Der Kunsthändler Clement de Jonghe
Rembrandt Harmensz. van Rijn
1651
Dass diese 1651 datierte Radierung den Amsterdamer Kunsthändler Clement de Jonge (1624/25-1677) darstellt, gilt seit jeher so gut wie unbestritten. Zu den Radierungen Rembrandts hatte der Porträtierte eine besondere Beziehung: Noch bei Lebzeiten des Künstlers erwarb er 74 von dessen Druckplatten. Auffallend an dieser Bildnisradierung, von der insgesamt sechs Zustände existieren, ist die kompromisslose Frontalität; der Dargestellte sitzt dem Betrachter unmittelbar gegenüber. Hinzu kommt der betont informelle Charakter seiner Pose; der ausgezogene Handschuh, der Hut und der aufgeschlagene Mantel suggerieren, dass der Porträtierte dem Künstler gerade einen kurzen, spontanen Besuch abstattet. Ein ähnlicher Effekt ist bestimmt das um drei Jahre später gemalte Bildnis von Jan Six, der gleichfalls mit ausgezogenem Handschuh, aufgeschlagenem Mantel und Hut posiert (siehe für Jan Six: Inv. DG1926/479). Darüber hinaus weist die Radierung durch die offene Strichart der Falten und die vielen offengelassenen Stellen des Mantelstoffes einen fast malerischen Charakter auf. Die auf jedes Dekorum verzichtende Darstellungsweise der beiden Bildnisse hat zur Vermutung Anlass gegeben, dass eine solche privat wirkende Pose nur dem engeren, kunstverbundenen Bekanntenkreis des Meisters vorbehalten war. In dem hier ausgestellten ersten Zustand der Radierung sind vor allem die Schatten in der Gesichtspartie von einer subtilen Transparenz gekennzeichnet, die sich in den darauffolgenden Zuständen zunehmend verlieren sollte; diese Änderungen sollten sich vor allem auf die Augen auswirken, die hier noch von einer erstaunlichen Klarheit und Leuchtkraft sind.
Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 91, S. 214.
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