Hallstatt, Vogelschauansicht von Osten über den Hallstätter See
Jacob Anton Premblechner, tätig in Hallstatt, 1. Hälfte 18. Jh.
zwischen 1735 und 1739
Maße gesamt (2 x 3 Einzelblätter): 80,4 × 162,6 cm
Rahmenaußenmaß: 88,2 × 170,3 × 4 cm
Die in der Architektursammlung der Albertina wiederentdeckte Karte der Gemeinde Hallstatt, gesehen aus der Vogelperspektive von Ost nach West, war in der Hallstatt-Forschung bisher unbekannt. Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut gilt als Denkmalgebiet von herausragender Bedeutung. Grund dafür sind die reichen natürlichen Salzvorkommen, die bereits seit Jahrtausenden abgebaut werden. Reger Handel und der damit einhergehende Wohlstand ermöglichten die Entwicklung einer hohen Kultur, die nach den Funden im Salzberghochtal »Hallstatt-Kultur« genannt wurde, von etwa 800 bis 400 vor Christus andauerte und den Namen des Orts auf der ganzen Welt bekannt machte. Weltweit sind neben Hallstatt und Hallein in Österreich nur zwei weitere prähistorische Salzbergwerke in Aserbaidschan und im Iran bekannt.
Eine außergewöhnliche Besonderheit dieser Karte stellen die durchnummerierten, insgesamt 204 Gebäude dar, deren Bewohner:innen und Funktionen durch drei Legenden aufgeschlüsselt werden, die von jeweils zwei Putti gehalten werden. Der Zeichner Jacob Anton Premblechner war ein Bewohner von Hallstatt; sein Haus ist mit der Nummer 148 verzeichnet. Die Familie Premblechner gehörte einer lokalen oberen Mittelschicht aus Erbeisenhäuern und Berggeschworenen an – Mitarbeitern des Bergamts, das die Bergwerke verwaltete. Premblechner beschreibt und autorisiert die Karte wie folgt: »[…] Marckhts Haalstatt, wie auch daran ligenten Tremischen […] See, mit thaills am Marckht anligenten Bergen und Tällern, so durch mich Jacob Antoni Premblechner gemacht, und in Grundt gelegt und verfertiget.« Die Datierung der Karte kann zwischen dem Neubau des Kirchturms der Pfarrkirche aus dem Jahr 1735 (Nr. 156) und dem Kirchturm der Spitalskirche (Nr. 132) von 1739 eingegrenzt werden. Der Hofkomplex, der 1750 vollständig niederbrannte und nicht wiedererrichtet wurde, ist im Bereich des heutigen Marktplatzes Hallstatt zu sehen. Premblechner gibt die Marktgemeinde mit faszinierend großer Detailgenauigkeit und Präzision in der Darstellung der Vegetation, der Vorgänge des Salzabbaus und der perspektivischen Darstellung der Gebäude wieder. Putti und ein Triton – ein Meeresgott mit menschlichem Oberkörper und fischartigem Unterkörper – im Hallstätter See halten Banderolen mit den Angaben der Himmelsrichtungen »Orient«, »Meridies«, »Occident« und »Septentrio« in den Händen. Im Oberösterreichischen Landesarchiv befindet sich eine vergleichbare Karte aus dem Jahre 1725, gezeichnet von Hans Rietzinger. Der dokumentarische Wert der etwa zehn Jahre später entstandenen Karte von Premblechner ist im Vergleich gerade deshalb besonders wertvoll, weil sie das selbstbewusste Bürgertum der wohlhabenden Gemeinde Hallstatt dokumentiert. Aufgrund der neu gewonnenen Informationen stellt der Plan somit die aussagekräftigste Quelle für die Bauforschung der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur Welterbestätte Hallstatt dar.
Katharina Hövelmann in: Faszination Papier, hrsg. von Ralph Gleis, Katharina Hövelmann, Elsy Lahner, Eva Michel (Ausst.-Kat. Albertina, Wien), Wien 2025.
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