Rembrandt Harmensz. van Rijn, Petrus und Johannes an der Pforte des Tempels, Inv. Nr.: DG1926/1…
Petrus und Johannes an der Pforte des Tempels
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Petrus und Johannes an der Pforte des Tempels, Inv. Nr.: DG1926/184
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Petrus und Johannes an der Pforte des Tempels

Rembrandt Harmensz. van Rijn

um 1629




Künstler:in (Leiden 1606 - 1669 Amsterdam)
Dateum 1629
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesRadierung
Dimensions22,1 x 16,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1926/184
Editioneinziger Zustand
Text

In dieser um 1629 in Leiden entstandenen Radierung behandelt Rembrandt die in der Apostelgeschichte 3, 1-10 beschriebene Episode: In Jerusalem treffen Petrus und Johannes bei der großen Tempelpforte auf einen Bettler, der von Geburt an gelähmt war. Petrus sagt zu ihm: "Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi stehe auf und wandle! Und griff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf." Der Mann "sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, wandelte und sprang und lobte Gott."
Zu sehen ist hier nicht das Wunder selbst, doch der unmittelbar vorangehende Augenblick, in dem Petrus sich, die Arme ausgebreitet, mit beschwörender Miene zum gelähmten Bettler hinüberbeugt; dieser wiederum versucht seine Hand hochzuheben, die gleich darauf von Petrus ergriffen werden wird. Die nahsichtig wiedergegebene Szene, in deren Hintergrund sich die Pforte öffnet, wird von der monumentalen, intensiv blickenden Petrusgestalt dominiert; wie mit ihm zusammengewachsen erscheint die dunkle, teilweise verdeckte Silhouettenfigur des Johannes, dessen krauses Haar an Rembrandts gleichzeitig gemalte und radierte Selbstbildnisse erinnern. Durch die leichte Untersicht der Petrusfigur werden sowohl die Unmittelbarkeit als auch die Expressivität der Szene gesteigert; der Betrachter befindet sich praktisch in Augenhöhe mit dem ganz vorne neben seinen Krücken sitzenden Bettler und erlebt das Geschehen gleichsam aus dessen Perspektive. Es ist nicht sicher, ob die im Dresdener Kupferstichkabinett  befindliche Zeichnung eines alten Mannes, der seine Arme ausbreitet, im Hinblick auf die Radierung entstand. Möglicherweise zog Rembrandt diese nach dem Modell gezeichnete Studie - auch hier zeigt sich die leichte Unteransicht - erst nachträglich für die Radierung heran. Sie kann aber aufgrund der etwas anderen Stellung und des größeren Formats nicht als unmittelbare Vorlage gedient haben.
In der Figurenkonstellation hat Rembrandt sich an einem anonymen Kupferstich nach einem Entwurf von #Maarten de Vos orientiert (Hollstein Dutch & Flemish 44-46, 892) dessen manieristische Bildsprache er vereinfachte und gleichzeitig intensivierte. In dieser für die Frühzeit ungewöhnlich großen Radierung führte Rembrandt in dieser Technik erstmals eine bewusste Bildregie, verbunden mit einem gezielt eingesetzten Hell-Dunkel, wobei er für die beleuchteten Stellen das Papier freiließ. Die durchlässigen Strukturen erzielte er durch ein Netz von sehr freien, schlingen- und zickzackförmig verlaufenden Linien; die Schattenpartien vermittelte er durch dicht aneinander liegende Parallelschraffen. Auf den experimentellen Charakter dieser Radierung, von der insgesamt nur vier Exemplare bekannt sind, weisen die schrägen Streifen hin, die durch Schäden in der Firnisschicht verursacht wurden. Dreißig Jahre später hat Rembrandt sich wiederum in einer Radierung (Bartsch 1797, 94) mit derselben Geschichte auseinandergesetzt, wobei die Architektur eine weitaus größere Rolle spielt und die Figurenanordnung der Komposition von Maarten de Vos mehr entspricht als im Fall der hier gezeigten Jugendarbeit. Diese kann trotz der mangelnden Perfektion als ein eindrucksvolles frühes Zeugnis von Rembrandts außergewöhnlicher Erfindungsgabe angesehen werden. 

Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 27, S. 106.

Catalogue raisonné
  • Bartsch 1797 95
  • Hollstein Dutch & Flemish XVIII.52.B 95
  • White/Boon B 95
  • New Hollstein Dutch & Flemish 15
  • Bibliography
  • AK Albertina 1970/71, Nr. 10, Taf. 3
  • AK Amsterdam/London 2000/01, Nr. 5 (G. Luijten)
  • AK Albertina 2004, Nr. 27 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand

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    Last edited27.07.2021