VALIE EXPORT, I (beat [it]) II, Inv. Nr.: EDLSB4979
I (beat [it]) II
VALIE EXPORT, I (beat [it]) II, Inv. Nr.: EDLSB4979
Credit: ALBERTINA, Wien – The ESSL Collection Image: ALBERTINA, Wien Copyright: © VALIE EXPORT / Bildrecht, Wien 2026

I (beat [it]) II

VALIE EXPORT

1980




Wie die, die Arme und Beine der weiblichen Figur fixierenden Bleibänder sowie der Kanister neben der Wanne mit dem lebensgroßen Foto der nackten Künstlerin, das in einer dunklen Flüssigkeit schwimmt, nahelegen, geht die Installation I (beat [it]) II von 1980 auf eine Aktion der Künstlerin zurück. Diese folgte einer genauen Partitur.

Das aus den drei Monitoren dringende Gekläff von Schäferhunden wird durch ein − einmal von einer Frau und einmal von einem Mann kommendes − »Mehr! Mehr!« abgelöst: Hinweis auf ein Mehr an gesteigertem Leid. Das Dreieck, das die Monitoren aufspannen und in dessen Achse die Frau schwimmt, signalisiert Trinität, Natur, aber auch männliche Ideologie. Dass sich die Künstlerin bei der Aktion im Jahr 1978 nicht bewegen kann, unterstreicht die Rolle der Frau »als abhängige Marionette der sozialen Maschinerie« und des Mannes, für den sie (als Mutter und Geliebte) ebenso funktionieren soll wie für die Gesellschaft. Die Ambivalenz zwischen ruhiger Bewegungslosigkeit und Erniedrigung bleibt auch in der Installation erhalten. Stillgestellt und erniedrigt zu werden bedeutet für EXPORT auch, Schmiermittel einer Kommunikation zu sein, die reibungslos sein soll; der Originaltext zu dieser Performance spricht vom Zugrundegehen in einem »Wald der Kälte«.



Künstler:in (Linz 1940 - 2026 Wien)
Date1980
Object TypeInstallation
Object typeInstallations
Materials / TechniquesVideoinstallation (Becken (Zinkwanne) mit Altöl /Größe variabel; s/w Fotografie (Figur), VALIE EXPORT/ Größe: 168 x 91 cm, 3 Videos "bellende Hunde", Bleibandagen, Bleihandschuhe, Video 1h 05', Farbe, Ton |
Dimensions300 × 300 cm
CreditALBERTINA, Wien – The ESSL Collection
Object numberEDLSB4979
Text

Als einzige Frau erprobt VALIE EXPORT bereits 1967 zusammen mit den Wiener Aktionisten den Ausstieg aus den traditionellen Medien, nutzt den Körper als bildnerisches Material und löst in Körperaktionen die Trennung zwischen Kunst und Leben auf. Konsequent wendet sie sich von expressionistischen Gesten auf der Leinwand, deren sich Otto Muehl und Hermann Nitsch noch bedienen, ab. Stattdessen verfolgt sie einen sprachkritischen und konzeptuellen Ansatz. Später prägt EXPORT für die Emanzipation von patriarchalischen Strukturen in der Kunst der 1970er-Jahre den Begriff des Feministischen Aktionismus. Die Künstlerin nimmt zusammen mit gleichzeitigen Body-Art-Vertreterinnen in New York eine internationale Pionierstellung im Kampf gegen Genderungerechtigkeiten ein. Auch heute noch gilt sie als Ikone und Vorbild für viele Kunstschaffende.In ihrem Frühwerk existieren verschiedene künstlerische Strategien parallel nebeneinander, die sie mittels des Selbstporträts in Performances, Videos, Fotografien und Installationen in Szene setzt: Angeprangert werden einerseits die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen Frauen in der 1970er-Jahren leben und arbeiten, ihre kaum sichtbare Position als Akteurinnen im gesellschaftlichen Leben und die stereotypen Rollenklischees als Mutter und Hausfrau. Das Erdulden von Bewegungsbeschränkungen und damit die Erniedrigung der Frau sind auch in der ersten großen Videoskulptur I (beat [it]) II, die EXPORT im österreichischen Pavillon bei der Biennale von Venedig 1980 ausstellt, zentrales Thema.

vgl. The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 70.

Essay

Together with the Viennese Actionists, VALIE EXPORT was the only woman artist to attempt a withdrawal from traditional media as early as 1967, using instead the body as artistic material and dissolving the distinction between art and life in body actions. She consistently turned away from expressionist gestures on canvas, which Otto Muehl and Hermann Nitsch continued to use, and pursued a language-critical and conceptual approach. Later, EXPORT coined the term “Feminist Actionism” for the emancipation from patriarchal structures in the arts of the 1970s. Together with contemporaneous representatives of body art in New York, the artist became an international pioneer in the fight against gender inequalities. To this day, she is still considered an icon and role model for many women artists. In her early work, various artistic strategies coexisted in parallel, which she staged by means of self-portraits in performances, videos, photographs, and installations: On the one hand, she criticized the social conditions in which women lived and worked in the 1970s, their barely visible position as protagonists in social life, and the stereotypical role clichés as mother and housewife. The endurance of restrictions on movement and thus the humiliation of women are also central themes in the first large video sculpture I (beat [it]) II, which EXPORT presented in the Austrian pavilion at the 1980 Venice Biennale.

vgl. The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 70.

Provenance
  • Sammlung Essl

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    Last edited25.09.2024