Schwarzes und weißes Pferd in Gebirgslandschaft mit Regenbogen (aus dem Skizzenbuch XXI)
Franz Marc
1911
Nach einem abgebrochenen Philologiestudium, einem zweijährigen Besuch der Münchner Kunstakademie und Bildungsreisen nach Italien und Paris lebte Franz Marc ab 1904 in München. Seine Vorbilder waren #Vincent van Gogh und #Hans von Marées, von den Jüngeren beeindruckten ihn die Künstler der von Kandinsky mitbegründeten "Neuen Künstlervereinigung München" (NKVM).
Als die zweite Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung wegen der Zulassung ausländischer Avantgardekünstler heftig von der Presse angegriffen wird, stellt sich Marc schriftlich auf die Seite der Teilnehmer. Sie wählen ihn 1911 zu einem ihrer Vorsitzenden, was den Beginn seiner Freundschaft mit #Kandinsky markiert. Als die Jury der NKVM ein Gemälde Kandinskys für ihre dritte Ausstellung zurückweist, treten er, Kandinsky, #Münter und #Kubin aus ihr aus. Mit Kandinsky und #Macke beginnt im Oktober die Arbeit an dem Almanach "Der blaue Reiter", der namengebend für diese Künstlergruppierung wird. Ihre erste gemeinsame Ausstellung findet im Dezember 1911 in der Galerie Thannhauser statt.
In diesem Jahr entstand "Schwarzes und weißes Pferd", also noch bevor Marc unter dem Eindruck der Kunst #Robert Delaunays dazu überging, aus den Formelementen seiner seit jeher bevorzugten Tierszenen die zum Teil transparenten, zum Teil mehrere Tiefenebenen übergreifenden Formstrukturen zu bilden, die für die Kunst der letzten zwei Lebensjahre des Künstlers so charakteristisch sind. Noch ist der im Rahmen der Arbeit am Almanach starke Einfluss von Kandinskys romantischen Abstraktionen und der Idiomatik volkstümlich religiöser Kunst spürbar. Das betrifft in erster Linie die übereinander gestaffelten, keilförmigen Farbebenen, die an Terrainformationen und Bildgliederungen in der religiösen Malerei Osteuropas denken lassen. Sie werden bis 1913 immer wieder in Marcs Kunst auftauchen (M. Mautner in: AK Albertina 2003/04 a, S. 202). Andererseits hängt das Hochformat der Studie mit ihrer Bestimmung für ein Glasgemälde zusammen, das als Armierung einer Holztüre diente (Hoberg/Jansen 2004, S. 358 f., Nr. 360). "Marc schätzt dieses besonders große Glasbild so sehr, dass er es auf der ersten Ausstellung des Blauen Reiters zeigt" (Christian v. Holst in: Stuttgart 2000, S. 100).
Wichtig ist die Verbindung der Komposition mit Vorstellungen vom unberührten Naturparadies. Sie ergibt sich nicht allein aus der Tier- und Naturthematik, die das Werk Franz Marcs bis zu seinem frühen Tod beherrscht, sondern auch aus der Ähnlichkeit mit dem Bild der mehrere klimatische Zonen umfassenden Idealnatur gestufter Küstenlandschaften in der Malerei #Paul Gauguins, die auch für junge Künstler in Deutschland zu einem Innbegriff von ursprünglicher Schönheit und Glück geworden war.
Marietta Mautner Markhof, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 236.
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