Der heilige Georg zu Pferd
Albrecht Dürer
1508
Einfassungslinie: 10,9 × 8,5 cm
Mit gleich zwei Kupferstichen (Inv. DG1930/1502, Inv. DG1930/1503), die in einem Abstand von etwa einem halben Jahrzehnt entstanden, huldigt Dürer dem legendären kappadokischen Drachenbezwinger Georg. Das um 1502/03 entstandene, frühere Blatt (Inv. DG1930/1502) zeigt den gerüstet vor uns stehenden Heiligen unmittelbar nach dem Kampf, dem der rücklings liegende Drache zum Opfer fiel. Der Sieger wirkt noch ein wenig erhitzt und derangiert; sein ungepflegter Bart und das mit einer Netzhaube mühsam gebändigte lange Haar verleihen ihm einen Anflug draufgängerischer Verwegenheit. Der Helm ist abgelegt, und die Lanze mit der daran befestigten Fahne wird wie ein Siegeszeichen präsentiert. Georgs Linke ist mit sprechendem Gestus erhoben, der Mund leicht geöffnet und der ganze Körper weit nach rechts gewendet, als wollte der ein wenig eitle Drachenbezwinger einem unsichtbaren Zaungast ein erstes Interview geben. Der Hintergrund bietet ein Panorama auf eine von Schiffen durchkreuzte Meeresbucht. Auf dem zweiten Stich (Inv. DG1930/1503), der anscheinend 1505 begonnen (?), aber erst 1508 vollendet worden ist, hat sich Georg nach erledigter Großtat schon wieder gesammelt, sein Schlachtross bestiegen und nach hinten rechts gelenkt. Sein behelmtes, nimbiertes Haupt blickt in visionäre Ferne, um seinen Gott im stillen Gebet zu preisen. Der Hintergrund ist nun völlig leer, sodass sich alles auf den feierlichen Moment der Danksagung konzentriert und der Reiter zu einem Denkmal des Sieges erstarrt. Rüstung, Physiognomie und auch die Anatomie des leblosen Ungetüms unterscheiden sich deutlich von dem früheren Blatt, das, trotz ähnlicher Maße und monumentaler Figurenauffassung, nicht als Pendant zu verstehen ist.
Zumindest für den Hl. Georg zu Fuß (Inv. DG1930/1502) ist der konkrete Kontext mit dem von Maximilian besonders propagierten Georgskult gegeben, da sein Banner das Emblem des 1467 von Friedrich III. gegründeten St.-Georgs-Ritterordens trägt. Maximilian gehörte dem Orden selbst seit 1511 an und initiierte weitere dem Heiligen gewidmete Gesellschaften. Als Inbegriff christlicher Rittertugenden wurde Georg zum Schirmherrn der kaiserlichen Idée fixe, den »turkischen Trach« zu besiegen (vgl. Inv. DG2010/289). Die Verkörperung schlechthin des Georg triumphans begegnet uns mit dem Hl. Georg zu Pferd, wenn auch hier die konkrete Anspielung auf den Georgsorden fehlt (das Kreuz auf der Fahne steht nun nicht in einem Kreis). Beritten sowie barhäuptig zu Fuß und ausgestattet mit der Ordensfahne zeichnete Dürer den Heiligen auch ins Gebetbuch Kaiser Maximilians, und zwar als Bildkommentar zu Anrufungen des miles christianus, dem der Kampf nicht mehr Ideal, sondern politisch-religiöses Anliegen war. Ein kaiserlicher Auftrag ist für die beiden Blätter freilich auszuschließen, doch könnte die von Maximilian angekurbelte Propaganda Entstehung und Absatz der leicht zu vertreibenden Kleinformate durchaus gefördert haben.
Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 116, S. 355.
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