Rembrandt Harmensz. van Rijn, Auf einem Erdhügel sitzender Bettler, Inv. Nr.: DG1926/309
Auf einem Erdhügel sitzender Bettler
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Auf einem Erdhügel sitzender Bettler, Inv. Nr.: DG1926/309
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Auf einem Erdhügel sitzender Bettler

Rembrandt Harmensz. van Rijn

1630




Künstler:in (Leiden 1606 - 1669 Amsterdam)
Date1630
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesRadierung; Druck von verschmutzter Platte
Dimensions11,6 x 7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1926/309
Editioneinziger Zustand (Seidlitz/Hollstein); 1. Zustand (New Hollstein)
Inscribedr.o. "16." (mit Feder)
SignedM.u. "RHL 1630"
Text

Nachdem Rembrandt 1628 und 1629 seine ersten gemalten Selbstbildnisse geschaffen hatte, entstand 1630 eine Reihe von sehr kleinen, einprägsamen Radierungen, in denen ihm sein eigenes Gesicht zum Studium verschiedener Ausdrucksmöglichkeiten diente. In Bezug auf die Funktion dieser Arbeiten wird auf die berühmte, 1678 erschienene Publikation des Rembrandt-Schülers #Samuel van Hoogstraten, "Inleyding tot de hooge Schole der Schilderkunst" verwiesen. Im Bereich der mythologischen, historischen und biblischen Geschichten empfiehlt der Autor den angehenden Malern, sich intensiv in die Leidenschaften und Gemütsregungen der darzustellenden Personen hineinzuversetzen. Von großem Nutzen bei der Wiedergabe der Leidenschaften desjenigen, den man vorhat zu malen, sei das Studium des eigenen Gesichts "vor einem Spiegel, um zugleich Darsteller und Zuschauer zu sein". Man nimmt an, dass van Hoogstraten, der am Anfang der vierziger Jahre bei Rembrandt in der Lehre war, hier auf dessen Methoden Bezug nimmt.
Durch die Aussage van Hoogstratens sind wir also aus zweiter Hand über den vermutlichen Zweck der vor dem Spiegel entstandenen "Selbstbildnisse" des Künstlers informiert: Sie dienten in erster Linie dazu, die Reaktionen festzuhalten, welche die vorgespielten Affekte und Emotionen im eigenen Gesicht hervorriefen. Die so entstandenen Zeichnungen und Radierungen konnten entweder dem Künstler selbst oder seinen Schülern als Grundlage für die Figurenwiedergabe in Historienbildern dienen.
Das "Selbstbildnis als Bettler" weicht von den anderen Radierungen (Inv. DG1926/6a, DG1926/7, DG1926/510, DG1926/514) wesentlich ab. Diese Sitzgestalt hat Rembrandt mit seinem eigenen Gesicht versehen, das er durch einen dunklen Bart ergänzt hat; im Ausdruck kommt es dem "Selbstbildnis mit offenem Mund" (Inv. DG1926/7) nahe. Das Thema der Bettler und Krüppel ist ab den späten zwanziger Jahren in Rembrandts Zeichnungen und Radierungen häufig anzutreffen. Eine wichtige Inspirationsquelle war ihm dabei die berühmte Serie der Radierungen mit Bettlerfiguren von #Jacques Callot.
In diesen kleinen Selbstbildnissen kristallisiert sich bereits deutlich Rembrandts persönlicher Radierstil heraus, der sich durch das sehr wirksame Zusammengehen von präziser linearer Charakterisierung und extrem frei gestalteten, sehr feinen Strichgeweben kennzeichnet; sehr wesentlich dabei ist die modellierende Rolle des Lichts. 

Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 6, S. 62.

Catalogue raisonné
  • Bartsch 1797 174
  • Hollstein Dutch & Flemish XVIII.85.B 174
  • White/Boon B 174
  • New Hollstein Dutch & Flemish 50 I
  • Bibliography
  • AK Albertina 1970/71, Nr. 33, Taf. 5
  • AK Albertina 2004, Nr. 6 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • Kaiserliche Hofbibliothek

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    Last edited04.11.2025