Weidelandschaft mit Kuhherde in den Landes (?)
Théodore Rousseau
um 1844 (?)
In der "Weidelandschaft mit Kuhherde" vermittelt Rousseau mit weichen, samtigen Kohlestrichen und flackernden Weißhöhungen in skizzenhaft-expressivem Duktus den Eindruck von flachem, fruchtbarem Weideland. Hauptaugenmerk kommt neben der malerischen Wiedergabe von Bäumen und Sträuchern sowie der Tiefenerstreckung der weiten Landschaft, vor allem der atmosphärischen Schilderung der dominanten Himmelszone zu. Die Zeichnung entstand wahrscheinlich 1844 in der Heidelandschaft der "Landes", eines urbar gemachten, einstigen Dünengebietes zwischen Bordeaux und Bayonne, die Rousseau während seiner gemeinsam mit #Dupré unternommenen Reise in den Südwesten Frankreichs besucht hat.
Charakteristisch für diesen ebenen Landstrich sind weite Wald- und Wiesengebiete mit zahlreichen Wasserläufen. Die Darstellung der Albertina ähnelt sowohl in der spezifischen Erscheinungsform der Landschaft einer weiten Ebene mit nur einzelnen hohen Bäumen und der harmonisch in sie integrierten Herde mit Hirten, als auch in der Technik - Kohle mit Kreide weiß gehöht auf ockerfarbenem Papier - sowie dem lockeren, auf malerische Wirkung zielenden Stil einer Zeichnung in Pariser Privatbesitz ("Berger dans les Landes"; Paris, Sammlung Comte Doria; Abb. in: AK Paris 1967/68, Nr. 69), die ebenfalls eine typische Ansicht der Landes zeigt. Rousseau war von dieser Region fasziniert, deren Raumtiefe, der ferne Horizont, das helle, südliche Licht und die stimmungsvolle Weite zu einer für ihn neuen Landschaftsauffassung führte.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 654, Nr. 302.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/en/objects/33879/weidelandschaft-mit-kuhherde-in-den-landes-Image Request