Der fouragierende Husar
Carl Schindler
1840
Rahmenaußenmaß 43,3 × 50 × 3,5 cm
Schindler gilt als der begabteste Schüler von #Peter Fendi, in dessen Atelier er 1836 oder 1837 eintrat. Fast gleichzeitig hatte er sein Kunststudium an der Wiener Akademie (1836-1841) begonnen, fand dort aber offenbar keine entscheidende Anregung. Fendi vermittelte ihm hingegen den Sinn für lebensnahe Figurenszenen und deren soziokulturelles Umfeld sowie für das bildhafte, nass in nass gemalte Aquarell.
Die im Gefolge der Napoleonischen Kriege 1808 auch in Österreich eingeführte allgemeine Wehrpflicht verschaffte der Armee eine ganz neue gewichtige Präsenz im Alltag der Bevölkerung. Dies dürfte im Wesentlichen der historische Hintergrund sein, vor dem Schindlers erfolgreiche Spezialisierung auf das Soldatengenre zu verstehen ist. Denn zu seinen Lebzeiten fanden ernsthafte militärische Auseinandersetzungen weder in noch mit Österreich statt.
Im vorliegenden Fall geht es allerdings um ein Geschehen, das sich nur scheinbar am Rand des Kriegsschauplatzes abspielt. Zwei Husaren haben bei einem Landgut Nachschub zur Verköstigung der Kompanie besorgt und geraten auf dem Rückritt unversehens an den Feind. In tollkühnem Galopp stürmt der eine voran und schießt sich den Weg frei, während der andere erschrocken die Schultern hochzieht.
Die packende Behandlung des Themas gehört zu Schindlers bekanntesten Bildschöpfungen. Wie Peter Fendi arbeitete er seine Gemälde mit Vorliebe im Aquarell aus, um den Darstellungen durch besonders frische leuchtende Farben mehr Unmittelbarkeit zu geben. Zum "Fouragierenden Husar" gibt es einen ersten, einfigurigen Entwurf (Oberösterreichisches Landesmuseum, Linz) und eine dem Blatt in der Albertina vorangehende fertige Aquarellfassung (zuletzt im Wiener Kunsthandel; vgl. AK Wien 1993, Nr. 144), die die Grundlage für die lithografische Reproduktion durch #Karl Lanzedelly war. Die Version in der Albertina hat deren Komposition weitgehend übernommen, den dramatischen Moment der vorüberbrausenden Reiter allerdings noch zugespitzt und präzisiert. Das Gutsgebäude, in dessen Ställen sich die beiden soeben bedient haben, verschwindet fast im Hintergrund. Unter dem Zügel des schießenden Husaren bricht sein keuchendes Pferd mit hochgerecktem Hals und weit offenem Maul fast zusammen. Seine feuernde Pistole findet in zwei nun tatsächlich auftauchenden Figuren der gegnerischen Verbände ein konkretes Ziel.
Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 173.
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