Maria mit der Meerkatze
Albrecht Dürer
um 1498
Einfassungslinie: 19 × 12,2 cm
In künstlerischer und technischer Hinsicht markiert der Kupferstich "Maria mit der Meerkatze" einen Wendepunkt. Die nun erreichte "Verwirklichung von Raum, Körper und Oberflächen" (Panofsky) geht auf die bewusste Auseinandersetzung mit der Malerei des italienischen Quattrocento zurück, die Dürer kurz zuvor, auf seiner ersten Italienreise 1495/96, studiert hatte.
Das steile Hochformat betont die aufrechte Haltung der Gottesmutter auf der Rasenbank, hinter der sich eine Landschaft mit breitem Flusslauf und einem turmartigen Fachwerkhäuschen auftut. Aufmerksam beobachtet Maria das nackte Jesuskind auf ihrem linken Knie, das mit einem Saugbeutel einen Singvogel angelockt hat. Ihre Rechte ist auf den Rücken eines geschlossenen Buches gestützt. Unter dem kunstvoll drapierten, faltenreichen Gewand mit der auffälligen Knotung um die Taille zeichnen sich ihre Körperformen deutlich ab. Zu Füssen der Madonna, angekettet an die derben Bohlen der Rasenbank, sitzt, den Betrachter direkt fokussierend, eine Meerkatze, die dem Blatt den Namen gab.
Madonna und Kind sind nach italienischem Muster gebildet und wurden auf ein Altargemälde #Lorenzo di Credis im Dom zu Pistoia zurückgeführt. Das fränkische Weiherhäuschen, die vom Wind bewegten Weiden, der große Grasbüschel neben Maria und die verdunkelten Wolken hat Dürer dagegen in der Umgebung von Nürnberg in einem Aquarell festgehalten (London, The British Museum, Department of Prints and Drawings, Inv. 521.165; W 115). Der stilistische und räumliche Bruch zwischen Vorder- und Hintergrund ist motivisch bedingt. Die Idylle auf der Rasenbank wird durch die stürmische, an Hintergründe der zeitgleichen "Apokalypse" erinnernde, Landschaft in Hinblick auf die zukünftige Passion Christi kommentiert. Auch die im Spätmittelalter als Haustier geschätzte auf eine Naturstudie zurückgehende Meerkatze ist mehr als exotisches Beiwerk. Das domestizierte Tier verkörpert hier das durch die Geburt Jesu aufgehobene Böse. Gleichzeitig mag der Affe als Sinnbild der Nachahmung auch für das Prinzip der "Mimesis" stehen und die künstlerischen Absichten Dürers verkörpern.
Albrecht Dürer, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. L. Sternath, Albertina, Wien 2003, Abb. 31, S. 183.
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