Gedenkblatt auf Kaiser Maximilian
Hans Weiditz
1519
Ähnlich wie Johannes Stabius, des Kaisers Mann in Nürnberg (Inv. DG1935/984), ließ es sich auch Jakob Mennel, führender Genealoge Maximilians (vgl. seine "Fürstliche Chronik", Wien, ÖNB, Sammlung von Handschriften und alten Drucken, Cod. 3075, in Ausst.-Kat. Wien Albertina 2012, Nr. 19), nicht nehmen, der Trauer um seinen 1519 verstorbenen Dienstherrn in Wort und Bild Ausdruck zu verleihen. Das großformatige Flugblatt ist Fabrizio del Carretto, dem Großmeister des Johanniterordens, gewidmet, als dessen deutscher Kanzler Mennel fungierte. Es wird von einem Ordensspiegel (»militare Cruciferorum speculum«) dominiert, der die Wappen der zwölf bedeutendsten europäischen Ritter- bzw. Kreuzfahrerorden zeigt und sich um ein Kruzifix mit den trauernden Maria und Johannes gruppiert. Zu dessen Füßen behauptet der Schild des burgundischen Hausordens vom Goldenen Vlies mit Andreaskreuz und Ordenscollane die vornehmste Stellung. In der heraldisch rechten, also zweithöchsten Position findet sich links daneben das Wappen des 1469 von Maximilians Vater, Kaiser Friedrich III., gestifteten Georgsordens. Obwohl er zu keinem Zeitpunkt den militärischen und politischen Stellenwert erlangte, den ihm bereits Friedrich zugedacht hatte, zieht sich die Existenz des Ordens als eine habsburgische Hausstiftung doch wie ein roter Faden durch das Leben der beiden Kaiser. Ihm hatte Maximilian unter Mithilfe des prosperierenden Vliesordens die Pflege seines Grabstifts zugedacht und sich in Ermangelung einer eigenen Grabeskirche an einem der Hauptsitze des Ordens, der Georgskapelle in der Wiener Neustädter Burg, beisetzen lassen. Interessant ist die Szene darunter, auf der Maximilian sein Krankenbett verlassen hat, weil hier »dem Kaiser durch Mennel die Bücher über dessen uralten und allererlauchtesten Stammbaum vorgelesen werden«, wie eine Blattinschrift besagt. Während der Haupttext ausführlich über den Tod und die ganz unten dargestellte Aufbahrung berichtet, hat das Blatt insgesamt ersichtlich den Hauptzweck, Mennel als engsten Vertrauten des Verstorbenen dessen Nachfolgern Karl und Ferdinand zu empfehlen.
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