Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der Mediziner Arnout Tholinx, Inv. Nr.: DG1926/478
Der Mediziner Arnout Tholinx
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der Mediziner Arnout Tholinx, Inv. Nr.: DG1926/478
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der Mediziner Arnout Tholinx

Rembrandt Harmensz. van Rijn

um 1656




Künstler:in (Leiden 1606 - 1669 Amsterdam)
Dateum 1656
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesRadierung und Kupferstich mit Kaltnadel; ganz leichter Plattenton
Dimensions19,6 x 15 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1926/478
Edition2. Zustand (Seidlitz/Hollstein); 2. Zustand (New Hollstein)
Text

Der Arzt Arnout Tholinx (1607-1679) führte in Amsterdam eine blühende Praxis, nachdem er einige Jahre vor der Entstehung der vorliegenden Porträtradierung seine Funktion als Inspektor des Collegium Medicum niedergelegt hatte. 1648 heiratete er Catharina Tulp, die älteste Tochter des Arztes Nicolaes Tulp, der in Rembrandts berühmtem Gemälde "Der anatomische Unterricht" (1632) eine zentrale Stellung einnimmt. 1654 wurde er der Schwager von Jan Six (siehe Inv. DG1926/479), der in diesem Jahr Margaretha, die jüngere Schwester von Catharina, heiratete.
Tholinx gehörte zum engsten Kreis der Bewunderer und Mäzene von Rembrandt. Dies war vielleicht der Grund, warum er Rembrandt gerade in der Zeit, in der dieser sich in finanziellen Schwierigkeiten befand, um 1656 den Auftrag zu einem Porträtgemälde und einer Porträtradierung gab. Das Gemälde zeigt den Porträtierten in schlichter Frontalansicht, fast als Halbfigur, ohne jeden Hinweis auf seine berufliche Tätigkeit (Paris, Musée Jacquemart-André). Die Radierung dagegen, von der nur wenige Abzüge bekannt sind, zeigt den angesehenen Arzt vor seiner Lektüre, die er, den Blick auf den Betrachter gerichtet, kurz zu unterbrechen scheint; den gerade abgenommenen Zwicker hält er in der Hand. Weitere Attribute seiner wissenschaftlichen Tätigkeit sind die rechts im Hintergrund stehenden Flaschen. Wie im Gemälde trägt er einen Hut, den er auch bei der Arbeit nicht abgelegt hat. Die Radierung, die von kräftigen Akzenten mit der Kaltnadel dominiert wird, beeindruckt durch die Unmittelbarkeit des Ausdrucks und durch die subtilen Helldunkel-Wirkungen, besonders in der vom Hutrand überschatteten Augenpartie.
Diese Arbeit war wohl fast genau so begehrt wie die Porträtradierung von Jan Six, die aufgrund ihrer Wirklichkeitsillusion und Virtuosität zu den absoluten Höhepunkten der Druckgraphik Rembrandts zählte. Der breite, leergelassene Rand unterhalb der Darstellung im Hinblick auf den Geschenkzweck war vielleicht persönlichen Notizen oder Widmungen des Porträtierten vorbehalten.

Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 92, S. 216.

Catalogue raisonné
  • Bartsch 1797 284
  • Hollstein Dutch & Flemish XVIII.135.B 284 II
  • White/Boon B 284 II
  • New Hollstein Dutch & Flemish 294 II
  • Bibliography
  • AK Albertina 1970/71, Nr. 274
  • AK Amsterdam/London 2000/01, Nr. 82 (G. Luijten)
  • AK Albertina 2004, Nr. 92 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • Hofbibliothek

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/125109/der-mediziner-arnout-tholinxImage Request
    Last edited24.10.2025

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