Grosser Torso
Fritz Wotruba
1971 / Guss 1983
In der Klasse Fritz Wotrubas an der Wiener Akademie der bildenden Künste versammeln sich ab 1946 fast alle der später führenden Plastiker. Der Meister ist zu diesem Zeitpunkt bereits eine strahlende Persönlichkeit der internationalen Bildhauerszene. Zeigt sich Wotrubas Stil anfangs noch von Anton Hanak und der Wiener Moderne beeinflusst, so orientiert er sich im Verlauf der Zwischenkriegszeit zunehmend an internationalen Bildhauern wie George Minne und Wilhelm Lehmbruck, Auguste Rodin und Aristide Maillol. Wotrubas herbe, klare Formensprache ist zudem an antiken Vorbildern geschult. Statuarik, Formvereinfachung und der fast architektonische Aufbau der Figuren kennzeichnen bereits sein Werk vor 1945. Diese Eigenschaften verstärken sich mit der Rückkehr nach Wien, als Wotruba die Formelemente seiner Plastiken zunehmend geometrisiert und damit eine Annäherung und plastische Antwort auf den Kubismus findet, die auch als »Neokubismus« bezeichnet wird. Mit dieser formalen Reduktion soll die Form auf ihren wesentlichen Kern freigelegt werden.
Der Kopf von 1959 zeigt dieses Bestreben mit Elementen aus Kreissegmenten, ohne den letzten Schritt in die Abstraktion zu gehen. Wotruba bleibt in seinem gesamten Werk der menschlichen Figur verbunden. Dies auch dann, wenn die reduzierende Geometrisierung der Körperteile nur noch wenige kubische Elemente übrig lässt wie bei seinem späten Großen Torso. »Ich versuche bei der Realisierung eines Themas mit einem Minimum an Formen auszukommen, da ich glaube, dass die künstlerische Aussage durch die rücksichtsloseste Ausmerzung jeder Formenphrase nur wahrer und dadurch wirksamer wird.« (Wotruba)
