König Maximilian als Hercules Germanicus
Anonym
um 1493 oder 1500 (?)
Platte: 26,6 × 16,6 cm
Johannes Tolhopf, latinisiert Tolophus, bezeichnete sich selbst gern als »Hercules-Priester« (vates Herculeus), so auch in der Umschrift, die rückseitig sein Wappen begleitet. Er gehört als Auftraggeber dieses nur in zwei Exemplaren überlieferten Einblattholzschnitts zu den eher merkwürdigen Randerscheinungen des deutschen Humanismus. Einige Briefe an dessen führenden Kopf Konrad Celtis haben sich erhalten, in denen Tolhopf im Sommer 1493 davon spricht, ein Buch mit dem Titel »Herculeus« (»Der Herkulier« oder »herkulisch«) verfassen zu wollen. Doch zeugt einzig dieser viel besprochene Holzschnitt von seiner Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten profanen Themenkreise in Kunst und Literatur der Frühen Neuzeit. Der Gegenstand der Doppelszene ist eine allegorische Huldigung an Maximilian, auf den hier als »deutschem Hercules« die auf Lateinisch genannten Eigenschaften des Sagenhelden projiziert werden. Darunter vereinigt er als »Weltmonarch« die verbündeten Völker zum Kampf gegen alle Feinde. Die merkwürdige Simultan-Bewaffnung des Maximilian-Hercules folgt womöglich einem Vers aus Senecas Drama Hercules furens, das der allseits verehrte Celtis 1487 herausgegeben hatte. Dort heißt es bei der einführenden Schilderung der vorangegangenen Heldentaten: »Trägt er doch als seine Waffen, was er fürchtete und dennoch niederschlug: gerüstet kommt er daher mit Löwenfell und Hydra.« Dieser Gedanke wird fortgeführt und mag im Sinne panegyrischer Übertreffungs-Topik gedeutet werden: Nicht nur zwei, sondern alle Waffen gleichzeitig trägt – teils gegenständlich, teils im Wappenschild angedeutet – der Heros Maximilian, weil er sich nicht nacheinander mit einzelnen Gegnern, sondern immer mit einer ganzen Heerschar von Feinden gleichzeitig auseinandersetzen muss. Während der Holzschnitt meist auf die Jahre um 1500 datiert wird, käme als ein denkbarer äußerer Anlass vielleicht auch der Beginn von Maximilians Alleinherrschaft nach dem Tod Friedrichs im Sommer 1493, kurz nach dem erwähnten Brief des Tolhopf, in Betracht.
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