Marcantonio Raimondi, Pallas, Inv. Nr.: DG1971/348
Pallas
Marcantonio Raimondi, Pallas, Inv. Nr.: DG1971/348
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Pallas

Marcantonio Raimondi

um 1522-1525




Künstler:in ((Argini bei Bologna?) um 1480 - 1527/34 Bologna)
Nach (Urbino 1483 - 1520 Rom)
Nach (Rom 1499 - 1546 Mantua)
Dateum 1522-1525
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesKupferstich
Dimensions26,2 x 15,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1971/348
Inscribed"P. Mariette"
MarkingsAlexandre-Pierre-François Robert-Dumesnil (Lugt 2200)
Text

Das auf einer Kugel stehende antikisch gekleidete Mädchen gibt sich durch den Helm, die kleine Aigis, die Lanze und das Schild mit dem Medusenhaupt als Athena zu erkennen. Für die Gestaltung waren vermutlich antike Minerva-Statuen (Bober/Rubinstein 1987, Nr. 42) oder Darstellungen der Athena auf Münzen vorbildlich (vgl. die Beispiele im LIMC, 1984, Bd. II/2, S. 709, Nr. 58 b-f, S. 713, Nr. 79-80). Laut Bartsch stammt die Vorzeichnung für den Stich von #Raphael oder #Giulio Romano, Passavant dachte an Giulio, während Delaborde (1888) #Perino del Vaga für wahrscheinlicher als Giulio hielt. Raphael ist sicher auszuschließen, da die Bewegung zu unkontrolliert ist und durch das Schwungvolle nahezu aus dem Gleichgewicht zu geraten droht. Die mangelnde Organik ist an den unschön abgewinkelten Armen, dem übertriebenen Kontrapost und dem stark vorspringenden Kopf zu erkennen. Dieser dynamische und zugleich flächengebundene Stil ist charakteristisch für Giulio, und so lässt sich noch Giulios Fresko mit der "Göttin Minerva" aus den frühen vierziger Jahren (Hartt 1958, Bd. 2, Abb. 492), das sich im Wohnhaus des Künstlers in Mantua befindet, gut mit der "Athena" vergleichen. Der Entwurf lässt sich am besten in Giulios Werk um 1522-1524 einordnen. Die dynamische Bewegung und die Gestaltung des wie nass anliegenden Gewandes, das von scharfkantigen Falten durchzogen ist, erinnern an die Figuren in den Fresken der Cloelia-Legende aus dem Salone der Villa Lante, die nach Entwürfen Giulios um 1524 gemalt wurden (Lilius 1981, Bd. 2, Taf. 49, 50). Auch die Stichtechnik Marcantons entspricht dieser Datierung. Die Figur setzt sich zwar kräftig vom Hintergrund ab, doch ist die Bewegung von größter Lebendigkeit. Das Licht gleitet über den Körper, bringt den Stoff zum Schillern und lässt einzelne Falten aufblitzen. Ein kräftiger Windzug weht die Haare zurück und bauscht das Gewand hoch, das bereits zu flattern beginnt. Marcanton erzielt diesen frischen Eindruck durch den ständigen Wechsel der Linien, die sich verdichten, dann bisweilen völlig ausdünnen und durch Punktierungen ersetzt werden. In dieser dynamische Auffassung ist die "Pallas Athene" direkt mit Marcantons "Gastmahl im Hause Simons des Pharisäers" (Inv. DG1970/275) zu vergleichen. Bekanntlich fällt Pallas mit Minerva, der Göttin des Krieges und der Klugheit zusammen, die zugleich Beschützerin der Künste und der Heilkunst - "Minerva medica" - ist. Vielleicht hat die Wahl #Giulio de´Medicis zum Papst Clemens VII. im November 1523 die Entstehung dieses Stichs angeregt. Dann wäre die Kugel als Anspielung auf die "palla medicea" des Familienwappens zu verstehen.

Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 235, S. 325.

Catalogue raisonné
  • Bartsch 1803-1821, 14, S. 253, 337
  • Passavant 1860-1864, 6, S. 27, 145
  • Le Blanc, 3, S. 278, 212
  • TIB 27.32.337 (253)
  • Bibliography
  • Delaborde 1888, S. 148 f., Nr. 103, Abb. 20
  • AK Mantua/Albertina 1999, Nr. 235 (A. Gnann)
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/124532/pallasImage Request
    Last edited23.02.2026

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