U.D.O. 9
Albert Oehlen
2001-2005
Nach dem Kauf eines Notebooks beginnt Oehlen, sich mit Zeichen- und Designprogrammen und dem Tintenstrahldruck zu befassen. Er vergrößert seine am Laptop gefertigten Entwürfe und überträgt sie mittels Siebdruck auf großformatige Leinwände. Anschließend übermalt er jene Stellen der Werke, die das Computerprogramm durch die begrenzten Möglichkeiten der damaligen Technik nicht nach seinen Vorstellungen darstellen kann. Die Werke aus der Serie U.D.O. zählen zu den späten bionischen Werke Oehlens. Mit für seine späten Arbeiten dieser Art typischen leuchtenden Farben überzieht Oehlen die Computerentwürfe mit einem Gewirr überlegt gesetzter Linien.
Rahmenaußenmaß: 215 × 169 cm
Albert Oehlen studied painting with Claus Böhmler and Sigmar Polke in Hamburg from 1978 to 1981. Painting is also at the core of his multimedia-oriented oeuvre. Together with colleagues such as Martin Kippenberger and Werner Büttner, Oehlen propagates the return to painting and creates color-intensive, expressive, unconventional works in large formats.
Tramonto Spaventoso, painted by John Graham in the 1940s, exerted a great fascination on Albert Oehlen some forty years later and became an important source of inspiration to which he repeatedly harks back.[1] Several of Oehlen’s works only touch on the original peripherally, while others, such as Exhaust Head (Inv. EDLSB5141) (1984), reveal citations of numerous details from Graham’s painting. With Exhaust Head, the artist created a large-scale, color-intensive homage to Graham. It is one of those works that also take up parts of the composition of the original: The titular head with its sweeping mustache and monocle is also the focus of Oehlen’s work. One eye, much more detailed than its surroundings, gazes out of the picture, establishing direct contact with the viewer. Most of the figures and symbols surrounding the head are depicted only schematically. Oehlen treats Graham’s Tramonto Spaventoso like a building kit of motifs that he appropriates and reinterprets with each new reception.[2]
Differently patterned strips of fabric provide the support for the large-format painting Ignite (Inv. EDLDB5686) (1995). Oehlen covered the textile image carrier with oil paint, applying it partly with a brush, impasto or washed, partly with spray cans. Following the individual lines and brisk brushstrokes, one quickly recognizes that the apparent chaos is carefully conceived and arranged. The artist had already begun to devote himself to a group of works that he calls “post-nonrepresentational” in the late 1980s. These paintings are clearly informed by protagonists of Abstract Expressionism like Jackson Pollock or Willem de Kooning and seem to convey a visual chaos similar to that of Oehlen’s computer images created from the early 1990s on.
Oehlen’s computer paintings began with the purchase of a Texas Instruments notebook. The artist began to explore technologies new to him, such as various drawing and design programs and inkjet printing, which he learned about by working with the computer. He experimented with the resolution of images and incorporated it into his art. He quickly realized that he could enlarge his designs made on the laptop and transfer them to large-format canvases by means of screen printing. He then painted over those parts of the works that the computer program was unable to complete according to his ideas due to the limited possibilities of the technology at the time. U. D. O. 9 (Inv. EDLSB5331) and Moisture belong to Oehlen’s late bionic works. With bright colors typical of his late works of this type, Oehlen covered the computer designs with a tangle of deliberately placed lines. The artist completed work on this group of paintings in 2008: By this time, due to the ever-improving quality of computers, graphics, and resolution, technology had advanced to the point at which Oehlen saw the artistic challenge dwindling.
The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Vienna 2021, S. 158.
Albert Oehlen studiert von 1978 bis 1981 bei Claus Böhmler und Sigmar Polke in Hamburg Malerei. Sie steht auch im Zentrum seines multimedial orientierten Œuvres. Gemeinsam mit Kollegen wie Martin Kippenberger und Werner Büttner propagiert er die Rückkehr zur Malerei und schafft auf großen Formaten farbintensive, expressive, unkonventionelle Werke.
Tramonto Spaventoso, von John Graham in den 1940er-Jahren gemalt, übt auf Albert Oehlen rund 40 Jahre später eine große Faszination aus und wird zu einer wichtigen Inspirationsquelle, die er immer wieder aufgreift.[1] Manche Werke Oehlens streifen die Vorlage nur peripher, während andere wie etwa Abgaskopf (Inv. EDLSB5141) den Betrachter viele Details von Grahams Bild wiederfinden lassen. Mit Abgaskopf schafft der Künstler 1984 eine großformatige, farbintensive Hommage an Graham. Es handelt sich um eine jener Arbeiten, die auch Teile der Komposition der Vorlage aufgreifen: Der titelgebende Kopf mit seinem ausladenden Schnauzbart und dem Monokel steht auch bei Oehlen im Mittelpunkt. Ein Auge, wesentlich detailgenauer ausgeführt als sein Umfeld, blickt aus dem Bild heraus, wodurch ein direkter Kontakt zum Betrachter hergestellt wird. Die meisten den Kopf umgebenden Gestalten und Symbole sind eher schemenhaft ins Bild gesetzt. Oehlen behandelt Grahams Tramonto Spaventoso wie einen Bausatz von Motiven, deren er sich bedient und die er mit jedem Rezeptionsschritt neu interpretiert.[2]
Die beiden großformatigen Tableaus aus den 1990er-Jahren Ohne Titel und Anzünden (Inv. EDLDB5041) sind einander sowohl kompositorisch als auch technisch nahe. Oehlen arbeitet in Mischtechnik auf Stoff als Bildträger und übermalt im Lauf des Entstehungsprozesses der Werke die textile Bildfläche. Bereits Ende der 1980er-Jahre hat Oehlen sich einer Gruppe von Arbeiten zu widmen begonnen, die er als „postungegenständliche“ Malerei bezeichnet und die stark von abstrakten Expressionisten wie Jackson Pollock oder Willem de Kooning geprägt ist. Den beiden zu dieser Gruppe zählenden Werken scheint ein visuelles Chaos innezuwohnen, wie es auch Oehlens ebenfalls ab Beginn der 1990er-Jahre entstehende Computerbilder kennzeichnet. Folgt man jedoch den einzelnen Linien und zügigen Pinselbewegungen, erkennt man schnell, dass das vermeintliche Chaos sorgfältig konzipiert und arrangiert ist.
Oehlens Computerbilder nehmen mit dem Kauf eines Notebooks der Marke Texas Instruments ihren Anfang. Der Künstler beginnt sich mit ihm neuen Technologien wie verschiedenen Zeichen- und Designprogrammen oder dem Tintenstrahldruck zu befassen, die er durch die Arbeit mit dem Computer kennenlernt. Er experimentiert mit der Auflösung von Bildern und bezieht diese in seine Kunst ein. Rasch wird ihm klar, dass er seine am Laptop gefertigten Entwürfe vergrößern und mittels Siebdruck auf großformatige Leinwände übertragen kann. Anschließend übermalt er korrigierend jene Stellen der Werke, die das Computerprogramm durch die begrenzten Möglichkeiten der damaligen Technik nicht nach seinen Vorstellungen zu vollenden vermocht hat. U.D.O. 9 aus dem Jahr 2005 ist eines der späten bionischen Werke Oehlens. Mit für seine späten Arbeiten dieser Art typischen leuchtenden Farben überzieht Oehlen die Computerentwürfe mit einem Gewirr überlegt gesetzter Linien. Der Künstler schließt die Arbeit an der Werkgruppe 2008 ab: Zu diesem Zeitpunkt ist die Technik aufgrund der sich stetig verbessernden Qualität der Rechner, der Grafik und der Auflösung so weit fortgeschritten, dass Oehlen die künstlerische Herausforderung schwinden sieht.
The Essl Collection, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Elisabeth Dutz, Wien 2021, S. 158.
