Marcantonio Raimondi, Merkur, vom Himmel herabsteigend, Inv. Nr.: DG1971/353
Merkur, vom Himmel herabsteigend
Marcantonio Raimondi, Merkur, vom Himmel herabsteigend, Inv. Nr.: DG1971/353
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Merkur, vom Himmel herabsteigend

Marcantonio Raimondi

um 1517-1519




Künstler:in ((Argini bei Bologna?) um 1480 - 1527/34 Bologna)
Nach (Urbino 1483 - 1520 Rom)
Dateum 1517-1519
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesKupferstich
Dimensions31,5 x 20,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1971/353
WatermarkAnker
Text

Die Marcantonio Raimondi zugeschriebenen Stiche (Inv. DG1971/352, DG1971/353, DG1971/354) stehen mit drei Darstellungen in Zusammenhang, die Raphael und seine Werkstatt in den Gewölbezwickeln der Loggia di Psiche gemalt haben. Zu zwei weiteren Stichen nach Zwickelbildern haben sich Vorzeichnungen in Rötel erhalten: "Venus sucht Rat bei Juno und Ceres" von #Marco Dente und "Merkur trägt Psyche in den Olymp" von #Gian Giacomo Caraglio (Bartsch 1803-1821, 14, S. 247 f., Nr. 327; S. 86 f., Nr. 50). Es wird allgemein angenommen, dass Marcanton ebenfalls Zeichnungen zu den Stichen vorlagen, doch Oberhuber hat vermutet, dass sie auch direkt nach den Fresken entstanden sein könnten. Wenngleich er diese Ansicht später revidiert hat, so ist es doch angebracht, auf diese Problematik etwas näher einzugehen. Im Gegensatz zu den Stichen von Marco Dente und Caraglio beabsichtigt Marcanton, tatsächlich vorhandene Malereien an einem Gewölbe unter Einbeziehung der architektonischen Struktur wiederzugeben. Gegenüber den realen Verhältnissen in der Loggia sind die Zwickelfelder allerdings unten kürzer und schließen oben kreisförmig ab, die Festons sind durch Gesimse ersetzt, und die Malereien in den Stichkappen fehlen. Die Stiche geben die Kompositionen von einem sehr hohen Betrachterstandpunkt wieder. An einigen Stellen sind die Figuren sogar weniger verkürzt wiedergeben als im Fresko. Man kann dies am Kopf des Rückenaktes rechts neben Amor feststellen. Der Ausdruck in den Gesichtern, die Muskulatur und Modellierung der Körper sowie die Fältelung der Draperien zeigen ebenfalls Abweichungen. All dies kann aber Handschrift des Stechers sein und widerspricht nicht einer Entstehung nach den Fresken. Die Existenz von Vorzeichnungen kann aber aufgrund einiger entscheidender Abweichungen von den ausgeführten Bildern kaum in Frage gestellt werden. Marcantons "Merkur" ist schlanker und ragt vertikaler auf, im Fresko ist dagegen sein Herabkommen vom Himmel überzeugender. Andererseits sind bei Marcanton Merkurs Arme beweglicher und ungleich besser verkürzt. Sie können nicht nach dem Fresko entstanden sein. Hinzu kommt, dass Merkur seine Trompete im Bild nach außen dreht, im Stich nach innen. Eine Entwurfsskizze in Feder zum Zwickel mit Merkur und zu zwei Stichkappen befindet sich in Köln (Knab/Mitsch/Oberhuber 1983, Nr. 543).
Aufgrund der hohen Qualität der Figurenbildung in allen drei Stichen nimmt man zu Recht an, dass Vorzeichnungen von Raphael existiert haben. Die Gewölbestruktur fügte Marcanton vermutlich selbst hinzu. Die Figuren setzen sich mit äußerstem Kontrast vor dem hellen Grund ab, wobei das Helldunkel eine geradezu aggressive Wirkung erhält. In den Schatten ist die Spannung und Verdichtung der Linien am höchsten. Im Wechsel mit den hellen Partien erhalten die Figuren dann eine metallartig glänzende Oberfläche. Die Tendenzen von Marcantons Spätstil nach Raphaels Tod kündigen sich hier bereits an, in denen die Figuren aber noch skulpturaler und starrer empfunden sind. Die Stiche entstanden wohl zu der Zeit, als man an der Dekoration des Gewölbes arbeitete, möglicherweise zwischen 1517 und 1519.

Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 76, S. 134.

Catalogue raisonné
  • Bartsch 1803-1821, S. 257, 343
  • Passavant 1860-1864, 6, S. 25, 134
  • Le Blanc, 3, S. 278, 216
  • TIB 27.38.343 (257)
  • Bibliography
  • Delaborde 1888, S. 145, Nr. 97
  • AK Albertina 1966, S. 9
  • AK Paris 1983/84, S. 346, Nr. 25 (P. Jean-Richard)
  • Oberhuber 1984, S. 339
  • AK Rom 1985, S. 152, Nr. 6 (S. Massari)
  • Cordellier/Py 1992, S. 363, Nr. VI
  • AK Mantua/Albertina 1999, Nr. 76 (A. Gnann)
  • AK Siena 2005/06, S. 324, Nr. 4.10
  • Provenance
  • Albertina, Altbestand

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/124537/merkur-vom-himmel-herabsteigendImage Request
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