Anonym, Der Triumph Cäsars: Die Elefanten, Inv. Nr.: DG1951/385
Der Triumph Cäsars: Die Elefanten
Anonym, Der Triumph Cäsars: Die Elefanten, Inv. Nr.: DG1951/385
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der Triumph Cäsars: Die Elefanten

Anonym

Ende 15. Jahrhundert




Kaum ein anderes Werk wird so häufig mit der Wiederbelebung antiker Triumphzüge in Verbindung gebracht wie der von Andrea Mantegna zwischen 1484 und 1495 ausgeführte Triumph Caesars. Die Reihe von neun monumentalen Leinwandgemälden (heute London, The Royal Collection, Hampton Court Palace) war wahrscheinlich ein Auftragswerk von Herzog Francesco Gonzaga in Mantua. Mantegna strebte eine möglichst korrekte Nachschöpfung des antiken Siegesrituals an: Lebensgroße, in antikisierende Togen und Rüstungen gekleidete Musiker, Krieger mit Trophäen und Fahnen sowie Gefangene schreiten dem auf seinem Triumphwagen thronenden Caesar voran. Schon bald nach seiner Entstehung fand Mantegnas Triumph Caesars in Nachzeichnungen, Stichen, Holzschnitten und gemalten Kopien weite Verbreitung.


Künstler:in
Nach (Isola di Cartura 1431 - 1506 Mantua)
DateEnde 15. Jahrhundert
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesKupferstich
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1951/385
Text

Kaum ein anderes Werk wird so häufig mit der Wiederbelebung antiker Triumphzüge in Verbindung gebracht wie der von Andrea Mantegna zwischen 1484 und 1495 ausgeführte Triumph Caesars. Die Reihe von neun monumentalen Leinwandgemälden (heute London, The Royal Collection, Hampton Court Palace) war wahrscheinlich ein Auftragswerk von Francesco Gonzaga, dem jungen Herzog von Mantua. Als erfolgreicher Heerführer identifizierte er sich mit Caesar, weshalb der Gemäldezyklus neben den Siegen seines berühmten Vorbildes vor allem Francescos eigene militärische Erfolge in antiker Tradition feiern sollte: Lebensgroße, in antikisierende Togen und Rüstungen gekleidete Musi­ker, Krieger mit Trophäen und Fahnen sowie Gefangene schreiten dem auf seinem Triumphwagen thronenden Caesar voran. Alle sind in leich­ter Untersicht dargestellt, um die Monumentalität der heroischen Pro­zession zu steigern; Anfang und Ende des Zuges fehlen, um eine endlose Fortführung zu suggerieren. Ein zehntes Bild mit Senatoren wurde von Mantegna nicht mehr ausgeführt und ist nur durch eine Zeichnung und einen Stich aus der Mantegna-Werkstatt überliefert (Albertina, Inv. 2585 und DG1951/394 – DG1951/395; Hind 16). 

Mantegnas Bildprogramm basiert auf den kurz zuvor im Druck erschienenen Schriften Flavio Biondos, Roma Triumphans (um 1472), und Roberto Valturios, De re militari (verfasst um 1450, latein. Ausga­be 1472), in denen antike Beschreibungen von Triumphzügen verarbei­tet wurden, darunter Texte von Sueton, Plutarch, Appian oder Livius. Die Datierung des Gemäldezyklus und die Chronologie seiner Ausfüh­rung sowie die ursprüngliche Präsentation wurden in der Forschung kontrovers diskutiert. Wahrscheinlich dienten die Bilder als Wand­schmuck eines Saals oder als transportable Festdekoration, waren doch Triumphzüge (ital. trionfi) bereits im 15. Jahrhundert fixe Bestandteile italienischen Festwesens.

Schon bald nach seiner Entstehung fand Mantegnas Triumph Caesars in Nachzeichnungen, Stichen, Holzschnitten und gemalten Kopien weite Verbreitung. Im Kupferstich wurden allerdings lediglich drei Kompositionen aufgegriffen: die erwähnte zehnte Szene mit den Sena­toren sowie die Elefanten und die Trophäenträger, die wohl auf heute verlorenen gezeichneten Vorstudien basieren. Diese beiden Blätter sind so konzipiert, dass sich der Körper des vordersten Elefanten im darauf­folgenden Blatt fortsetzt, jedoch unterbrochen von einer Lücke. Diese konnte durch einen Pilaster gefüllt werden, was suggerierte, dass die Prozession wie bei Mantegnas Originalen hinter einer architektoni­schen Rahmung vorbeizog. Dieses Konzept wurde gut 100 Jahre später, 1598/99, von Andrea Andreani in seiner zwölfteiligen Holzschnittfolge nach Mantegnas Triumph Caesars erneut aufgegriffen: Auf ein Titel­blatt folgen bei Andreani neun Szenen und zwei Blätter mit Pilastern, die ausgeschnitten und zwischen den Szenen eingefügt werden konnten (Albertina, Inv. DG2002/397– DG2002/408).

Als Vorbild für die Triumphzugminiaturen (Inv. 25205 - Inv. 25263) sollte Man­tegnas Werk jedoch nicht überschätzt werden: Bislang ging man meist davon aus, dass sich Stiche nach Mantegnas Gemälden in Albrecht Altdorfers Besitz befunden hätten, oder dass Kaiser Maximilian I. bei einem Besuch in Mantua die Leinwandbilder gesehen habe. Doch könn­te Maximilians Berater Johannes Stabius das Programm anhand anti­ker Schriften bzw. der Publikationen Biondos oder Valturios durchaus selbst konzipiert haben. Während Mantegna eine historisch möglichst korrekte Nachschöpfung des antiken Siegesrituals anstrebte, bieten die Miniaturen gerade trotz der mutmaßlichen Kenntnis antiker Vorbil­der eine von Mantegna gänzlich unterschiedliche Interpretation eines Triumphzugs.

Hrsg. Eva Michel und Maria Luise Sternath, Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit, Wien 2012, Abb. 49, S. 217.

Catalogue raisonné
  • Hind 14a
  • Bartsch 1803-1821, XIII, 322, 8
  • Bibliography
  • Hind 14a
  • B. XIII, 322, 8
  • Ausst.-Kat. London/New York 1992, Nr. 117
  • Arlt 2005, S. 65.
  • Ausst.-Kat. Albertina 2012, Nr. 49 (E. Michel)
  • Provenance
  • Hofbibliothek

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/125202/der-triumph-casars-die-elefantenImage Request
    Last edited29.10.2025

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