Waldlandschaft
Jean-Baptiste Camille Corot
1826-1827
Die mit dünnen, spitzen Federstrichen betont detailreich ausgeführte Baumlandschaft in einer schluchtähnlichen, felsigen Senke ist ein charakteristisches Beispiel für Corots frühen Zeichenstil. Mit kalligrafisch sicherem Duktus, Schraffuren in wechselnder Dichte, locker gekurvten Linien und vielfältig differenzierten Strichlagen fängt Corot die Wirkung von lichtdurchflutendem Laubwerk und Gestein prägnant ein: kein Bildgegenstand tritt bevorzugt hervor, Vegetation und Felsen scheinen wie ineinander verwoben und die Licht- und Schattenzonen tragen weniger zur räumlichen Anordnung als vielmehr zur atmosphärischen Wirkung bei.
Die Darstellung entstand während Corots erstem Italienaufenthalt 1825-1828, wo er von Rom aus vor allem im Frühjahr und in den Sommermonaten Ausflüge in die Campagna unternahm, um nach der Natur zu zeichnen. Den Sommer 1826 verbrachte er in der Gegend von Sabina, in Papigno, Narni und Civita Castellana, wo er zahlreiche Baum- und Felslandschaften festhielt. 1827 zeichnete Corot größtenteils in der Umgebung von Olevano und Ariccia, von wo u.a. auch eine Baumstudie im Département des Arts graphiques des Louvre stammt, die in Motiv und Zeichenstil eine erstaunliche Nähe zur vorliegenden Darstellung aufweist.
zitiert aus: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Christine Ekelhart (Bearb.), Die französischen Zeichnungen und Aquarelle des 19. und 20. Jahrhunderts der Albertina. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. XI, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 114, Nr. 49.
