Albrecht Dürer, Ritter, Tod und Teufel, Inv. Nr.: DG1930/1437
Ritter, Tod und Teufel
Albrecht Dürer, Ritter, Tod und Teufel, Inv. Nr.: DG1930/1437
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Ritter, Tod und Teufel

Albrecht Dürer

1513




In der Enge eines Hohlwegs vollzieht sich die Begegnung eines gewappneten Reiters mit dem Tod auf einer Schindmähre, dem am rechten Bildrand der Teufel folgt. Die populäre Benennung des Stichs als „Ritter, Tod und Teufel“ stammt aus dem späten 17. Jahrhundert, während Dürer das Blatt 1520 als den „Reuther“ (Reiter) bezeichnete. Dessen gefährliches Kriegshandwerk ist ständig durch die Sündhaftigkeit des Tötens aus einem nichtigen Grund und durch ein plötzliches Sterben bedroht. Rüstung, Bewaffnung und Kriegshandwerk sowie Pferd und (Jagd-)Hund gehörten zeitlebens zu jenen Gebieten, worin der Kaiser mit besonderem Fachwissen glänzen konnte. Dürer dürfte damit die Interessen Maximilians so genau getroffen haben, dass dieser als der vornehmste Adressat des Kupferstichs betrachtet werden kann.


Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1513
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesKupferstich; Blatt ist beschnitten
DimensionsBlatt: 24,8 × 19,25 cm
Einfassungslinie: 24,6 × 18,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1930/1437
Signedl.u. "1513" und Dürer-Monogramm "AD"
Text
In der fast drangvoll wirkenden Enge eines Hohlwegs vollzieht sich die Begegnung eines stattlichen gewappneten Reiters mit dem Tod auf einer Schindmähre, dem am rechten Bildrand der Teufel folgt. Kahles Gezweig ragt in den knappen Himmelsausschnitt und unterstreicht die Atmosphäre des Unwirtlichen, ja Bedrohlichen. Wie bei der Melencolia I (Inv. DG1930/1525) verleiht die Modellierung vom dominierenden Dunkel hin zu wenigen Aufhellungen der Komposition ihre Plastizität, und wie dort bestechen die Fülle der Details und die Präzision ihrer stofflichen Wiedergabe.
Die populäre Benennung des Stichs als »Ritter, Tod und Teufel« entstammt dem ausgehenden 17. Jahrhundert, während Dürer das Blatt 1520 ganz schlicht als den »Reuther« bezeichnete. Wegen der dichten Folge der Entstehung, des annähernd gleichen Formats und der Bril­lanz der technischen Umsetzung zählt das Blatt mit der Melencolia (Inv. DG1930/1525) und dem Hieronymus im Gehäus (Inv. DG1930/1511) zur Gruppe der »drei Meisterstiche«. Dies hat immer wieder dazu verführt, den Tiefsinn der Melencolia auf die beiden Schwesterwerke zu übertragen, doch liegen die Dinge beim Reiter offenbar weniger kompliziert: Die komposite und damals schon unmoderne Rüstung lässt weniger auf einen vornehmen Adeligen als vielmehr auf den damals allgegenwärtigen berittenen Söldner schließen. Dessen gefährliches Kriegshandwerk aber ist wie kein anderes durch die Sündhaftigkeit des Tötens aus einem nichtigen Grund und durch ein plötzliches, unbußfertiges Sterben in Sünde bedroht. Stundenglas und Totenschädel unterstreichen das ewige Motiv des Memento Mori so augenfällig, dass hierin wohl die Kernaussage des Kupferstichs zu sehen ist. Und indem Dürer den Cartellino mit seiner Signatur in so auffälliger Nähe zum Totenkopf anbringt, signalisiert er, dass sich die Mahnung nicht auf den dargestellten Berufsstand beschränkt, sondern für jedermann zu gelten hat.

Doch auch mit derartigen Einschränkungen dürfte Dürer mit diesem Blatt die besonderen Interessen Maximilians so genau getrof­fen haben, dass dieser als der vornehmste Adressat des Kupferstichs be­trachtet werden muss: Rüstung und Bewaffnung, Söldnerwesen und Kriegshandwerk sowie Pferd und (Jagd-)Hund gehörten zeitlebens zu den Gebieten, auf denen sich der Kaiser mit besonderem Fachwissen be­schlagen glaubte, wie Weißkunig und Ehrenpforte belegen. Es wäre sogar in Erwägung zu ziehen, dass der Künstler – spätestens seit seiner offiziellen Anstellung 1512 – von jedem druckgrafischen Werk ein Dedikationsexemplar an den Kaiserhof schickte, um sich damit das höfische Umfeld als weiteren Interessentenkreis zu erschließen. Einen Analogiebeweis liefert die literarische Praxis in seinem humanistischen Freundeskreis – dem immerhin Männer wie Konrad Celtis oder Willi­bald Pirckheimer angehörten –, dem Kaiser in der Hoffnung auf beson­dere Gnadenerweise – oder eine Druckbeihilfe – Schriften zu widmen.

Darüber hinaus dürfte Dürer seit seiner ersten Venedig-Reise 1494/95 Andrea del Verrocchios Reiterstandbild des Bartolomeo Col­leoni gut gekannt haben, und nicht von ungefähr sollte ihn nun das Thema Pferd bildlich und theoretisch intensiv beschäftigen, bis hin zu einer unvollendeten Proportionslehre. Seit spätestens 1507 war er zu­dem an den Planungen für die Augsburger Fugger-Grablege beteiligt, und um 1514 bezeichnete der Augsburger Supervisor der zahlreichen maximilianeischen Kunstprojekte, Konrad Peutinger, Dürer als seinen guten Freund. So dürften Dürer auch Hans Burgkmairs Planungen und Holzschnitte im Umfeld von Maximilians unvollendetem Reiterstand­bild für das Benediktinerstift St. Ulrich und Afra kaum entgangen sein (Inv. 22447, Inv. DG1934/55, Inv. DG1934/65). Letztlich also griff Dürer mit diesem wie auch mit den beiden anderen »Meisterstichen« zielsicher Themen auf, die die Gebil­deten und Mächtigen seiner Zeit intensiv beschäftigten.

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 102, S. 336.

Catalogue raisonné
  • Bartsch VII.106.98
  • Meder 1932.100.74b
  • Schoch I.169.69
  • Hollstein German VII.69.74
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  • Mathias F. Müller, Der Schwäbische Bund und Dürers Meisterstich „Ritter, Tod und Teufel“ als Vergänglichkeitsallegorie von Ruhm und Ehre, in: Zeitschrift des historischen Vereins für Schwaben, Bd. 110, 2018, S. 101-107
  • AK Albrecht Dürer, Albertina, Wien 2019, S. 461, Kat. 166
  • AK The Print, Albertina Wien 2022, Kat. 25
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand
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    Last edited19.05.2025