Die große jüdische Braut
Rembrandt Harmensz. van Rijn
1635
Der Titel "Die große jüdische Braut (Judenbraut)" geht auf eine Tradition des 18. Jahrhunderts zurück, nach der die Dargestellte die Tochter des von Rembrandt porträtierten Ephraim Buenos sei. Auch wurde in ihr eine Schauspielerin in der Rolle der Minerva oder eine Sibylle vermutet. Heute aber zählt die 1635 datierte Radierung zu den meist detaillierten Bildnissen seiner Frau Saskia, die er im Jahr zuvor geheiratet hatte (vgl. Inv. DG1926/545). Mit gleichfalls offenen Haaren stellte Rembrandt seine Frau in der 1638 datierten Radierung "Die kleine jüdische Braut" dar (Bartsch 1797, 342), die auf Grund des dargestellten Rades aber als Studie für eine Hl. Katharina anzusehen ist.
Die Annahme, dass Saskia hier für die Gestalt der Esther posiert hat, beruht vor allem auf der Papierrolle, die das Modell ab dem dritten - hier gezeigten - Zustand der Radierung in der Hand hält (die Hände sind in diesem Zustand noch weiß). Aller Wahrscheinlichkeit nach ist diese Papierrolle als der schriftliche Befehl anzusehen, demzufolge alle in Persien lebenden Juden ermordet werden sollten. Mit diesem Dokument begab sich Esther, königlich ausgestattet, zu ihrem Gemahl, König Ahasverus, um die Ermordung ihrer Glaubensgenossen zu verhindern.
Die ersten zwei Zustände der Radierung zeigen nur das Gesicht und die Schulterpartie des Modells, dessen Haare offensichtlich länger dargestellt wurden, als sie in Wirklichkeit waren. Vor der Vollendung des dritten, hier gezeigten Zustandes zeichnete Rembrandt eine Studie, um den Zwischenstand im Entstehungsprozess festzuhalten - eines der wenigen Beispiele im Œuvre Rembrandts, bei denen sich eine unmittelbare Beziehung zwischen einer Radierung und einer Zeichnung feststellen lässt (Stockholm, Nationalmuseum).
Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 78, S. 186.
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