Grablegung Christi
Rembrandt Harmensz. van Rijn
um 1654
"Die Grablegung" zählt zu einer Gruppe von vier gleichformatigen Radierungen aus den fünfziger Jahren, die Rembrandt möglicherweise im Zusammenhang mit einer geplanten, aber nie realisierten Serie von Darstellungen aus dem Leben Christi angefertigt hat. Die übrigen drei Radierungen dieser möglichen Serie sind "Die Präsentation im Tempel" (Bartsch 1797, 50), "Die Kreuzabnahme bei Fackelschein" (Inv. DG1926/156), und "Christus in Emmaus" (Bartsch 1797, 87).
Im Bereich der Radierungen gehört die in vier Zuständen ausgeführte "Grablegung" zweifellos zu den weitestgehenden Experimenten, wobei es sogar innerhalb ein- und desselben Zustands mehrere Grade der Einfärbung und eine große Verschiedenheit an Papiersorten zu verzeichnen gibt.
Die Hauptszene spielt sich unter einem hohen Gewölbe ab. In der Komposition sind Anlehnungen an die aus der Raffael-Schule stammende Zeichnung einer Grablegung erkennbar, die sich höchst wahrscheinlich in Rembrandts Besitz befand; eine eigenhändige Kopie des Künstlers nach dieser Zeichnung ist im Haarlemer Teylers Museum. Die radikalen Änderungen vollzogen sich im zweiten Zustand. Die Platte wurde hier mit einem äußerst dichten Netz von radierten Linien überzogen. Das Ergebnis ist eine fast totale Finsternis, aus der die Figuren kaum sichtbar hervorschimmern. Im vorliegenden dritten Zustand werden die Figuren durch das Abschleifen verschiedener Partien wieder mehr aufgehellt, wobei der Charakter eines Nachtstücks aber erhalten bleibt. Auch das Grab und die Architektur wurden näher definiert, aber in der Innenraumgestaltung unterscheidet sich dieser Zustand jetzt wesentlich von der frühesten Version.
Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 126, S. 268.
