Baumgruppe mit einem Fernblick
Rembrandt Harmensz. van Rijn
1652
Der erste Zustand der vermutlich letzten Landschaftsradierung Rembrandts (1652) zeigt die charakteristischen Merkmale einer spontan nach der Natur entstandenen Skizze. Wie Martin Royalton-Kisch ausführt, machte Rembrandt drei Zeichnungen dieses Landschaftsmotivs, aber diese dienten ihm offenbar nicht als unmittelbare Vorarbeiten für die Radierung. Der Radierung am nächsten steht eine Zeichnung in Cambridge, Fitzwilliam Museum. Ein weiteres Blatt in Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, ist eine lebhafte Studie der Laubmassen. Auch seine Schüler fühlten sich zu diesem Ort hingezogen, wie ein Ölgemälde eines Rembrandt-Nachfolgers, ehemals Montreal, Museum of Fine Arts, und eine #Jacob Koninck zugeschriebene Zeichnung in Paris, Institut Néerlandais, zeigen.
Die Annahme liegt also nahe, dass der Künstler vor Ort mit der Kaltnadel unmittelbar auf der Platte gearbeitet hat. So legte er das dunkle Innere einer Baumpartie zusammen mit einer kleinen Holzkonstruktion und einigen Ästen am linken Bildrand in wenigen Linien fest; in Ansätzen schimmern zwischen den Bäumen die Formen eines Bauernhofes durch. Innerhalb des Gesamtwerkes von Rembrandts Landschaftsradierungen stellt dieser Zustand die extremste Form des Reduzierens dar, ein Prinzip, das in seinen Zeichnungen öfter anzutreffen ist. Trotz des fragmentarischen Charakters wirkt dieser Naturausschnitt wie eine autonome, aus heutiger Sicht erstaunlich moderne Arbeit. Nachdem Rembrandt diese erste summarische Bestandsaufnahme - mit einem Plattenton - gedruckt hatte, vervollständigte er die Komposition in der Werkstatt, wobei er weiterhin mit der Kaltnadel arbeitete (2. Zustand: Inv. DG1926/381).
Rembrandt, hrsg. Klaus Albrecht Schröder und Marian Bisanz-Prakken, Wien 2004, Abb. 175, S. 352.
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