Studie der rechten Figurengruppe für die Versuchung des heiligen Antonius
Jean-François Millet
1864-1865
Im Besitz der Albertina befindet sich eine weitere, leider sehr schlecht erhaltene Studie zu der "Versuchung des heiligen Antonius" (Inv. 24135), auf deren Zusammenhang schon Herbert hingewiesen hat (AK Providence 1975, Nr. 54, Anm. 7). Die Darstellung ist ebenfalls mit schwarzer Kreide auf rosabräunlich grundierter Leinwand ausgeführt, aufgrund von abgeriebenen und abgeplatzten Partien aber schwer zu erkennen. Sie wurde bisher für eine weibliche Figur mit zwei Löwen gehalten. Die idente Körperhaltung besonders der rechten, noch am deutlichsten wahrnehmbaren Figur, vor allem die Position ihrer Arme, aber auch die Umrisse der beiden anderen Protagonisten sowie die gleiche Arbeitsweise auf präparierter Leinwand zeigen, dass es sich unzweifelhaft um einen Entwurf für die Gruppe der beiden Frauen mit dem heiligen Antonius handelt. Die Deutung der linken Figur als Löwe liegt wohl in erster Linie an dem schlechten Erhaltungszustand und dem besonders muskulös wirkenden Bein. Sollte es sich dennoch um eine Tiergestalt handeln, könnte man darin eine frühere Fassung sehen, in der Millet statt der nackten Frau links einen Löwen darstellen wollte, vielleicht als Sinnbild der "greulichen Tiere", die Antonius "zerzerrten ... mit ihren Hörnern, Zähnen und Krallen ..." (Die Legenda aurea des Jacobus de Voragine, aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, Darmstadt 1984, S. 122)
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 512, Nr. 235.
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