Kaiser Maximilian I.
Augsburger Meister
um oder nach 1519
Platte: 41,2 × 32 cm
Vom Juli bis zum Oktober 1518 hatte Kaiser Maximilian I. den Reichstag des Heiligen Römischen Reichs zum fünften und letzten Mal in seiner Regierungszeit nach Augsburg einberufen. Schon im Vorfeld und auch noch während des Reichstags hielt sich Albrecht Dürer als Mitglied der Nürnberger Delegation in Augsburg auf. Dort widmete er sich vor allem der Bildniszeichnung und -malerei, und kaum einer der in Augsburg versammelten Großen des Reichs, der nicht versuchte, von dem berühmtesten Maler der Zeit porträtiert zu werden (vgl. ALBERTINA, Inv. 3149 und Inv. 4853).
Eine ganz herausragende Gelegenheit muss es gewesen sein, am 28. Juni den Kaiser selbst in der bischöflichen Pfalz zu einer Porträtsitzung zu treffen. Das Ergebnis ist ein in Kreide oder Kohle gezeichnetes Bildnis des Herrschers (Inv. 4852).
Die Studie des 59-jährigen Kaisers diente Dürer als Ausgangspunkt für zwei Werke: ein wohl noch in Augsburg ausgeführtes Leinwandgemälde und die zu Beginn 1519 entstandene Fassung auf Holz (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inv. Nr. Gm169 https://objektkatalog.gnm.de/wisski/navigate/18347/view§, und Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv. Nr. GG825 https://www.khm.at/de/object/5d44ee6f2c/§.). Augsburger Künstler schufen auf Grundlage der Zeichnung das in drei Varianten (Variante 2: Inv. DG1934/484, Variante 3: Inv. DG1934/485 und Inv. DG1934/486 sowie Inv. DG1949/409; vgl. zu Variante 1: Inv. HO2006/668) und einer späteren Kopie (Inv. DG1934/483) auf uns gekommene Holzschnittporträt. Zu diesem Zweck wurden die Umrisse des Kopfes und Details des Gesichts noch vor Ort von der Zeichnung auf den Holzstock gepaust.
Mit dem Augsburger Maximilians-Porträt schuf Dürer nach der unmittelbaren Begegnung mit dem Kaiser einen auf Wahrheit und Repräsentation zielenden neuen Porträttypus: ein „Staatsporträt“, das Bildnistreue, die Seelenverfassung des Monarchen und die übergeordneten Prinzipien idealer Herrschertugend gleichermaßen repräsentiert.
