Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der Mönch im Kornfeld, Inv. Nr.: DG1930/458
Der Mönch im Kornfeld
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der Mönch im Kornfeld, Inv. Nr.: DG1930/458
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der Mönch im Kornfeld

Rembrandt Harmensz. van Rijn

um 1646




Künstler:in (Leiden 1606 - 1669 Amsterdam)
Dateum 1646
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesRadierung und Kaltnadel
Dimensions4,7 x 6,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG1930/458
Editioneinziger Zustand (Hollstein); einziger Zustand (New Hollstein)
Text

Gemeinsam mit der Radierung "Das französische Bett" (Inv. DG1926/318; Inv. DG1926/319; Inv. DG1926/320) gehört die Szene "Der Mönch im Kornfeld" zur Kategorie der freizügigen Darstellungen ("sujets libres") in Rembrandts druckgrafischem Œuvre. Aufgrund der feinen, teilweise mit der Kaltnadel gezeichneten Linien war die Auflage dieser miniaturhaften Radierung gering; entsprechend selten sind die erhaltenen Drucke.
Inspiriert wurde die Szene durch #Heinrich Aldegrevers Kupferstich "Der Mönch und die Nonne mit dem Teufel im Baum" (Hollstein German 1, S. 77, B. 179; The New Hollstein German, Heinrich Aldegrever, Nr. 179;
https://sammlungenonline.albertina.at/?query=search=/record/objectnumbersearch=[D/I/27/73]&showtype=record§), der im 16. und 17. Jahrhundert von vielen Künstlern kopiert wurde. Rembrandt verzichtete auf die allegorische Dimension dieser Darstellung und konzentrierte sich auf das Liebespaar, dessen Aktivität er in die schützende Dichte eines reifen Kornfeldes versetzte; links im Hintergrund ist ein Mann bereits mit dem Mähen beschäftigt. Außerdem ersetzte er die Nonne durch ein Milchmädchen, wie aus dem links am Boden stehenden Milchfass hervorgeht. Typologisch gesehen entsprechen beide Hauptdarsteller der kleinen Liebesszene einer längeren Tradition. Seit dem Mittelalter ist der Mönch in der Literatur wie in der bildenden Kunst immer wieder in einem erotischen Kontext anzutreffen, wobei er in der Kunst des niederländischen 17. Jahrhunderts oft als Karikatur auftritt; das Milchmädchen war seit jeher mit der Reputation einer großen erotischen Freizügigkeit behaftet.
Trotz des extrem kleinen Formats besticht die Radierung durch die Konzentration auf realistische Details wie die geballten Fäuste und die sich in die Erde bohrende Zehe des Mönches, dessen Sandalen sich von den Fußsohlen abheben; neben ihm am Boden liegt seine Bibel. Ganz barfüßig präsentiert sich die Frau, deren umgekehrter Schuh auffällig im Vordergrund sichtbar ist - ein traditioneller Hinweis auf ihre erotische Aktivität. Zu dieser sorgfältigen Detailbehandlung gesellt sich die äußerst differenzierte Lichtwirkung, die die  intime Atmosphäre dieser unkonventionellen Liebesszene wesentlich mitbestimmt. 
 

nach: Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 56, S. 146.

 

Catalogue raisonné
  • Bartsch 1797 187
  • Hollstein Dutch & Flemish XVIII.90.B 187
  • White/Boon B 187
  • New Hollstein Dutch & Flemish 231
  • Bibliography
  • AK Albertina 1970/71, Nr. 169
  • AK Amsterdam/London 2000/01, Nr. 53 (G. Luijten)
  • AK Albertina 2004, Nr. 56 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • Hofbibliothek

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    Last edited03.11.2025