Meister der Wunder von Mariazell, Die Wunder von Mariazell: Auferweckung eines in einen Brunnen…
Die Wunder von Mariazell: Auferweckung eines in einen Brunnen gestürzten toten Kindes
Meister der Wunder von Mariazell, Die Wunder von Mariazell: Auferweckung eines in einen Brunnen gestürzten toten Kindes, Inv. Nr.: DG2014/16/8
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Wunder von Mariazell: Auferweckung eines in einen Brunnen gestürzten toten Kindes

Meister der Wunder von Mariazell

um 1520




Die Gnadenstatue „Magna Mater Austriae“ in Mariazell in der nördlichen Steiermark ist seit dem mittleren 12. Jahrhundert das wichtigste Wallfahrtsziel Österreichs und bis in die einstigen Kronländer hinaus von Bedeutung. Die vielen Wunder, die Maria von dem Gnadenort aus bewirkt haben soll, sind beachtlich: Von der Läuterung bösen Lebenswandels ist zu hören, von der Errettung unschuldig Gerichteter und der Befreiung zu unrecht Gefangener, von Heilungen (auch von der Pest), und selbst Totenerweckungen blieben kein Einzelfall. Der Entschluss, solch wundersames Wirken in Bild und Schrift zu verbreiten, wurde um 1520 gefasst. Ein unbekannt gebliebener Künstler entwarf dazu weit über 20 großformatige Holzschnitte, die uns, mitsamt erklärender Mehrzeiler, die bedeutenden Ereignisse zeigen. Ob zu dem Zyklus ein besonderer Anlass vorlag, ist nicht zu ermessen. Sicherlich war aber ein in Auflage gedachtes Mirakelbuch geplant, das jedoch nie zur Druckreife gelangte. Somit wären die insgesamt drei Serien, die sich in leicht variierender Zusammenstellung erhalten haben, als Probedrucke zu interpretieren. Das Kupferstichkabinett Berlin besitzt mit 25 Bildern die größte Folge, doch zählt zu den 22 Holzschnitten des Wiener Bandes eine in Berlin nicht enthaltene Szene, so dass von weiteren, verlorenen Darstellungen auszugehen ist. Der 1519/20 fertiggestellte "Große Mariazeller Wunderaltar" etwa stellt uns nicht weniger als 47 Wunder vor (Universalmuseum Joanneum Graz).

Vermutet wird, Valentin Pierer, Abt von St. Lambrecht (reg. 1518–1541), habe die Holzschnittfolge kurz nach dem „Wunderaltar“ bestellt, um für den seinem Stift inkorporierten Wallfahrtsort auch in die Ferne zu wirken. Eine solche Werbekampagne könnte aus Konkurrenz zur Wallfahrt zur "Schönen Maria von Regensburg" motiviert gewesen sein, die ab 1519/20 mit großem Medienspektakel propagiert wurde. Auch über den Künstler herrscht Unklarheit, so dass man sich mit dem Konstrukt des „Meisters der Wunder von Mariazell“« begnügen muss. Der malerische Charakter der Blätter, deren kleine und kleinste Details bis an die Grenzen des im Holzschnitt Möglichen reichen, legt den Verdacht nahe, ihr Urheber habe nur beiläufig druckgraphische Aufträge bedient. Seine Kompositionen sind dicht gewoben und vor reiche Landschaftsgründe oder in und vor trefflich geschilderte Bauten im gotischen und renaissancehaften Stil versetzt; die Nutznießer der Wunder sind knorrige Typen, mit oftmals pathetischen Gesten, doch still ihre Gebrechen erduldend. Dabei geriet manche der häuslichen oder ländlichen Szenen so idyllisch, dass man den Ernst der Lage fast vergäße, schwebte nicht am Himmel das schutzspendende, rettende Gnadenbild. Die Art der Beobachtung und Abbildung der Natur und des Menschen lässt den Einfluss des frühen Wiener Cranachs erkennen, einzelne zeichnerische Formeln und Motive die Kenntnis Wolf Hubers. Dass der Anonymus später unter den Einfluss der Augsburger Kunst geriet, nährt die Vermutung eines Wandernden, dessen immer neue Erfahrungen das Up-to-date seiner Kunst garantierten.

Zur Ausgabe der Albertina: Blatt Nr. 8 aus dem im frühen 18. Jahrhundert angelegten Sammelband mit insgesamt 24 Drucken, davon 22 Holzschnitte und 2 später ergänzte Lichtdrucke nach den Originalen im Kupferstichkabinett Berlin (vermutlich aus der Faksimileausgabe der Sammlung Alfred Coppenrath, Regensburg. München, Georg Hirths Kunstverlag, 1883). Roter Lederband mit goldgeprägtem Wappen des Prinzen Eugen von Savoyen.



Künstler:in (tätig im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts in der Steiermark (?))
Vormals zugeschrieben an (tätig im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts in der Steiermark)
Vormals zugeschrieben an (Feldkirch um 1485/90 - 1553 Passau)
Vormals zugeschrieben an (Deutschland)
Vormals zugeschrieben an (tätig im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts in Wien)
Dateum 1520
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt
DimensionsBlatt: 23,7 x 16,6 cm
Darstellung: ca. 19,3 x 14,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2014/16/8
Bibliography
  • Wilhelm Schmidt, Zu Wolf Huber, in: Repertorium für Kunstwissenschaft, 16, 1893, s. 254-255 ("Wolf Huber")
  • Wilhelm Schmidt, Über die "Wunder von Mariazell", in: Repertorium für Kunstwissenschaft, 31, 1908, S. 451-456 ("Wolf Huber")
  • Joseph Meder, Der Meister der Mariazeller Wunder - Ein Maler, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, 3, 1936, Heft 1/2, S. 8-10 ("Sächsischer Meister")
  • Karl Garzarolli-Thurnlackh, Die Holzschnitte der Mariazeller Wunder. Ihre älteren Vorläufer und Meister, in: Phaidros. Zeitschrift für die Freunde des Buches und der schönen Künste, Folge 3, 1947, S. 181-189 ("Meister der Brucker Martinstafel")
  • Otto Benesch und Erwin M. Auer, Die Historia Friderici et Maximiliani, Berlin 1957, S. 103 ff. ("Meister der Legendenszenen")
  • AK Die Kunst der Donauschule 1490-1540, St. Florian 1965, S. 166 und erwähnt unter Nr. 412 (Berliner Exemplar, "Meister der Brucker Martinstafel")
  • Franz Winzinger, Wolf Huber. Das Gesamtwerk, München 1979, S. 170, Nrn. 274, 275 ("Meister der Wunder von Mariazell")
  • Sylvia Sproger, Die Wunder von Mariazell. 25 Holzschnitte eines unbekannten Meisters des Donaustils, Diplomarbeit Uni Graz 2007 (Ms.)
  • Mathias F. Müller, Jörg Breu der Ältere und die Holzschnittfolge der Wunder von Maria Zell. Augsburger Druckgraphik für die Steiermark aus den Jahren um 1520/25, in: Blätter für Heimatkunde, herausgegeben vom Historischen Verein für Steiermark, 83, 2009, Heft 4, S. 110–131
  • AK Fantastische Welten. Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500, Städel Museum, Frankfurt a. M., und Kunsthistorisches Museum Wien 2014/2015, München 2014, S. 170-171, Kat. 89 (Christof Metzger)
  • Provenance
  • Kaiserliche Hofbibliothek

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    Last edited26.11.2015

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