Die Bettler
Lucas Hugensz. van Leyden
um 1509
Inspirieren ließ sich Lucas van Leyden für seine Bettlerfamilie von Sebastian Brants Narrenschiff, dem erfolgreichsten Buch der frühen Neuzeit. Darin beschreibt Brant unter anderem Bettler, die sich Kinder anderer borgen, um noch bedürftiger zu wirken. Direkte Übernahmen aus einer Holzschnittillustration des Narrenschiffs sind der Esel, der eine Vielzahl von Kindern in Körben trägt, und das Gewand von Frau und Mann. Motive wie die Eule auf der Schulter eines Kindes oder der Dudelsack symbolisieren Sünde, Faulheit und Narrheit.
Van Leyden schuf alle seine sechs Radierungen im Jahr 1520 und gab die Technik danach wieder auf. In allen Blättern kombinierte er die Radierung mit dem Verfahren des Kupferstichs. In den Bettlern verstärkte er die radierten Konturen durch gestochene Linien und ergänzte die Komposition durch einzelne Motive wie etwa das Schloss im Hintergrund.
