Rembrandt Harmensz. van Rijn, Das Schwein, Inv. Nr.: DG1926/284
Das Schwein
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Das Schwein, Inv. Nr.: DG1926/284
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Das Schwein

Rembrandt Harmensz. van Rijn

1643




Künstler:in (Leiden 1606 - 1669 Amsterdam)
Date1643
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesRadierung und Kaltnadel
Dimensions14,5 x 18,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1926/284
Edition1. Zustand (Seidlitz/Hollstein); 2. Zustand (New Hollstein)
Signedr.u. "Rembrandt f 1643"
Text

Aufgrund der detaillierten Ausführung des gefesselten, am Boden liegenden Schweins gilt diese 1643 datierte Radierung in erster Linie als eine Tierdarstellung, die dann auch allgemein als "Das Schwein" betitelt wird. Aufgrund des erstaunlichen Realismus ist es gut denkbar, dass Rembrandt das Tier unmittelbar nach dem Leben auf der präparierten Platte zeichnete. Vielleicht hat er dabei auch von Zeichnungen Gebrauch gemacht; einige spontane Federskizzen nach Schweinen in verschiedenen Stellungen sind von ihm bekannt. Die meiste Ähnlichkeit weist das Schwein in der Radierung mit der unteren der beiden Skizzen auf einem Blatt in Paris auf (Musée du Louvre, Cabinet des Dessins). Durch die nachträglich aus dem Gedächtnis hinzugefügte Szene ist das Tier zum Hauptbestandteil einer Erzählung geworden; die im Hintergrund sichtbaren Figuren sind allerdings nur mit wenigen raschen Linien angedeutet, ähnlich wie die Hintergrundszene in der um einige Jahre später entstandenen Radierung eines sitzenden und eines stehenden Knaben (Inv. DG1926/333).
Hinter der halbgeöffneten Tür verrichtet der Schlächter, der - wie im 17. Jahrhundert üblich - auf Bestellung zu den verschiedenen Häusern kam, die letzten Vorbereitungen für seine blutige Arbeit; um ihn herum bewegen sich zwei Knaben sowie eine Mutter mit einem kleinen Kind. Etwas schärfer ausgearbeitet sind das Gesicht des konzentriert beschäftigten Schlächters und das etwas verängstigt auf das Schwein blickende Gesicht des kleinen Kindes, das anscheinend von der lachenden Mutter dazu animiert wird, das Tier zu streicheln. Etwas detaillierter präsentiert sich auch die Gestalt des grinsenden Knaben, der eine Schweinsblase an sich drückt, um den typischen rauen Ton hervorzubringen; möglicherweise weist diese Tätigkeit symbolisch auf die Kürze des Lebens hin.
Vermittelt wird hier in erster Linie der Eindruck eines hilflosen Geschöpfs, das der menschlichen Grausamkeit gnadenlos ausgeliefert ist. Dass Rembrandt sich auf den emotional beladenen Moment vor der Tötung konzentriert, charakterisiert seine höchst eigenständige Auseinandersetzung mit der Thematik. Die meisten Schlächterszenen des 17. Jahrhunderts zeigen die ausgebreiteten Karkassen von getöteten Tieren.

Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 72, S. 172.

Catalogue raisonné
  • Bartsch 1797 157
  • Hollstein Dutch & Flemish XVIII.78.B 157 I
  • White/Boon B 157 I
  • New Hollstein Dutch & Flemish 215 II
  • Bibliography
  • AK Albertina 1970/71, Nr. 153, Taf. 39
  • AK Amsterdam/London 2000/01, Nr. 47 (G. Luijten)
  • AK Berlin u. a. 1991/92, Bd. 2, Radierungen, Nr. 18 (H. Bevers)
  • AK Albertina 2004, Nr. 72 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • Kaiserliche Hofbibliothek

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/124096/das-schweinImage Request
    Last edited04.11.2025