Die Wunder von Mariazell: Auferweckung eines in einen Brunnen gestürzten toten Kindes
Meister der Wunder von Mariazell
um 1520
Vermutet wird, Valentin Pierer, Abt von St. Lambrecht (reg. 1518–1541), habe die Holzschnittfolge kurz nach dem „Wunderaltar“ bestellt, um für den seinem Stift inkorporierten Wallfahrtsort auch in die Ferne zu wirken. Eine solche Werbekampagne könnte aus Konkurrenz zur Wallfahrt zur "Schönen Maria von Regensburg" motiviert gewesen sein, die ab 1519/20 mit großem Medienspektakel propagiert wurde. Auch über den Künstler herrscht Unklarheit, so dass man sich mit dem Konstrukt des „Meisters der Wunder von Mariazell“« begnügen muss. Der malerische Charakter der Blätter, deren kleine und kleinste Details bis an die Grenzen des im Holzschnitt Möglichen reichen, legt den Verdacht nahe, ihr Urheber habe nur beiläufig druckgraphische Aufträge bedient. Seine Kompositionen sind dicht gewoben und vor reiche Landschaftsgründe oder in und vor trefflich geschilderte Bauten im gotischen und renaissancehaften Stil versetzt; die Nutznießer der Wunder sind knorrige Typen, mit oftmals pathetischen Gesten, doch still ihre Gebrechen erduldend. Dabei geriet manche der häuslichen oder ländlichen Szenen so idyllisch, dass man den Ernst der Lage fast vergäße, schwebte nicht am Himmel das schutzspendende, rettende Gnadenbild. Die Art der Beobachtung und Abbildung der Natur und des Menschen lässt den Einfluss des frühen Wiener Cranachs erkennen, einzelne zeichnerische Formeln und Motive die Kenntnis Wolf Hubers. Dass der Anonymus später unter den Einfluss der Augsburger Kunst geriet, nährt die Vermutung eines Wandernden, dessen immer neue Erfahrungen das Up-to-date seiner Kunst garantierten.
Zur Ausgabe der Albertina: Blatt Nr. 8 aus dem im frühen 18. Jahrhundert angelegten Sammelband mit insgesamt 24 Drucken, davon 22 Holzschnitte und 2 später ergänzte Lichtdrucke nach den Originalen im Kupferstichkabinett Berlin (vermutlich aus der Faksimileausgabe der Sammlung Alfred Coppenrath, Regensburg. München, Georg Hirths Kunstverlag, 1883). Roter Lederband mit goldgeprägtem Wappen des Prinzen Eugen von Savoyen.
Darstellung: ca. 19,3 x 14,4 cm
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/337578/die-wunder-von-mariazell-auferweckung-eines-in-einen-brunneImage Request