Der Buchstabe o
Meister E.S.
zweites Drittel des 15. Jahrhunderts
Das aufgestempelte Monogramm Martin Schongauers (vgl. auch Inv. DG1926/805) dürfte von einem früheren Eigentümer des Drucks veranlasst worden sein, und zwar zu einer Zeit, als noch ein Großteil früher Druckgrafik unter Schongauers Namen subsumiert wurde. Weitere entsprechend manipulierte Blätter aus dem Figurenalphabet besitzt das British Museum London. Sämtliche stammen aus derselben Quelle, nämlich den Sammlungen von Ralph Willet (1719–1795; Auktion Philipe, London, 7.–11.3.1814), Thomas Lloyd (um 1757–1843; Auktion Sotheby's, London, ab 10.4.1817, Nr. 767) und Richard Grenville, 2nd Duke of Buckingham and Chandos (1797–1861; Auktion Phillips, London, 14.7.1834, Nrn. 3091–3107).
In den Katalogen der Lloyd- und Grenville-Auktionen wird auf das aufgedruckte Monogramm ausdrücklich hingewiesen, die Blätter sind hier aber bereits dem „Master of 1466“ zugeschrieben, ein älterer Notname für den Meister E. S. (Der Willett-Katalog konnte noch nicht geprüft werden.) Carl Heinrich von Heineken listet das Figurenalphabet 1786 in seinem „Verzeichniß der Kupferstiche Martin Schöns [Schongauers]“ noch unter dessen Werken und vermerkt, dass es „Abdrücke mit und ohne Zeichen“, also dem Schongauer-Monogramm gäbe (Neue Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen, 1. Teil, Dresden/Leipzig 1786, S. 410–435, hier S. 423, Nr. 67, Link https://permalink.obvsg.at/alb/AC10149350§). Die Stempel sind also spätestens im 18. Jahrhundert hinzugefügt worden.
