Paul Signac, Blick auf Montauban bei Regen, Inv. Nr.: 23297
Blick auf Montauban bei Regen
Paul Signac, Blick auf Montauban bei Regen, Inv. Nr.: 23297
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Blick auf Montauban bei Regen

Paul Signac

1922 (?)




Künstler:in (Paris 1863 - 1935 Paris)
Date1922 (?)
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, Aquarell
Dimensions27,8 x 37,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number23297
Signedr.u. "P. Signac / Montauban" (mit schwarzer Kreide)
Text

Anfänglich vom Impressionismus Monets beeinflusst, entwickelte Signac ab etwa 1885 gemeinsam mit #Seurat eine neue künstlerische Richtung, die von dem Kritiker #Félix Fénéon 1886 als Neoimpressionismus bezeichnet wurde: Man dürfe nur Punkte oder kurze Pinselstriche in reinen, ungemischten Farben nebeneinander setzen, um ihre Leuchtkraft zu bewahren und die Mischtöne erst optisch im Auge des Betrachters entstehen zu lassen. Nach der maßgeblich an Seurat orientierten pointilistischen oder auch divisionistischen Malweise, in der Signac seine Arbeiten ausschließlich aus Punkten aufbaute, änderte er diese etwa ab 1895 - einige Jahre nach dem Tod Seurats - radikal. Es überwiegen zunehmend breite Striche und größere Flecken, so dass die Farbsetzungen einzeln für sich erkennbar bleiben und zugleich wie Töne zu einer Harmonie zusammenklingen (siehe dazu AK Farben des Lichts, Paul Signac und der Beginn der Moderne von Matisse bis Mondrian, Westfälisches Landesmuseum, Münster 1996).
Das vorliegende Aquarell illustriert sein kunsttheoretisches Konzept auf anschauliche Weise: Verschieden große, leuchtende Farbflecken finden sich in unterschiedlicher Dichte neben einander gesetzt, wobei ihre Farbintensität durch den stellenweise ausgesparten, hellen Papierton noch verstärkt wird. Die Ansicht von Montauban, der Geburtsstadt Ingres´, wird in der Bildmitte von dem ehemaligen Bischofspalast aus dem 17. Jahrhundert dominiert, in dem sich heute das Musée Ingres befindet. Links davon erkennt man die Kirche Saint-Jacques und rechts die Kathedrale Notre-Dame. Über den Fluss Tarn im Vordergrund, in dem sich die Silhouette des Palastes und der Gewitterhimmel lebhaft spiegeln, stellt die aus dem 14. Jahrhundert stammende Brücke kongenial die Verbindung zu der Stadt im Mittelgrund her.
Das Aquarell ist wie die meisten Zeichnungen Signacs, die auf seinen vielen Reisen entstanden, undatiert. Signac war 1912 während einer Besichtigungstour durch den Südwesten Frankreichs zum ersten Mal in Montauban, dann erst wieder zu Weihnachten 1922. Von diesem Aufenthalt ist bekannt, dass er viel aquarellierte und das Musée Ingres besucht hat (AK Paris/Amsterdam/New York 2001, S. 111, 113), was eher für eine Entstehung des Blattes in dieser Periode sprechen würde.

 

zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 664, Nr. 307.

Catalogue raisonné
  • Ekelhart 2007, 307
  • Bibliography
  • AK Australien 1977, Nr. 56
  • Koschatzky 1982, Nr.166 (Abb.)
  • AK München 1986, Nr. 73
  • AK Innsbruck/Albertina 1991, außer Katalog
  • Albertina, Meisterzeichnungen: C.D. Friedrich bis Cézanne, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.77
  • Provenance
  • Otto Nirenstein (Kallir)
  • erworben 1924

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    Last edited17.08.2018