raphael später vier rechteckige Szenen in den Ecken und an diese angrenzend vier Medaillons mit weiblichen Allegorien eingefügt. Diese Bilder nehmen auf die Thematik der großen Wandfresken der Stanza Bezug. Das "Urteil Salomos" in dem Deckenbild zwischen der "Schule von Athen" und der "Iustitia-Wand", an der zwei Gesetzgebungsszenen wiedergegeben sind, war eine weise Entscheidung, da sie zur Erkenntnis der wahren und der trügerischen Mutter geführt hat. Es war aber auch eine gerechte, und steht daher für "Philosophie" und für "Justiz". Bei der Kreidestudie zu dem Henker im "Urteil Salomos" auf der Rückseite ist die Linienführung freier und lebendiger als auf der Blattvorderseite (Inv. 189r), verliert aber nicht ihre plastisch formgebende Kraft. Diese von einem der Rossebändiger auf dem Quirinal inspirierte Figur ist von einem vorhergehenden Entwurf für das "Salomonische Urteil" in Oxford (Ashmolean Museum; Fischel, S. 230) entnommen. Im Fresko drehte Raphael das Motiv in die Tiefe und schuf dadurch jenes System aus räumlich wirksamen, sich überkreuzenden und sich im Rahmen verspannenden Achsen, das dem Bild jene einzigartig dramatische Wirkung gab. Es ist eines der stilistisch reifsten von Raphaels Deckenbildern und entstand wohl um 1509/10, kurz vor dem Beginn des zweiten Wandfreskos der Stanza, der "Schule von Athen".
vgl. Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 21, S. 76.
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