Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Gespann zu Kaiser Maximilians Heirat mit der Erbin von Burgund
Albrecht Dürer
1796 (Erstausgabe 1526)
Die ab 1516 begonnene Holzschnittfassung von Kaiser Maximilians Triumphzug sollte sein Andenken (gedechtnus) weiter verbreiten. Wie bei Maximilians gemaltem Prunkexemplar waren mehrere Künstler an der Ausführung beteiligt. Den Hauptanteil der Holzschnitte entwarf Hans Burgkmair, gefolgt von Albrecht Altdorfer, Hans Springinklee, Leonhard Beck, Wolf Huber (?), Hans Schäufelein und Albrecht Dürer.
Die Holzschnittfolge beginnt wie einst der Triumphzug mit Preco, dem auf einem Greifen reitenden „Verkünder des Triumphes“. Die darauffolgenden Blätter spiegeln das höfische Leben mit Jägern, Musikern, Hofnarren, Turnierreitern und Bannern von Maximilians Besitzungen. Trotz enger motivischer Übereinstimmungen handelt es sich bei den Holzschnitten nicht um bloße Vervielfältigungen der Malereien. Während etwa der „Tross“ mit dem Hausrat der Armee, der ebenfalls von Altdorfer ausgeführt wurde, in ähnlicher Form wiederkehrt, unterscheidet sich insbesondere die Darstellung von Maximilians Kriegen beträchtlich von den Miniaturen: Anstelle von Altdorfers Schlachtenbildern treten prunkvoll antikisierende Wägen mit Trophäen, auch wurden viele der Miniaturen im Holzschnitt nicht mehr umgesetzt. Letztlich blieb das Werk durch den Tod des Kaisers unvollendet. Erst Maximilians Enkel, Erzherzog Ferdinand, veranlasste 1526 die erste Auflage des Triumphzugs, der sich zusammengesetzt über eine Länge von fast 54 Metern erstreckt.
Der Holzschnitttriumphzug wurde von 136 Druckstöcken gedruckt, die heute bis auf einen in der Albertina verwahrt werden (siehe Inv. HO2006/170 - Inv. HO2006/305). Ausgeführt wurden sie von 17 professionellen »Formschneidern«.
Blatt: 39,3 × 41,4 cm
Im Jahre 1512 diktierte Maximilian I. seinem Sekretär Marx Treitzsaurwein das von Johannes Stabius entwickelte Programm des Triumphzugs (Wien, ÖNB, Cod. 2835; Ausst.-Kat. Wien 2012, Nr. 52), der zu seinen bedeutendsten und umfangreichsten Auftragswerken zählt. Das Prunkexemplar des Triumphzugs für den Kaiser wurde von Albrecht Altdorfer und seiner Regensburger Werkstatt in 109 kostbaren großformatigen Miniaturen umgesetzt, von denen sich in der Albertina die Blätter 49 bis 109 erhalten haben (Inv. 25205 - Inv. 25263).
Für die Holzschnittfassung, die Maximilians gedechtnus verbreiten sollte, zeichnete hingegen hauptsächlich der Augsburger Hans Burgkmair verantwortlich, der 66 Holzschnitte entwarf. Den zweitgrößten Anteil mit 32 Entwürfen steuerte Altdorfer bei, gefolgt von 22 Rissen Hans Springinklees. Weitere sieben Entwürfe stammten von Leonhard Beck, fünf wahrscheinlich von Wolf Huber sowie je zwei von Hans Schäufelein und Albrecht Dürer. In der Albertina haben sich 135 Druckstöcke des Triumphzugs erhalten, auf deren Rückseiten die Namen von 17 verschiedenen Formschneidern und teils auch die Ablieferungsdaten zu lesen sind. Wie bei den Triumphzugminiaturen war diese Arbeitsteilung bedingt durch den enormen Umfang des Auftrags, der innerhalb weniger Jahre auszuführen war: Das Handexemplar Burgkmairs mit 63 Probedrucken (Dresden, SKD, Kupferstich-Kabinett) enthält eine Abschrift von Treitzsaurweins Konzept, Burgkmairs Exlibris nennt als Arbeitsbeginn den 1. April 1516; der späteste Vermerk auf einem Holzstock stammt vom 8. Mai 1518 (Schoch II, S. 417).
Beim Tod des Kaisers 1519 blieb der Holzschnitttriumphzug zunächst unvollendet liegen, und zahlreiche im Programm vorgesehene Blätter kamen nicht mehr zur Ausführung; die Schriftfelder blieben insgesamt leer. Maximilians Enkel, Erzherzog Ferdinand, trug die vorhandenen 136 Druckstöcke, die sich zusammengesetzt über eine Länge von 54 Metern erstrecken, mithilfe Treitzsaurweins zusammen und veranlasste 1526 die erste Auflage des Triumphzugs (Albertina Inv. DG2005/10901/1 - Inv. DG2005/10901/135B). Weitere Ausgaben erschienen 1777 und 1796 (sog. Bartsch-Ausgabe, Albertina Inv. DG193135/1 - Inv. DG1931/35/135) sowie 1883/84 (hrsg. v. Franz Schestag, Supplement des JbKSAK, 1, 1883/84).
Die Holzschnittfolge beginnt wie einst der Miniaturentriumphzug mit dem auf einem Greifen reitenden »Verkünder des Triumphes«, Preco (Inv. DG1931/35/1). Die ersten 56 Blätter von der Hand Burgkmairs spiegeln das hö?sche Leben mit Jägern, Musikern, Hofnarren und Turnieren. Die folgenden Holzschnitte Altdorfers (Bl. 57–88) zeigen Reiter mit den Bannern von Maximilians Besitzungen. Abgesehen von kleinen motivischen Unterschieden stimmen die Holzschnitte mit den (nur durch Kopien überlieferten) Triumphzugminiaturen 1 bis 48 weitgehend überein, wobei meist je zwei Holzschnitte dem Inhalt eines Pergaments entsprechen.
Dennoch handelt es sich bei den Holzschnitten nicht um eine Nachahmung und Vervielfältigung der Miniaturmalereien. Während etwa der Tross mit dem Hausrat der Armee, der auch im Holzschnitt von Altdorfer ausgeführt wurde, in ähnlicher Form wiederkehrt, unterscheidet sich die Holzschnittversion in anderen Teilen von den (ab Blatt 49 bis 109 im Original erhaltenen) Miniaturen beträchtlich, jedoch ohne dabei vom Programm von 1512 abzuweichen. Neuartig und noch fantasievoller als Altdorfers gemalte Indianer (Inv. 25259) sind etwa Burgkmairs Holzschnitte mit drei Gruppen von Vertretern Afrikas, Südamerikas und Indiens, die von einem Elefanten angeführt werden (Inv. DG1931/35/124, Inv. DG1931/35/123, Inv. DG1931/35/122). Insbesondere für die Darstellung von Maximilians Kriegen wurde in den Holzschnitten eine gänzlich andere Lösung als in den Miniaturen gewählt: Anstelle von Altdorfers großartigen Schlachtenbildern und Schautafeln zu historischen Ereignissen treten prunkvolle Karossen. Als deren Vorbilder gelten die Wagen in der von Aldus Manutius in Venedig 1499 gedruckten Hypnerotomachia Poliphili des Francesco Colonna, von der sich nachweislich ein Exemplar in Dürers Besitz befand (Leidinger 1929). Die Umwandlung von Altdorfers »Bildern im Bild« zu trophäengeschmückten Wagen war wohl nicht der schwierigen technischen Durchführbarkeit der kleinteiligen Darstellungen geschuldet, sondern bedeutet eine Rückkehr zur »traditionellen« antiken Darstellungsform und zugleich eine Weiterentwicklung im Sinne »moderner« italienischer Vorbilder. Viele der im Konzept vorgesehenen und als Miniatur ausgeführten Bilder wurden jedoch im Holzschnitt nicht mehr umgesetzt, wie etwa der Gebrauchsschatz und der Schatz der Andacht, die Artillerie, der Wagen der Kaiserin oder die Erkorenen Fürsten; die Reihe von Maximilians Ahnen ist reduziert auf ausschließlich männliche Vorfahren.
Unter den sieben Entwerfern der Holzschnitte kam Dürer – wie bereits bei dem ebenfalls in Gemeinschaftsarbeit illustrierten kaiserlichen Gebetbuch – eine Sonderstellung zu: Sein Beitrag am Triumphzug war die bedeutsame Darstellung der »Burgundischen Heirat«, der Verlobung oder Vermählung Maximilians I. mit Maria von Burgund, welche die Verbindung der Habsburger mit dem Herzogtum Burgund begründete. Der Holzschnitt wird oft als Kleiner Triumphwagen bezeichnet, da die Heirat nicht wie in der themengleichen Miniatur (Inv. 25205) als »Bild« dargestellt ist, sondern auf einem reich dekorierten Wagen statt?ndet, der von einer Quadriga gezogen wird (Albertina, Inv. Cim. I, Nr. 6, fol. 135A-135). Die sich wild aufbäumenden Pferde stehen in seltsamem Widerspruch zu dem lorbeergekrönten Landsknecht, der den Wagen hinten anschiebt; doch es geht in diesem Blatt nicht nur um die erfolgreiche habsburgische Heiratspolitik, sondern mit dem Landsknecht wird auch jenem Stand Rechnung getragen, der an Maximilians militärischen Siegen maßgeblich beteiligt war. Die Szene an der Wagenseite zeigt Maria nochmals im Kreis von Hofdamen und Beratern beim Ratschluss nach dem Tod ihres Vaters Karl des Kühnen 1477.
Da ausgerechnet die Druckplatte der Wagenszene nach der ersten Auflage 1526 verloren ging, enthalten die zweite und dritte Ausgabe des Triumphzugs nur mehr das Wagengespann mit Victoria auf dem Kutschbock (Inv. DG1931/35/135). In der vierten Ausgabe 1883 wurde die fehlende Heiratsdarstellung durch eine fotomechanische Reproduktion ergänzt.
Dürer kam außerdem 1518 die Aufgabe zu, basierend auf älteren Vorgaben den Triumphwagen des Kaisers zu entwerfen, der das Kernstück des Triumphzugs bilden sollte (Inv. 15423). Der monumentale Wagen, dem ein von Dürers Freund, dem Humanisten Willibald Pirckheimer, neu konzipiertes Programm zugrunde lag, wurde jedoch schließlich nie Teil der Holzschnittfolge, sondern erschien bereits 1522 als Separatdruck (Inv. DG1934/577). Dürers thematisch zugehörige Entwurfszeichnungen von Standarten-und Trophäenträgern aus dem Jahr 1518 (Inv. 3158, Inv. 3155, Inv. 4850, Inv. 3154, Inv. 3156, Inv. 3157) wurden nicht mehr in Holzschnitte umgesetzt.
Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 68b, S. 269-271.
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