Albrecht Dürer, Doppelscheuer (Doppelpokal) (Entwurf für eine Goldschmiedearbeit), Inv. Nr.: 31…
Doppelscheuer (Doppelpokal) (Entwurf für eine Goldschmiedearbeit)
Albrecht Dürer, Doppelscheuer (Doppelpokal) (Entwurf für eine Goldschmiedearbeit), Inv. Nr.: 3185
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Doppelscheuer (Doppelpokal) (Entwurf für eine Goldschmiedearbeit)

Albrecht Dürer

1526




Obwohl Dürer seine Ausbildung zum Goldschmied abbrach, um Maler zu werden, blieb er dem Handwerk stets verbunden. Während seiner gesamten Schaffenszeit fertigte er Entwürfe für Schmuckstücke, Geschmeide und Prunkpokale als Vorlagen für seine eigenen Bilder, möglicherweise aber auch für seinen jüngeren Bruder Endres, der die Familientradition fortführte und die väterliche Goldschmiedewerkstatt übernahm. Auch dieser Entwurf für eine Doppelscheuer, ein aus zwei identischen Buckelpokalen bestehendes Prunkgefäß, könnte für seinen Bruder geschaffen worden sein. Die Zeichnung besticht durch ihre äußerste Klarheit und demonstriert Dürers Vertrautheit mit dem metallverarbeitenden Gewerbe.



Although Dürer himself broke off his goldsmith apprenticeship in order to take up painting, he never lost contact to this trade. He produced designs for jewelry and splendorous goblets that appear in his own paintings and possibly also on behalf his younger brother Endres, who carried on the family tradition and took over their father’s goldsmith workshop. This design for a double cup, a splendorous vessel consisting of two identical goblets, might have been made for his brother. The drawing is striking for its extreme clarity while also demonstrating Dürer’s familiarity with the metalworking trade.



Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1526
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Schwarz, ockergelb laviert
Dimensions42,2 x 28,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3185
SignedR. neben dem Pokalfuß „.1526.“
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
WatermarkBekröntes Wappen mit L und zwei Lilien sowie angehängtem Buchstaben "b" (Briquet 8288-8291 [nachgewiesen ab 1509]; Meder 314 [verwendet 1521-1526]; Strauss S. 3281-3282 [verwendet 1520-1527])
Text

Die metallische Präzision, die Kühle des Strichs, die Symmetrie beider Teile fanden einige Forscher so befremdlich, dass sie den Goldschmiederiss aus dem Œuvre Dürers tilgten. Diese Zweifel dürfen heute als ausgeräumt gelten. Dürer verstand es, seine Zeichentechnik Kunsthandwerkern anzupassen, die nach seinen Vorlagen arbeiten wollten. Das gilt für Glasmaler ebenso wie für Gold- und Silberschmiede oder Medailleure. Es darf erinnert werden, dass Dürer gelernter - wenn auch nicht ausgelernter - Goldschmied war. Kontakt zu diesem Handwerk verlor er nie. Das Tagebuch der niederländischen Reise 1520/21 ist voll mit Namen von Goldschmieden. Mancher Entwurf Dürers wird für seinen 13 Jahre jüngerer Bruder #Endres bestimmt gewesen sein, der 1514 in Nürnberg die Meisterwürde erlangte und bis 1530 als Silberarbeiter im städtischen Verzeichnis der Goldschmiede geführt wurde.
Doppelscheuern, im neuerem Schrifttum oft Doppelpokale genannt, bestehen aus zwei gleichen getriebenen Buckelpokalen. Jedes Gefäß steht auf mehrpassigem Fuß. In Ruhe kann das obere Gefäß gekontert auf das untere aufgesetzt werden. Das kostbare Gebrauchsgerät mutiert so zum Schaugefäß, das auf einer Kredenz Platz fand. Auf einer Tafel des Nürnberger Meisters des Augustineraltars ist 1487 eine solche dicht aufgefüllt dargestellt.
Die Doppelscheuer ist ein charakteristisches Werk der Spätgotik. Ein um 1500 in Nürnberg getriebener Doppelpokal mit gedrehtem Schaft und gedrehter Cuppa im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (Inv. Nr. HG 615 a-b) vertritt diesen Typus in reiner Form. Doppelpokale überreichte der Rat traditionell als Ehrengeschenk an Kaiser oder Könige bei ihrem ersten Nürnberg- Besuch. Vielleicht entstand vorliegender Riss, im Maßstab 1:1, in offiziellem Auftrag. In dem Bestreben nach Modernität entwickelte Dürer aus dem ihm vertrauten, hohen, spätgotischen Gefäßtyp ein breit gelagertes Renaissancegefäß. Die gewellten Einzelranken zwischen den eiförmigen Buckeln übernahm er dabei von Gefäßen des 15. Jahrhunderts. War der Doppelpokal 1526 ausgeführt worden, ging er, wie fast alle Werke der Nürnberger Goldschmiedekunst der Dürer-Zeit, verlustig. Zu praktisch war das Verfahren, aus eingeschmolzenen Gefäßen in Notzeiten Münzsilber zu gewinnen. Allein der Apfelpokal im Germanischen Nationalmuseum (Inv. Nr. HG 8399) vermag eine Vorstellung von ausgeführten Arbeiten zu geben, hinter denen Dürer als Ideengeber und Formgestalter stand.

Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 191, S. 534.

Catalogue raisonné
  • Tietze/Tietze-Conrat 1933, 162
  • Winkler 933
  • Strauss 1526/12
  • Bibliography
  • Tietze/Tietze-Conrat 1938, Nr. A 430
  • Panofsky 1943, Bd. 2, Nr. 1567
  • Kohlhaussen 1968, S. 349, 356 f., 362, 504, 528, Abb. 520
  • AK Albertina 1971, Nr. 139
  • AK Nürnberg/New York 1986, Nr. 151 (R. Schoch)
  • Reible 1987
  • Piel 1994, Taf. 20-21
  • Budde 1996, Z/39
  • AK Albertina 2003, Nr. 191 (M. Mende)
  • AK Albertina 2012, S. 298 (Abb.)
  • Smith 2012, S. 14-17
  • AK Washington 2013, S. 282-283, Nr. 114 (Chr. Metzger)
  • AK Albrecht Dürer, Albertina, Wien 2019, S. 446, Kat. 5
  • Provenance
  • Willibald Imhoff (1519-1580), Nürnberg (Kunstbuch, Verzeichnis 1588, Zeichnung 37: "Ein gerissene Scheuern.")
  • 1588 an Kaiser Rudolf II.
  • Kaiserliche Schatzkammer
  • seit 1783 Kaiserliche Hofbibliothek
  • 1796 an Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • (Kein Hinweis auf Hofbibliothek im Alten Cahier III)
  • Online resources
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    Last edited24.01.2025