Albrecht Dürer, Der große Triumphwagen, Inv. Nr.: DG1934/577
Der große Triumphwagen
Albrecht Dürer, Der große Triumphwagen, Inv. Nr.: DG1934/577
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der große Triumphwagen

Albrecht Dürer

1522 (1. Ausgabe mit deutschem Text)




Der nach Dürers Zeichnung (Inv. 15423) im Holzschnitt ausgeführte Große Triumphwagen zeigt Maximilian erneut umringt von Tugenden, jedoch ohne seine Familie, wodurch anstelle der Betonung von Maximilians Nachkommenschaft eine zeitlose Glorifizierung des Kaisers tritt. Sein Wagen wird von der Ratio (Vernunft) gelenkt, die Tugenden Gloria Caesaris (Ruhm), Magnificentia (Erhabenheit), Dignitas (Würde) und Honor (Ehre), deren Namen auf die Wagenräder geschrieben sind, sorgen für sein Fortkommen. Die vier Herrschertugenden sind auf Postamenten rund um den Kaiser angeordnet, der von der geflügelten Victoria mit Lorbeer gekrönt wird.

Der monumentale Holzschnitt sollte ursprünglich das Herzstück des Holzschnitttriumphzugs bilden, erschien jedoch nie in diesem Kontext, da die Arbeiten an den Holzschnitten 1519 mit dem Tod des Kaisers ins Stocken gerieten. Dürer ergänzte den Wagen mit dem Text Pirckheimers und gab diesen auf eigene Kosten heraus. Er hegte wohl die berechtigte Hoffnung, damit die nach dem Tod des Kaisers bestehende Nachfrage nach Gedenkblättern zu bedienen. Der monumentale Triumphwagen erfreute sich bald großer Beliebtheit. 1521 wurde er im großen Rathaussaal in Nürnberg auch als Wandbild umgesetzt. Der deutschen Erstausgabe von 1522 folgte 1523 eine lateinische Edition. Bis um das Jahr 1600 erschienen sechs weitere Auflagen mit deutschem oder lateinischem Text.



Künstler:in (Nürnberg 1471 - 1528 Nürnberg)
Date1522 (1. Ausgabe mit deutschem Text)
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt von acht Stöcken
Dimensions45 x 222,8 cm

CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1934/577
Edition1. Ausgabe mit deutschem Text, von acht Stöcken auf acht Bögen gedruckt (Meder)
WatermarkMeder 146
Text

Der folgende Text bezieht sich auf drei miteinander verwandte Arbeiten, auf die beiden Zeichnungen "Entwurf zu einem Triumphwagen" (Inv. 3140) und "Der große Triumphwagen" (Inv. 15423) sowie auf den Holzschnitt "Der große Triumphwagen" (Inv. DG1934/577).

Dürers Skizze (Inv. 3140) zu einem Triumphwagen gilt als seine früheste erhaltene Vorarbeit für den 1516 begonnenen kaiserlichen Holzschnitt­triumphzug. Das an drei Ecken beschnittene Blatt zeigt Maximilian I. unter einem geschwungenen Baldachin mit den Insignien seiner Macht (Doppelbügelkrone, Szepter und Palmzweig als Siegeszeichen, Sphaira auf einem Kissen zu seinen Füßen) zusammen mit seiner Familie auf einem von vier Pferden gezogenen Prunkwagen. Die dargestellten Fami­lienmitglieder waren durch das von Marx Treitzsaurwein nach Maxi­milians Diktat niedergeschriebene Programm des Triumphzugs vorge­geben (Marx Treitzsaurwein: Verzeichnis der von Maximilian I. verfassten und geplanten Werke; Wien, ÖNB, Sammlung von Handschriften und alten Drucken Cod. 2835). Ihre Gruppierung unterscheidet sich lediglich in einem Detail von der themengleichen Darstellung im Miniaturen­triumphzug (Inv. 25246): Maximilians erste Gemahlin Maria von Burgund sitzt nicht wie dort mit ihrer Tochter Margarete vor dem Kaiser, sondern thront (bedeutungsperspektivisch verkleinert) zu Maximilians Linken. Marga­rete sitzt hingegen zusammen mit ihrem Bruder Philipp und dessen Frau Johanna auf einer Bank, davor sitzen wie in der Miniatur deren Söhne, die späteren Kaiser Karl und Ferdinand, vor denen ihre vier Schwes­tern Eleonore, Isabella, Maria und Katharina Platz genommen haben. Maximilians Anweisung im Konzept zum Triumphzug (1512), wonach Karl als zukünftiger Thronfolger eine Krone tragen sollte, wurde von Dürer im Unterschied zu seiner farbigen Zeichnung von 1518 (Inv. 15423) und zur Miniatur jedoch nicht berücksichtigt. Im Kontrast zu den et­was steif wirkenden Familienmitgliedern stehen das üppige Dekor des Wagens und die locker skizzierten, dahinsprengenden Pferde sowie ihre sie mit Peitschen antreibenden Reiter.

Die übliche Datierung der Federzeichnung um 1512 basiert neben stilistischen Gründen auf dem im Februar dieses Jahres dokumentierten Besuch Maximilians I. in Nürnberg. Sie entstand jedenfalls sicher vor 1516, da Maximilians Enkel Karl in diesem Jahr König von Spanien wurde und ab diesem Zeitpunkt kaum mehr mit einem Erzherzogshut zu Füßen seines Großvaters sitzend dargestellt worden wäre. Auch hal­ten die Prinzessinnen keine Szepter, möglicherweise ein Hinweis darauf, dass sie zum Zeitpunkt der Zeichnung noch nicht verheiratet waren, was allenfalls eine Entstehung bis 1515 bedingt (Thomas Schauerte in: Schoch II, S. 482).


Der sog. Große Triumphwagen folgt sowohl in seiner gezeichneten als auch in seiner Holzschnittfassung hingegen dem neuen Konzept von Dürers Freund, dem Humanisten Willibald Pirckheimer. Maximilian I. hatte von diesem neuen Triumphwagen durch den Nürnberger Probst Melchior Pfinzing erfahren und Pirckheimer in einem Schreiben vom 5. Februar 1518 aufgefordert, ihm eine Zeichnung zu senden. Diese von Albrecht Dürer ausgeführte großformatige kolorierte Federzeichnung (Inv. 15423) traf erst am 29. März ein, weshalb Pirckheimer den Kaiser um Verzeihung für die Verzögerung bat: »die menig der zugehören­den Tugenden haben vil Weil genommen, bis sie in ihre Ordnung gebracht sind. Und wo euer kais. maj. Diener Albrecht Dürer nit so großen Fleiß gethan het und die Sach selbst unter Händen genommen, wär mir die Sache noch schwerer worden« (zit. nach Ausst.-Kat. Wien 1959, Nr. 342). Die Figurenanordnung des Kaisers und seiner Familie sowie der von zwölf Pferden gezogene Wagen stimmen erneut mit der Vorgabe von Treitzsaurweins Konzept und der Triumphzugminiatur (Inv. 25244, Inv. 25245) überein, doch ist die Komposition nun um über 30 teils als Frauengestalten verbildlichte Tugenden des Kaisers bereichert.

Eine Visierung oder ein modello für den danach ausgeführ­ten Holzschnitt ist Dürers Zeichnung jedoch im eigentlichen Sinne nicht, da der Wagen dort erneut modifiziert wurde (Inv. DG1934/577): Auf dem nun verkürzten Gefährt fehlt die kaiserliche Familie, d. h. anstelle der Betonung des Prinzips der Genealogie trat die Konzentration auf die somit »abstraktere«, zeitlose Glorifizierung des Kaisers. Maximilian I., der im Holzschnitt eine an der Reichskrone orientierte Plattenkrone trägt, ist umringt von den nun durch Beischriften erläuterten Tugen­den. Sein Wagen wird von der Ratio (Vernunft) gelenkt, die Tugenden Gloria Caesaris (Ruhm), Magnificentia (Erhabenheit), Dignitas (Würde) und Honor (Ehre), deren Namen auf die Wagenräder geschrieben sind, sorgen für sein Fortkommen. Die vier Herrschertugenden Justitia (Ge­rechtigkeit), Fortitudo (Stärke), Prudentia (Weisheit) und Temperantia (Mäßigung) sind auf Postamenten rund um den Kaiser angeordnet und bilden mit ihren untereinander verbundenen Lorbeerkränzen, die weite­re Tugenden symbolisieren, einen großen Ehrenkranz über Maximilian, den zugleich die hinter ihm stehende geflügelte Victoria mit Lorbeer krönt. Auf dem Baldachin über dem Kaiser ist »Quod in coelis sol hoc in terra Caesar est« (»Was im Himmel die Sonne, ist auf Erden der Kai­ser«) zu lesen.

 

Der Holzschnitt sollte ursprünglich das Herzstück des Holz­schnitttriumphzugs bilden, dessen Kernaussagen er in komprimierter Form wiederholt. Er erschien jedoch nie in diesem Kontext, da die Ar­beiten an den Holzschnitten 1519 mit dem Tod des Kaisers ins Stocken gerieten. Dürer ergänzte den auf acht Foliobögen gedruckten Riesen­holzschnitt mit dem in beweglichen Lettern gedruckten Text Pirckhei­mers und gab diesen auf eigene Kosten heraus, wohl in der berechtigten Hoffnung, damit die nach dem Tod des Kaisers bestehende Nachfrage nach Gedenkblättern zu bedienen. Der monumentale Triumphwagen, der 1521 im großen Rathaussaal in Nürnberg auch als Wandbild um­gesetzt wurde, erfreute sich großer Beliebtheit, denn der deutschen Erstausgabe von 1522 folgte 1523 eine lateinische Ausgabe, und bis um das Jahr 1600 erschienen sechs weitere Auflagen mit deutschem oder lateinischem Text.

 

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 60, S. 258-259. 

 

Catalogue raisonné
  • Bartsch VII.154.139
  • Meder 252, 1. Ausgabe 1522, deutsch, Auflagendruck
  • Hollstein German VII.203.252
  • TIB 10.234.139
  • TIB 10 Kommentar.1001.339
  • Schoch II.257
  • Bibliography
  • AK Wien 1959, Nr. 343
  • AK Innsbruck 1969, Nr. 517
  • AK Nürnberg 1971, Nr. 264
  • AK Berlin 1983, Nr. C 1.2
  • AK Austin 1983, Nr. 26
  • AK Innsbruck 1992, Nr. 141
  • Müller 1996, S. 95
  • AK Wiener Neustadt 2000, Nr. 95
  • AK Osnabrück 2003, Nr. 39
  • AK Albertina 2003, Nr. 161 (Mathias F. Müller)
  • AK Bremen 2003/2004, S. 90-91, Nr. 57
  • AK Madrid 2005, S. 309-313, unter Nr. 87 (M. F. Müller)
  • Roth 2011, S. 101
  • AK Albertina 2012, Nr. 60 (E. Michel)
  • Smith 2012, S. 275-277
  • AK Washington 2013, S. 242-243, Nr. 100 (E. Michel)
  • AK Albrecht Dürer, Albertina Wien, München/London/New York 2019, S. 26-27, Abb. 11
  • AK The Print, Albertina Wien 2022, Kat. 22
  • Andreas H. Zajic (Hg.), L’Homme armé. Bilder vom gerüsteten Mann zur Zeit Maximilians I., Wien 2026, S. 76, Abb. 11 (Beitrag Erwin Pokorny)
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand
  • Online resources
    zum Catalogue raisonné

    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/101002/der-groe-triumphwagenImage Request
    Last edited13.10.2026