Hans Weiditz, Gedenkblatt auf Kaiser Maximilian, Inv. Nr.: DG1949/368
Gedenkblatt auf Kaiser Maximilian
Hans Weiditz, Gedenkblatt auf Kaiser Maximilian, Inv. Nr.: DG1949/368
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Gedenkblatt auf Kaiser Maximilian

Hans Weiditz

1519




Jakob Mennel, führender Genealoge Maximilians, verfasste nach dem Tod des Kaisers den Text für ein großformatiges Flugblatt. Dieses wurde von Hans Weiditz ausgeführt: Die Wappen der zwölf bedeutendsten europäischen Ritter- bzw. Kreuzfahrerorden sind um ein Kruzifix mit den Trauernden, Maria und Johannes, gruppiert. In der Szene darunter ist zu sehen, wie Maximilian sein Krankenbett verlassen hat, um sich von Mennel seinen Stammbaum vorlesen zu lassen. Der Haupttext berichtet ausführlich über den Tod und die Aufbahrung Maximilians, die darunter mit dem von Kerzen beleuchteten Katafalk dargestellt wird. Zudem verfolgt das Blatt den Zweck, Mennel als engen Vertrauten des Verstorbenen dessen Nachfolgern Karl und Ferdinand zu empfehlen.


Künstler:in (Straßburg um 1500 - 1536 Freiburg i. Br.)
Date1519
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesHolzschnitt
Dimensions49,5 x 38,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1949/368
Edition
Portfolio
Signed
Text

Ähnlich wie Johannes Stabius, des Kaisers Mann in Nürnberg (Inv. DG1935/984), ließ es sich auch Jakob Mennel, führender Genealoge Maximilians (vgl. seine "Fürstliche Chronik", Wien, ÖNB, Sammlung von Handschriften und alten Drucken, Cod. 3075, in Ausst.-Kat. Wien Albertina 2012, Nr. 19), nicht nehmen, der Trauer um seinen 1519 verstorbenen Dienstherrn in Wort und Bild Ausdruck zu verleihen. Das großformati­ge Flugblatt ist Fabrizio del Carretto, dem Großmeister des Johanniter­ordens, gewidmet, als dessen deutscher Kanzler Mennel fungierte. Es wird von einem Ordensspiegel (»militare Cruciferorum speculum«) do­miniert, der die Wappen der zwölf bedeutendsten europäischen Ritter- bzw. Kreuzfahrerorden zeigt und sich um ein Kruzifix mit den trau­ernden Maria und Johannes gruppiert. Zu dessen Füßen behauptet der Schild des burgundischen Hausordens vom Goldenen Vlies mit Andre­askreuz und Ordenscollane die vornehmste Stellung. In der heraldisch rechten, also zweithöchsten Position findet sich links daneben das Wap­pen des 1469 von Maximilians Vater, Kaiser Friedrich III., gestifteten Georgsordens. Obwohl er zu keinem Zeitpunkt den militärischen und politischen Stellenwert erlangte, den ihm bereits Friedrich zugedacht hatte, zieht sich die Existenz des Ordens als eine habsburgische Haus­stiftung doch wie ein roter Faden durch das Leben der beiden Kaiser. Ihm hatte Maximilian unter Mithilfe des prosperierenden Vliesordens die Pflege seines Grabstifts zugedacht und sich in Ermangelung einer eigenen Grabeskirche an einem der Hauptsitze des Ordens, der Georgs­kapelle in der Wiener Neustädter Burg, beisetzen lassen. Interessant ist die Szene darunter, auf der Maximilian sein Krankenbett verlassen hat, weil hier »dem Kaiser durch Mennel die Bücher über dessen uralten und allererlauchtesten Stammbaum vorgelesen werden«, wie eine Blatt­inschrift besagt. Während der Haupttext ausführlich über den Tod und die ganz unten dargestellte Aufbahrung berichtet, hat das Blatt ins­gesamt ersichtlich den Hauptzweck, Mennel als engsten Vertrauten des Verstorbenen dessen Nachfolgern Karl und Ferdinand zu empfehlen. 

 

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 130, S. 386.

Catalogue raisonné
  • Meder 575
  • Rött. 14
  • Gb. 1525
  • Bibliography
  • Ausst.-Kat. Wien 1959, Nr. 423
  • Ausst.-Kat. Innsbruck 1969, Nr. 261
  • Ausst.-Kat. Osnabrück 2003, Nr. 34
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 130 (Th. Schauerte)
  • Provenance
  • Hofbibliothek

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/107760/gedenkblatt-auf-kaiser-maximilianImage Request
    Last edited16.10.2024