Anonym, König Maximilian als Hercules Germanicus, Inv. Nr.: DG1948/224r
König Maximilian als Hercules Germanicus
Anonym, König Maximilian als Hercules Germanicus, Inv. Nr.: DG1948/224r
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

König Maximilian als Hercules Germanicus

Anonym

um 1493 oder 1500 (?)




Johannes Tolhopf (1429–1503), der Auftraggeber des Holzschnitts sprach in Briefen an Konrad Celtis im Sommer 1493 davon, ein Buch mit dem Titel „Herculeus“ verfassen zu wollen. Doch zeugt einzig dieser Holzschnitt von seiner Beschäftigung mit diesem bedeutsamen antiken Themenkreis. Die Doppelszene zeigt eine sinnbildhafte Huldigung an den „deutschen Herkules“ Maximilian, auf den die Eigenschaften des griechischen Sagenhelden übertragen werden. Der Heros Maximilian trägt alle Waffen gleichzeitig, da er sich gegen eine ganze Heerschar von Feinden wehren muss. Darunter vereinigt er als „Weltmonarch“ die verbündeten Völker zum Kampf gegen alle Feinde. Als Anlass für die Entstehung des Holzschnitts kommt der Beginn von Maximilians Alleinherrschaft in Betracht, die er nach dem Tod seines Vaters Kaiser Friedrichs III. Mitte 1493 antrat.


Künstler:in
Vormals zugeschrieben an (Kulmbach um 1480 - um 1522 Nürnberg)
Dateum 1493 oder 1500 (?)
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt
DimensionsBlatt: 28,5 × 17,8 cm
Platte: 26,6 × 16,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1948/224r
Text

Johannes Tolhopf, latinisiert Tolophus, bezeichnete sich selbst gern als »Hercules-Priester« (vates Herculeus), so auch in der Umschrift, die rück­seitig sein Wappen begleitet. Er gehört als Auftraggeber dieses nur in zwei Exemplaren überlieferten Einblattholzschnitts zu den eher merk­würdigen Randerscheinungen des deutschen Humanismus. Einige Briefe an dessen führenden Kopf Konrad Celtis haben sich erhalten, in denen Tolhopf im Sommer 1493 davon spricht, ein Buch mit dem Titel »Herculeus« (»Der Herkulier« oder »herkulisch«) verfassen zu wollen. Doch zeugt einzig dieser viel besprochene Holzschnitt von seiner Aus­einandersetzung mit einem der wichtigsten profanen Themenkreise in Kunst und Literatur der Frühen Neuzeit. Der Gegenstand der Doppel­szene ist eine allegorische Huldigung an Maximilian, auf den hier als »deutschem Hercules« die auf Lateinisch genannten Eigenschaften des Sagenhelden projiziert werden. Darunter vereinigt er als »Weltmonarch« die verbündeten Völker zum Kampf gegen alle Feinde. Die merkwür­dige Simultan-Bewaffnung des Maximilian-Hercules folgt womöglich einem Vers aus Senecas Drama Hercules furens, das der allseits verehrte Celtis 1487 herausgegeben hatte. Dort heißt es bei der einführenden Schilderung der vorangegangenen Heldentaten: »Trägt er doch als seine Waffen, was er fürchtete und dennoch niederschlug: gerüstet kommt er daher mit Löwenfell und Hydra.« Dieser Gedanke wird fortgeführt und mag im Sinne panegyrischer Übertreffungs-Topik gedeutet werden: Nicht nur zwei, sondern alle Waffen gleichzeitig trägt – teils gegen­ständlich, teils im Wappenschild angedeutet – der Heros Maximilian, weil er sich nicht nacheinander mit einzelnen Gegnern, sondern immer mit einer ganzen Heerschar von Feinden gleichzeitig auseinandersetzen muss. Während der Holzschnitt meist auf die Jahre um 1500 datiert wird, käme als ein denkbarer äußerer Anlass vielleicht auch der Beginn von Maximilians Alleinherrschaft nach dem Tod Friedrichs im Sommer 1493, kurz nach dem erwähnten Brief des Tolhopf, in Betracht.


Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 31, S. 186.

Catalogue raisonné
  • Winkler, Hans von Kulmbach 1959, p. 37
  • Schreiber 1902, Bd. 3, 1958m
  • Dodgson 1903, S. 137, Nr. A.141
  • Bibliography
  • Arnold 1989, S. 140–146
  • Ausst.-Kat. Innsbruck 1992a, Nr. 162 (Erwin Pokorny)
  • Schauerte 2012b, S. 208–220
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 31 (Th. Schauerte)
  • Thomas Schauerte, Dürer & Celtis. Die Nürnberger Poetenschule im Aufbruch, München 2015, S. 34-35
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/102900/konig-maximilian-als-hercules-germanicusImage Request
    Last edited17.12.2024