Stehender weiblicher Akt vor geometrischen Formen
Egon Schiele
1911
Die im Schlaf geschlossenen Augen können im Sinne einer „ostentativen Blickverweigerung als Negativ-Form der Betrachteransprache ...“ gedeutet werden (Müller-Tamm 1995, S. 20). Diese Augen, die nur mit ihren eigenen Träumen beschäftigt sind und nicht mehr aus dem Bild reichen, stellen bei Schiele eine radikale „Form der Blickleitung“ (ebd.) dar.
Indem die Modelle jedoch nicht einfach heimlich beim Schlafen in ihrem Bett beobachtet werden, sondern, bewusst sexualisiert, intime Körperteile zur Schau stellen, gehen sie von der Gegenwart des Betrachters aus. Die Reihe an scheinbar durch Schlaf oder Trance entrückten Frauenzeichnungen von 1911 geht einher mit der für dieses Jahr charakteristischen konkreten Verortung der Figuren, ihre sonst in Schieles Werk kaum vorkommende Einbettung in ein räumlich-gegenständlich definiertes Umfeld.
So eindeutig die extrem perspektivische Ansicht des Künstlers in der Komposition festgelegt ist, so undeutlich ist der Ort des Geschehens und damit doch wieder die Frage nach einer Auf- oder frontalen Ansicht.
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