Die Landschaft mit den drei Bäumen
Rembrandt Harmensz. van Rijn
1643
Rembrandts berühmteste Landschaftsradierung ist die dramatische Landschaft mit den drei Bäumen, die deutlich größer und bildhaft ausgearbeitet ist. Über ihre Symbolik wurde viel spekuliert – etwa über die Rolle der drei Bäume und deren Assoziation mit den drei Kreuzen auf dem Berg Golgatha. Winzig klein erscheint ein Zeichner rechts auf dem Hügel – ein Hinweis auf den Künstler als Erfinder und Schöpfer der Komposition. Vielleicht wollte Rembrandt mit dieser imaginären Landschaft ein niederländisches Gegenstück zu den südlichen Ideallandschaften von Claude Lorrain schaffen, dessen Landschaftsradierungen seit 1630 bekannt waren.
Platte: 21,5 × 28,1 cm
Während Rembrandts Landschaftszeichnungen etwa zwischen 1634 und 1660 entstanden, umspannen seine radierten Landschaften eine Schaffenszeit von nur elf Jahren - von 1641 bis 1652. Diese druckgrafischen Blätter, die zu den Höhepunkten der niederländischen Landschaftskunst zählen, reichen vom Realismus der sparsam notierten Kompositionen bis zum dramatischen Helldunkel seiner imaginären Landschaften. Technisch und künstlerisch bot diese Thematik dem Künstler offenbar ein weites Experimentierfeld.
Seine 1643 datierte, sehr bildhaft ausgeführte Radierung "Die Landschaft mit den drei Bäumen" zählt zu den berühmtesten Landschaftsdarstellungen der westeuropäischen Kunst. Über die Symbolik dieser visionären, von einer Gewitterstimmung geprägten Naturszene wurde viel spekuliert - etwa über die Rolle der drei Bäume und deren Assoziation mit den Drei Kreuzen auf dem Berg Golgatha.
In dieser imaginären Panoramalandschaft erinnert die Stadt am Horizont nur ganz allgemein an Amsterdam oder Haarlem. In diesem von Tiefe und Atmosphäre geprägten Naturraum werden die fein konturierten Raumschichten zum Horizont hin zunehmend heller. Dominierend ist hier eine unwirkliche, dramatische Stimmung, die vor allem von den dunklen Wolkenmassen, den Strahlenbündeln und von den drei Bäumen erzeugt wird, deren mächtige Silhouetten sich effektvoll vom hellsten Teil des großen Himmelsbereiches abheben. Seltsam ruhig wirken die über die Landschaft verstreuten Figuren: ein Schäferpaar, eine Menschengruppe auf einem Pferdekarren, zwei Liebende und ein Zeichner.
Große Teile dieser berühmten Radierung wurden in dichten Konstellationen von oft tiefen Linien geätzt; die Vordergrundpartie und der Himmelsbereich wurden stellenweise mit dem Grabstichel und der Kaltnadel überarbeitet. Mittels Schwefelpulverätzung erzielte Rembrandt einen körnigen, zu subtilen Licht- und Schattennuancen führenden Plattenton. Vielleicht hatte er die Absicht, mit dieser imaginären Landschaft ein niederländisches Gegenstück zum Typus der südlichen Ideallandschaften von #Claude Lorrain zu schaffen, dessen Landschaftsradierungen seit 1630 bekannt waren. Auch die radierten Landschaftsvisionen seines etwas älteren, von ihm sehr bewunderten Zeitgenossen #Hercules Segers (Inv. DG1933/2187, DG1933/2188) könnten ihn angeregt haben. Wie immer führte Rembrandt die vielfachen Anregungen zu einem höchst individuellen Ergebnis.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 75, S. 166.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/124256/die-landschaft-mit-den-drei-baumenImage Request